Regensburg 20.07.2012, 17:57 Uhr

OB schickt Hartl auf die Bretter

Sieben Tage lang lagen sich der Regensburger OB Hans Schaidinger und SPD-Fraktionschef Norbert Hartl im Clinch. Die MZ benenntt Sieger und Verlierer.

Klarer Sieger nach Punkten: OB Hans Schaidinger triumphierte im aktuellen Koalitionskrach. Während sich Christian Schlegl mit ihm freut, bleibt der SPD nur der Gang in die Verlierer-Ecke. Hartls Taktik des verbalen Tiefschlags ging nicht auf. Illustration: Barbara Stefan

Klarer Sieger nach Punkten: OB Hans Schaidinger triumphierte im aktuellen Koalitionskrach. Während sich Christian Schlegl mit ihm freut, bleibt der SPD nur der Gang in die Verlierer-Ecke. Hartls Taktik des verbalen Tiefschlags ging nicht auf. Illustration: Barbara Stefan

Von Ernst Waller, MZ

Regensburg. . Großen Sport bekamen die Regensburger in den vergangenen Wochen geboten: Nach tollen Aufstiegsspielen des SSV Jahn und einem prickelnden Ironman durften sie sich in den letzten sieben Tagen an einem ganz besonderen Boxduell erfreuen: Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) und SPD-Fraktionschef Norbert Hartl lieferten sich einen heftigen Schlagabtausch. In der schwarzen Ecke assistierte CSU-Chef Christian Schlegl, in der roten Ecke saß Bürgermeister Joachim Wolbergs. Letztere wollen in zwei Jahren als OB die Geschicke der Stadt lenken. Die MZ analysiert den Kampf, der so intensiv geführt wurde, dass die Koalition auf des Messers Schneide stand, und nennt Sieger und Verlierer.

Der klare Verlierer nach Punkten: SPD-Fraktionschef Hartl

Wie aus dem Nichts warf SPD-Mann Norbert Hartl vor einer Woche den Fehdehandschuh in den Ring. Der über Jahrzehnte in vielen Schlachten erprobte Kämpfer setzte auf eine altbekannte Taktik: Blitzschnell ließ er die Linke nach vorne schnellen, setzte einen Treffer, ging wieder in Deckung und wartete auf die Wirkung. Hartls Pech: Er hatte den Falschen getroffen. Der SPD-Mann hatte mit Dr. Helmut Reutter einen Mitarbeiter der Verwaltung öffentlich ins Visier genommen und ihm angesichts des Defizits beim evangelischen Krankenhaus vorgeworfen, dass Dr. Reutter als Leiter der evangelischen Wohltätigkeitsstiftung „das nicht im Griff hat“. Der OB und die CSU mit Fraktionsvorsitzendem Christian Schlegl holten zum großen Gegenschlag aus. Norbert Hartl sah sich plötzlich in der Ecke festgenagelt. Er wand sich, versuchte es mit dem alten Trick, er habe es irgendwann nicht ganz so gesagt und sowieso anders gemeint, konnte aber dem Trommelfeuer nicht mehr ausweichen. Da blieb ihm nur noch die volle Deckung („Ich sage gar nichts mehr“), um dann schließlich doch das Handtuch zu werfen. Er entschuldigte sich bei Dr. Reutter für die Zitate, die er angeblich nicht gesagt, aber der MZ zuvor autorisiert hatte. Die „Ecke“ war heilfroh, Bürgermeister Joachim Wolbergs atmete erleichtert auf und attestierte seinem Fraktionschef gar, mit der Entschuldigung ein „Zeichen der Größe“ gesetzt zu haben.


 

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