Mehr Stress in der Boom-Town?
Die Regensburger in Stadt und Land sind deutlich seltener krank als der durchschnittliche Bayer oder Bundesbürger. Nur ihrer Psyche geht es nicht so gut. Das geht aus dem Gesundheitsreport der DAK hervor – einer Folge von Stress im Job.
Wo alles auf Hochtouren läuft, tun das auch die Menschen. In Regensburg gibt es weniger Krankmeldungen als im Landesdurchschnitt, aber deutlich mehr psychische Erkrankungen, stellte die DAK fest. Foto: fotolia
Die Menschen in Regensburg und dem Landkreis sind weniger oft krank als der Rest der Bundesbürger. Ihrer Psyche geht es allerdings nicht so gut.
Was in der Statistik auffällt: Mehr Depression, mehr Krebs
Die DAK hat ihren Gesundheitsreport 2012 veröffentlicht und daraus Zahlen für Regensburg und den Landkreis heruntergebrochen, die DAK-Regionalchef Wolfgang Rösler nun vorstellte und Prof. Dr. Thomas Loew, Leiter der Abteilung Psychosomatik am Uniklinikum, interpretierte. Beim Blick auf die bayernweite Statistik wird schnell klar: in wirtschaftlich erfolgreichen Regionen ist die Zahl der Krankschreibungen niedrig, in Problemregionen hoch. So liegt der Raum Regensburg als Boom-Region bei den Ausfalltagen deutlich unter dem Bayern-Durchschnitt. Die Regensburger leiden weniger oft an Muskel-Skelett-Erkrankungen und deutlich (etwa 10 Prozent) weniger an Verletzungen als der Landesdurchschnitt. Auch von Erkrankungen des Atmungssystems und Infektionen sind sie weniger oft betroffen als der Durchschnittsbayer. Dafür liegt die Zahl der Tumorerkrankungen um etwa zehn Prozent über dem Landesdurchschnitt, ebenso die Zahl der psychischen Erkrankungen.
Mehr psychische Erkrankungen:
Die Zahl der psychischen Erkrankungen hat sich bundesweit in den letzten vier Jahren alarmierend erhöht, fast vervierfacht, sagt DAK-Regionalleiter Wolfgang Rösler. Daran hat die Arbeitswelt mit ihrem stetig steigenden Tempo großen Anteil, ist sich Prof. Loew sicher. Bei den zugrundeliegenden Zahlen handelt es sich um Krankheitstage von Beschäftigten. Da schlage sich sicher auch nieder, dass wieder deutlich mehr ältere Menschen im Arbeitsprozess stehen als noch vor zwei, drei Jahren. „Noch nie hat es so viele 400-Euro-Jobs bei über 70-Jährigen gegeben wie jetzt“, sagt Prof. Loew. Andererseits habe sich durch die verbesserte Ausbildung der Hausärzte auch die Diagnostik verbessert. Psychische Krankheiten werden nun eher erkannt als früher, Depressionen sind kein Tabu-Thema mehr, über Burn-out reden Patienten ganz offen. Und auch die Versorgung sei sicherlich besser geworden, seit es in Regensburg auch einen Lehrstuhl für psychische Erkrankungen gibt.

