Ganz Auge und ganz Ohr für Kirchenräume
Gisela Meyer-Hahn lässt Gotteshäuser in neuem Licht sehen. Am Wochenende setzt sie neun Sakralbauten in Szene.
Gisela Meyer-Hahn in der Wolfgangskrypta von St. Emmeram: 20 Gewölbe werden sich in wechselndem Licht von der Dämmerung in den Abend hinein verwandeln. Foto: Lex
Regensburg.
„Die Kirche St. Leonhard schwingt in g“, sagt Gisela Meyer-Hahn. Die Künstlerin erfasst die Welt synästhetisch, das heißt: Sie nimmt einen Reiz auf mehreren verschiedenen Sinneskanälen gleichzeitig wahr. Synästhetiker können zum Beispiel Zahlen Farben zuordnen, Buchstaben hören oder Klänge sehen. Das g in St. Leonhard steht für ein tiefes, sattes Rot, sagt Meyer-Hahn. Für die Nacht der offenen Kirchen wird sie das frisch sanierte Juwel in der Westnerwacht also in verschiedene Rottöne tauchen: Karminrot, magenta, feuerrot, orangerot und, im Altarraum, ultramarin werden sich langsam vom Boden bis zur Decke ausbreiten und mit den Klängen von Frank Wendebergs Gong, Klangschalen und Steel Drums verschmelzen.
Seit zehn Jahren feiert Regensburg alle zwei Jahre, alternierend mit der Langen Nacht der Museen, die Nacht der offenen Kirchen. Die Pfarreien boten in den Gotteshäusern individuelle Programme: Konzerte, Lesungen, Performances. Zum Jubiläum der ökumenischen Reihe „wollten wir etwa Besonderes bieten“, sagt Dr. Maria Baumann von den Diözesansammlungen. Die Kirchen entschieden sich für ein einheitliches Konzept: In ausgewählten Sakralräumen wird Gisela Meyer-Hahn am 19. Mai (20 bis 24 Uhr) ihre außergewöhnlichen Lichtkonzerte inszenieren. Die MZ sprach im Vorfeld mit der Pinnebergerin.

