Der Gehweg in der Landshuter Straße führt teils direkt an parkenden Autos vorbei-
Von Sebastian Heinrich, MZ
Regensburg. Die Radwege in Regensburg sind derzeit ein viel diskutiertes Thema. Unser MZ-Reporter hat die Brennpunkte genau unter die Lupe genommen.
Kumpfmühler Straße: „Rote Welle“ für Radler
Wer mit dem Fahrrad entlang einer Hauptverkehrsachse wie der Kumpfmühler Straße fährt, braucht Geduld. Auf den Radwegen geht es zwar flott voran. Aber sobald Zweiradfahrer an eine Kreuzung kommen, sehen sie meistens Rot. Radler erleben das Gegenteil einer „grünen Welle“. Hintergrund sind die Grünphasen der Ampeln, die nach Beobachtung von Klaus Wörle, Vorsitzender des Regensburger Kreisverbands des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ziemlich einseitig zugunsten der Autofahrer geschaltet sind. Seitdem sich die Ampel-Schaltzeiten flexibel dem Verkehr anpassen, habe sich das Problem noch vergrößert. Die Stadtverwaltung argumentiert laut Wörle zwar, dass man den Autoverkehr abfließen lassen müsse. Doch der ADFC-Vorsitzende fordert mehr Mut: Wenn man die Grünphasen für Autos verkürze, mache man das Autofahren weniger attraktiv. Was dazu führen würde, dass diejenigen, die auch das Rad nutzen könnten, auf dieses umstiegen – wodurch sich der Autoverkehr wiederum verringern würde.
Wittelsbacherstraße: gefährlicher Radweg
Die Wittelsbacher Straße ist ein echtes Nadelöhr: Zu den Stoßzeiten wälzt sich hier fast täglich eine Blechlawine in Richtung Autobahnausfahrt Regensburg-West und zur Prüfeninger Straße hin. Die Radler sind hier schneller unterwegs. Aber nicht ganz ungefährlich: Der zur Fahrbahn hin erhöhte Radweg auf der Ostseite schließt direkt an die Wohn- und Geschäftsgebäude an – und somit an drei kaum einsehbare Ausfahrten, aus denen jederzeit ein Auto kommen könnte. Diese Radwegplanung ist laut ADFC-und Verkehrsclub Deutschland (VCD) ein „Kind der 70er Jahre“ und wäre heute nicht mehr denkbar. Ihre Forderung daher: Spätestens bei der nächsten großen Sanierung der Straße sollte der Radweg in einen Fahrradstreifen umgewandelt werden, der ebenerdig zur Fahrbahn liegt.
Jakobstor: Radlern bleibt „Streifchen“
An der Kreuzung am Jakobstor, zwischen Prüfeninger, Wittelsbacher- und Dr.-Johann-Meier-Straße wird es für Radfahrer, die aus der Altstadt kommen, bei Rot eng: Ihnen steht ein auf dem Asphalt markierter Haltestreifen zur Verfügung, der für ADFC und VCD höchstens ein „Streifchen“ ist. Gerade mal ein Radler hat dort Platz – und auch nur, wenn er zum Beispiel keinen Kinderanhänger transportiert. Haltestreifen an sich halten die beiden Verbände für eine „moderne Lösung“ für den Radverkehr. Aber in Regensburg würden solche Lösungen mitunter nur „minimalistisch“ umgesetzt. Ein weiteres, besonders krasses Beispiel dafür sei der Haltestreifen auf der Adolf-Schmetzer-Straße, an der Kreuzung mit der Weißenburgstraße: Dort seien Radler auf ihrem Haltestreifen geradezu „eingequetscht“ zwischen Bussen und Autos.
Prüfeninger Straße: Rennstrecke statt Entree
Eigentlich wäre die Prüfeninger Straße die perfekte „Visitenkarte“ für Regensburg. Eine „Entree“, über die man aus dem Umland und dem Stadtwesten in die Altstadt geführt wird. In der Realität ist sie eine holprig asphaltierte, schnurgerade Trasse, die mancher Autofahrer gern als „Rennstrecke“ missbraucht. ADFC und VCD ist das ein Dorn im Auge – auch, weil Radler deswegen über brenzlige Radwege geführt werden: stadtauswärts rechts an parkenden Autos vorbei, bei denen sich jederzeit eine Tür öffnen könnte. Stadteinwärts endet der Radweg hinter der Hedwigsklinik abrupt, die Radler müssen zurück auf die Straße. Für die Verbände müssten Freiräume für eine Begrünung her, Verbindungen zum Stadtpark und eine engere Fahrbahn mit Businseln in der Mitte. Pläne in diese Richtung hat das Stadtplanungsamt im Rahmen des Konzepts „Innenstadt 2025“ sogar schon entworfen und der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie sehen eine „Reduzierung von Fahrbahnen für Pkws“ und mehr Flächen für Radler und Fußgänger vor.
Lothgässchen:„Ärgernis“ Umlaufsperre
Das kleine Lothgässchen zwischen Schottenkirche und Bismarckplatz wäre für die Verbände eigentlich ein positives Beispiel für fahrradfreundliche Stadtplanung: Schließlich wurde der Weg im Jahr 2000 für Radler freigegeben. Wäre da nicht die rot-weiß-gestreifte Umlaufsperre: die beiden eng nacheinander aufgestellten metallenen Gitter machen nur besonders geschickten Radlern eine Weiterfahrt ohne Absteigen möglich. Wer mit Kinderanhänger unterwegs ist, hat kaum eine Chance. Konflikte mit Fußgängern sind vorprogrammiert. Für ADFC und VCD ist diese Umlaufsperre ein großes Ärgernis, das die Durchlässigkeit der Altstadt für Radler einschränkt.
Weingasse: Nur für PKW frei
Stichwort Altstadt: Die Verbände fordern, dass das Einstraßen-Wirrwarr dort ein Ende hat – und die Durchgangsstraßen dort in beide Richtungen für Radler freigegeben werden. Hoffnung darauf gibt ihnen eine Änderung der Straßenverkehrsordnung, die womöglich im Herbst ansteht: Demnach könnten Straßen in Kürze beidseitig für den Radverkehr freigegeben werden, ohne dass sie eine Mindestbreite haben müssen. Besonders widersinnig für VCD und ADFC ist, dass die Weingasse nur für Radler gesperrt ist – während Anwohner-Autos passieren dürfen.
Grieser Spitz: Mit einem Steg zur Pendlertrasse für Radler
Wenn in Regensburg über Verkehrsprobleme diskutiert wird, geht es seit ein paar Jahren bevorzugt um Brücken: nach Kneiting, nach Sinzing, am Eisernen Steg oder über den Grieser Spitz. An letzterem Ort sähe auch die Regensburger „Radler-Lobby“ gerne eine Donauquerung – aber nicht eine schwere Brücke für Autos, sondern einen schlanken Steg für Radler, ähnlich dem östlich der Pfaffensteiner Autobahnbrücke. Der Steg sollte Grieser Spitz und Reinhausener Damm verbinden und somit mehrere Fliegen mit einer Klatsche schlagen: Zum einen wäre der Stadtnorden für Radler und Fußgänger mit einem Schlag viel besser an die Altstadt angebunden, zum anderen gäbe es so über die Uferwege am Regen eine lückenlose „Nordost-Trasse“, aus Regensburg heraus – die es Menschen aus Zeitlarn oder Regenstauf viel einfacher machen würde, beispielsweise mit dem Rad in die Arbeit zu pendeln.
Frankenbrücke: Hoffnung auf den Neubau
Die Frankenbrücke, die Reinhausen und Steinweg über den Regen hinweg verbindet, ist in die Jahre gekommen und wird nach Plänen der Stadt saniert: laut einer Aussage von OB Hans Schaidinger aus dem Mai aber nicht vor 2015. ADFC und VCD hoffen, dass dabei die „katastrophale“ Lage des Radwegs verbessert wird. Momentan geht der enge Hochkant-Weg unmittelbar an der Fahrbahn vorbei, auf der Autos und vor allem LKW gefährlich nah vorbeirauschen. Für den ADFC-Kreisvorsitzenden Klaus Wörle ist die stark befahrene Frankenbrücke einer der Orte in Regensburg, wo auch in Zukunft ein erhöhter Radweg nötig sein wird. Allerdings müsse der deutlich breiter sein als bisher. Ebenfalls ein Muss für den Umbau seien Verbindungen hin zu den Uferwegen am Regen. Solche Verbindungen sind in den Hochwasserschutz-Plänen für Reinhausen aber ohnehin enthalten.
Sallern: Radwege sollten alltagstauglich werden
Damit die Regen-Uferwege allerdings tatsächlich alltagstauglich werden, bedarf es aus Sicht von ADFC und VCD noch ein paar „Schönheitsoperationen“: Die Wege am östlichen Flussufer sind nur teilweise asphaltiert, nach Regenfällen sind sie nur begrenzt alltagstauglich. Immerhin: Die Stadt hat hier schon nachgebessert. Bis vor einiger Zeit bestand der Radweg lediglich aus nackter Erde, die sich bei Regenwetter in Schlammtümpel wandelte. Jetzt bildet Kies den Untergrund.
Abfahrt Nibelungenbrücke: Riskanter Schlenker
Ein Beispiel dafür, wie stark auf den Regensburger Straßen teilweise Autofahrer gegenüber Radlern und Fußgängern bevorzugt würden, sehen VCD und ADFC in der Kreuzung zwischen Weißenburg- und Adolf-Schmetzer-Straße – und zwar dort, wo die Radler stadteinwärts von der Nibelungenbrücke herunterkommen und dann auf die nach rechts abbiegenden Autos treffen, die eine eigene Abbiegerspur haben. Um den Rechtsabbiegern zu helfen, müssen die Radler, die bergab kommen, abbremsen und einen riskanten Schlenker nach rechts hinlegen. Hinter der Kreuzung wartet dann eine gut frequentierte Bushaltestelle, bei welcher der Radweg zwischen Busbucht und Gehweg verläuft. „Das ist eine Kapitulation vor dem Autoverkehr“, sagt ADFC-Kreisvorsitzender Wörle. Bei den Radlern bremse man die Geschwindigkeit, bei den Autofahrern nicht. Seine Idealvorstellung: Der Radweg führt geradeaus über die Kreuzung, die Autospuren werden womöglich auf zwei reduziert. Das würde aus seiner Sicht auch die Pkw-Dichte auswirken. Verkehr sei schließlich ein „dynamisches System“ – und der Spruch „wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“, gelte auch andersrum: Wer Autos weniger Platz gibt, wird weniger Verkehr haben.
Licht und Schatten auf der Landshuter Straße
Die Landshuter Straße ist mehr als eine Verbindungsstraße von Ost nach West: auf fast ganzer länger vierspurig ausgebaut, ist sie die Verkehrsachse schlechthin im Stadtosten – und dementsprechend stark verkehrsbelastet. Für Radler ist sie daher beileibe keine Wunschstrecke. Für ADFC und VCD hat es allerdings einen Fortschritt gegeben: Die Radweg-Querung an der Kreuzung zwischen Furtmayer- und Landshuter Straße wurde deutlich verbessert: Statt wie früher im Zickzack können Radler jetzt geradeaus über die Kreuzung fahren. Danach fahren sie allerdings auf einem schmalen Weg Radweg weiter, zwischen parkenden Autos und Fußgängern. Auch hier fordern die Verbände mehr Mut von der Stadt: Man müsse Radlern und Fußgängern mehr Platz einräumen, die Straße also nicht mehr von innen nach außen planen – also vom motorisierten Verkehr aus – sondern von außen, also von Radlern und Fußgängern aus. In Regensburg würden Straßen zu oft „bestandskonform“ saniert. Klartext: „Man macht den gleichen Mist wie vor 30 Jahren“, wie es Christian Hammer, stellvertretender Kreisvorsitzender des VCD, ausdrückt.
Hinterer Mühlweg: Radlfrei für Ex-Stadträtin?
Auf den Hauptverkehrsachsen der Stadt wird es Radlern nicht immer leicht gemacht. Umso wichtiger wäre es aus Sicht von ADFC und VCD, dass den Zweirädern zumindest angenehme „Schleichwege“ geöffnet würden, über die sie ihre Ziele erreichen können. Ein Beispiel: Die Verbindung aus dem 10000-Einwohner-Viertel Burgweinting über Markomannenstraße und die idyllische Grünanlage am Hinteren Mühlweg in Richtung Innenstadt. Das Problem dabei: Besagte Grünanlage ist für Radfahrer gesperrt. Merkwürdig: Die Anlage war 2010 bereits freigegeben, wurde aber nach wenigen Wochen wieder gesperrt. Angeblich soll eine ehemalige Stadträtin interveniert haben, die in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnt. Bei einer der „verkehrspolitischen Radtouren“ von VCD und ADFC hatten im Mai 2010 alle anwesenden Stadträte versprochen, etwas gegen diese Entscheidung zu tun. Wenige Tage später stand die „Anpassung des Anpassung des Weges für sicheren Fuß- und Radverkehr und Freigabe“ zwar im Planungsausschuss auf der Tagesordnung – aber passiert ist seither nichts.