Regensburg 30.07.2012, 15:31 Uhr

Nach Scherz Kiefer gebrochen

Ein Discogast witzelte über das Disco-Outfit von Christian A. Da schlug der Schlipsträger brutal zu; jetzt stand er in Regensburg vor Gericht.

Foto: Arne Dedert dpa

Foto: Arne Dedert dpa

Von Marion von Boeselager, Mz

Regensburg Der Student Mathias R. (28) bekam im Herbst 2009 bei der Disko „Funpark“ mit, wie Christian A. (25), gestylt mit weißem Hemd und Krawatte, zu Kumpels sagte, ein Mädel habe ihm einen Korb gegeben. Mathias R. kommentierte das Bekenntnis so: „Bei den Klamotten kein Wunder!“ Den Scherz hätte er sich besser verkniffen: Christian A. schlug ihm brutal ins Gesicht. Im anschließenden Gerangel mit mehreren Akteuren ging der Student zu Boden und wurde nach einem Fußtritt ins Gesicht bewusstlos. Seinen doppelten Kieferbruch mussten Ärzte mit drei Platten und 17 Schrauben flicken. Jetzt standen der Schläger und zwei seiner Kumpels wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Jugendschöffengericht.

Nach Vorgesprächen, die bei Geständnis eine Bewährungsstrafe in Aussicht stellten, räumte Christian A. den Schlag ein: „Ich hab da überreagiert.“ Das Verfahren gegen seine Kumpels wurde hingegen eingestellt. Ihnen konnte man „nach Aktenlage“, so die Vorsitzende Richterin Helm, keine Tatbeteiligung nachweisen. Von wem der Fußtritt stammte, ließ sich nicht mehr klären.

Der geschädigte Student nannte die Ermittlungen der Polizei „alles andere als vorbildlich“. Einladungen zu Zeugenvernehmungen seien „teilweise erst ein Jahr“ nach dem Vorfall im Herbst 2009 erfolgt. Der zuständige Sachbearbeiter erschien trotz Ladung nicht zum aktuellen Prozess.

Sechs Monate mit Bewährung lautete das Urteil für Christian A. wegen „einfacher“ Körperverletzung. Er muss zudem 500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der 25-Jährige hat sich „nach wilden Jahren“ seit dem Vorfall in der Disko nichts mehr zuschulden kommen lassen. „Ich bin gescheiter geworden“, sagte der Angeklagte, der sich in psychologischer Behandlung befindet und der gegen seinen Alkoholmissbrauch angeht, bei der Verhandlung. Zudem hat er inzwischen eine feste Freundin und außerdem Arbeit. Die Richterin meinte in der Verhandlung abschließend: „Manche werden ja doch mal erwachsen.“


 

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