Regensburg 20.05.2012, 15:46 Uhr

Vom siebten Himmel in das Tal der Tränen

Die große Fußball-Sause blieb aus. Nachdem Didier Drogba den Elfmeter verwandelte, waren die Bayern-Fans nur noch fassungslos.


        Alles Zittern half am Samstagabend im „Gloria“ leider nichts. Foto: Steffen

Alles Zittern half am Samstagabend im „Gloria“ leider nichts. Foto: Steffen

Von daniel steffen, mz

Regensburg. Die leise, bittere Ahnung lag in der stickigen Luft: Als Didier Drogba mit fest entschlossener Miene zum letzten Elfmeter des Abends antrat, schwante den gut Hunderten Zuschauern in dem prall gefüllten „Gloria“ Böses: Dieses Märchen wird nicht gut ausgehen, war aus ihren Gesichtern zu lesen. So sehr sich der FC Bayern gegen die drohende Niederlage stemmte, so sehr er auf das Tor des weitgehend harmlosen FC Chelsea stürmte, so sehr sollte jener FC Bayern vom Pech verfolgt sein. Beinahe schien es, als ob sich die oberen Mächte gegen die Münchner verschwört haben, einen geheimen Komplott schmiedeten, um das Londoner Gästeteam in den siebten Fußballhimmel zu heben. Ragten noch in der 83. Spielminute, als Thomas Müller zum heiß ersehnten und hochverdienten 1:0 für die Bayern einnetzte, alle Hände in die Lüfte, fanden sich die Hände nun vor den Gesichtern der gedemütigten Zuschauer wieder. Didier Drogba verwandelte eiskalt, der Albtraum hatte nun endgültig einen Namen.

Zuschauer in Schockstarre

Noch Minuten später verharrten einige Fans in Schockstarre, konnten gar nicht begreifen, was sich da vor ihren jungen Augen abgespielt hat. Ebenso traurig wie Elfmeterschütze Bastian Schweinsteiger, der das große Glück nur um Millimeter verfehlte, standen sie da, stülpten sich Trikot und Schal über den Kopf, haderten mit sich und der Ungerechtigkeit in dieser Welt. Sprüche wie „Das gibt’s doch nicht!“, „Unfassbar!“ und „Schei…e!“ entwichen ihren Mündern, denen es nach einem Frustschluck dürstete. Während sich einige Zuschauer noch die Siegesfeier der „Blues“ antaten, trabten andere schon nach Anpfiff davon, entweder heim ins Bett oder ins pulsierende Nachtleben hinein. Der obligatorische Zug zum Dom entfiel, die große Fan-Sause muss wohl bis zu den EM-Tagen warten.

Trotz des bitteren Resultats haben die Zuschauer Frühform bewiesen und dürften für die anstehenden Länderspiele bestens gerüstet sein. Begleitet von immer wieder aufkeimenden „Bayern, Bayern“-Rufen und dem Choral „Auf geht’s Bayern, schieß ein Tor, schieß ein Tor, schieß ein To-oo-oor“, heizten die Fans dem Team über 120 Minuten gut ein. Selbst nach dem zwischenzeitlichen 1:1--Ausgleich durch Didier Drogba verhallten die Anfeuerungsrufe nicht – nein, da glaubten die Bayern-Anhänger noch weiter an den Erfolg. Der „12. Mann“ stand wie eine Mauer hinter seiner Mannschaft.


 

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