Mit schwerem Gerät ging es dem Rasen im Jahnstadion am Montag an den Kragen. Foto: Lex
Von Sebastian Heinrich, MZ
Regensburg. Das Jahnstadion wird fitgemacht für die neue Saison: Seit Montagvormittag laufen die Arbeiten für die Verlegung der Rasenheizung – ein Teil der von der Deutschen Fußballliga (DFL) geforderten Maßnahmen, mit denen die seit 1926 bestehende Spielstätte ein letztes Mal zweitligatauglich gemacht wird. Die Planung für die anderen Arbeiten, die bis zum Saisonstart am ersten Augustwochenende abgeschlossen sein müssen, steht. Jahn und Stadt Regensburg äußerten sich auf einer Pressekonferenz am Montagnachmittag zuversichtlich, dass die Arbeiten an Tribüne, Beleuchtung, Medienbereich und Kabinen noch bis Ende Juli fertig sein werden.
Jahn-Geschäftsführer Johannes Baumeister fasste alle Maßnahmen zusammen, die absolut unabdingbar sind, um die DFL-Vorgaben zu erfüllen: eine Zusatztribüne im nördlichen Teil des Stadions mit 1686 Steh- und 1218 Sitzplätzen, neue Kameratürme für Fernsehübertragungen, zusätzliche Plätze auf der Pressetribüne, die Einrichtung einer „Mixed Zone“ für Interviews nach dem Spiel, größere Umkleidekabinen für Spieler und Schiedsrichter, eine Notstromversorgung für TV-Kameras und Beleuchtung, eine mobile Lautsprecheranlage. WC-Anlagen, Verpflegung und die Geschäftsstelle werde man auch verschönern. Dafür gebe es aber keine zwingenden Fristen. Die Gesamtkosten für die Maßnahmen könne man „grob“ auf 1,2 Millionen Euro beziffern – wobei sich davon laut Baumeister nur knapp 500000 Euro im Jahresergebnis des Jahn niederschlagen werden. Zum Einen, weil die Stadt 418000 Euro übernimmt (MZ berichtete) – zum Anderen, weil nach Angaben des Jahn ein Teil der Kosten aus Mietkosten und künftigen Betriebskosten besteht.
Weil die Stadt sich als Eigentümerin an den Umbaumaßnahmen beteiligt, müssen am Donnerstag Sport- sowie Finanz- und Verwaltungsausschuss des Stadtrats der Planung zustimmen. Sportbürgermeister Gerhard Weber ist sich der Zustimmung sicher. Aus seiner Sicht gibt es zu den Planungen „keine Alternative“. Weber verteidigte die Investitionen der Stadt in das alte Jahnstadion. Man investiere in städtisches Eigentum – und vor allem in die Sicherheit der Zuschauer.Das betreffe vor allem Fluchtwege und Beleuchtung. Als verbesserte Fluchtwege werden nun an den Stadionausgängen zur Lessingstraße und zur Dechbettener Straße Schneisen in die Zuschauerränge geschlagen, damit Flüchtende im Ernstfall nicht mehr an Treppen hinauf und hinab stürmen müssen und schneller ins Freie kommen.
Mit schwerem Gerät ging es dem Rasen im Jahnstadion am Montag an den Kragen. Foto: Lex
Außerdem sei das Jahnstadion die „größte Veranstaltungsstätte der Stadt“ – wer ein großes Event in Regensburg plane, könne bei der Stadt anfragen, um das Stadion dafür zu nutzen. Neben Sicherheitsmaßnahmen übernimmt die Stadt auch die Kosten für den neuen Rollrasen. Weber stellte sich auch hinter diese Finanzierung: Arbeiten an dem zuletzt 2002 sanierten Geläuf wären ohnehin angestanden. Weil die Stadt den alten Jahnstadion-Rasen zur Reparatur von Grasschäden im Stadtpark und an anderen Grünflächen verwenden könne, habe sie außerdem an anderer Stelle Geld eingespart. Ein letzter Punkt, der laut Weber die Investitionen der Stadt rechtfertigt: Der Jahn sei ein „wichtiger Standortfaktor“, die Zweitliga-Präsenz des Clubs habe „große Werbewirkung“ und bedeute einen großen Gewinn für den Wirtschaftsstandort Regensburg.
Die etwa 400 000 Euro teure Heizung unter dem neuen Rasen bezahlt der Jahn. Die Arbeiten für die Rasenheizung führt die Spezialfirma „Garten Moser“ aus Reutlingen durch, die unter anderem schon die Rasenheizung in der Allianz-Arena verlegt hat. In einem ersten Schritt entfernen die Arbeiter mit Spezialgerät die Grasnarbe des Rasens. Dann bauen sie die „Oberbodenschicht“ aus – also den Boden direkt unter der Grasnarbe – und lagern sie. Diesen ersten Teil der Arbeiten erledigen die Spezialisten im Lauf dieser Woche. Kommende Woche beginnt laut Alexander Schal, Projektleiter Stadionbau bei Moser, der aufwendigste Part: Die Heizungsleitungen werden verlegt.
Zunächst kommen Verteilerleitungen aus Kunststoff auf den Boden. An sie bringen die Moser-Arbeiter im Abstand von 30 Zentimetern Heizschläuche an. Diese Schläuche sind nur 2,5 Zentimeter dünn, am Ende werden 27 Kilometer Leitungen auf dem Boden liegen. Durch sie wird bei winterlichen Temperaturen warmes Wasser fließen, damit der Rasen darüber nicht gefriert, sich keine Eisschicht bildet und der Jahn seine Heimspiele nach Plan absolvieren kann. Das Warmwasser kommt aus Heizcontainern, die in der Nähe der Südtribüne stehen werden. In sieben Arbeitstagen dürften die Leitungen nach Angaben von Projektleiter Schal fertig sein. Über die Heizungsschläuche wird zur Abdeckung ein spezieller Quarzsand gelegt. Darauf kommt der vorher abgetragene und gelagerte Oberboden, darüber wiederum ein nagelneuer Rollrasen. Die gesamten Arbeiten sollen laut Verein bis 16. Juli beendet sein.
Das Jahnstadion wird fitgemacht für die neue Saison: Seit Montagvormittag laufen die Arbeiten für die Verlegung der Rasenheizung. Foto: Lex
Durch die Heizung und den neuen Rasen verspricht Moser-Projektleiter Alexander Schal den Jahnfans indes erhebliche Verbesserungen : „Die Spielbedingungen werden sich deutlich verbessern“, sagt Schal. Das bisherige Geläuf sei schließlich „sehr mitgenommen“ gewesen. Dem neuen Grün komme außerdem die etwas aus der Zeit geratene Bauweise des Jahnstadions zugute: Weil es im Jahnstadion keine hohen Tribünen gibt, kommen mehr Licht und Luft an den Rasen. „Optimale Bedingungen“, urteilt Schal über das altehrwürdige Stadion an der Prüfeninger Straße. Ein für Regensburger Fußballer-Ohren ungewohntes Kompliment.