Schwandorf 24.10.2012, 13:09 Uhr

Schüler kannten keine Gnade

In Schwandorf wurden Schüler systematisch aufgehetzt, bis sie bereit waren, sich zu prügeln. Ein Junge wurde dabei krankenhausreif geschlagen.

Bei Mobbing sollten Kinder nicht zuschauen, sondern Hilfe holen – unter Schwandorfer Achtklässlern stellt sich die Lage derzeit jedoch anders dar. Foto: dpa

Bei Mobbing sollten Kinder nicht zuschauen, sondern Hilfe holen – unter Schwandorfer Achtklässlern stellt sich die Lage derzeit jedoch anders dar. Foto: dpa

Von Elisabeth Hirzinger

Schwandorf. Am Boden liegen zwei Schüler einer achten Klasse. Die Buben prügeln aufeinander ein. Sie dürfen nicht aufhören. Um sie herum steht ein Pulk 13- und 14-jähriger Schüler, die rhythmisch „schlägern, schlägern ...“ rufen und das gruselige Szenario auch noch mit ihren Handys filmen.

„Ich konnte es erst gar nicht glauben“, sagt Fritz Pawlick, der die Aufnahmen gesehen hat. Der Leiter des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums in Schwandorf steht vor über 100 Eltern. Sie sind eigentlich gekommen, um sich über den bevorstehenden Skikurs zu informieren. Aber vorher bittet Pawlick die Eltern „in einer ernsten Angelegenheit“ um ihre Mithilfe.

„Fast alle sind involviert“

Die meisten Väter und Mütter sind ahnungslos und am Ende sprachlos angesichts der Abgründe, die sich auftun. Vor allem kann sich keiner wirklich beruhigt zurücklehnen. Denn: „Von allen achten Klassen sind fast alle Buben irgendwo in die Ereignisse involviert“, sagt Pawlick. Später wird der Schulleiter die Aussage noch konkretisieren. Mädchen waren auch dabei, allerdings nur als Zuschauer.

Pawlick berichtet den Eltern von einem perfiden Mobbingsystem, das die Schüler aufgebaut haben. Die Methode, mit der sie vorgehen, ist hinterhältig: Zunächst werden zwei Opfer ausgesucht, die anschließend systematisch gegeneinander aufgehetzt werden, so lange, bis sie bereit sind, aufeinander loszugehen.

Die Rädelsführer nehmen offenbar sogar Wetten an, wer den Kampf gewinnen wird. Schauplatz der Schlägereien ist der Kreuzberg. Dort treffen sich die Achtklässler in der Mittagspause. An Zuschauern herrscht dann kein Mangel.

„Die Masse ergötzt sich am Schmerz der anderen“, erzählt Pawlick. Er hat von den organisierten Schlägereien nur durch Zufall erfahren. Beim letzten Mal waren die Achtklässler nämlich zu weit gegangen. Einer der Jungs wurde so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus gebracht werden musste. Seine Eltern haben den Schulleiter informiert und ihm Fotos gezeigt. Der Schüler hatte Hämatome am ganzen Körper.

 

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