Schwandorf - Nachrichten 17.10.2011, 19:29 Uhr

Schwandorf will sich seiner Geschichte stellen

„Stolpersteine“ sollen künftig an das Schicksal der jüdischen Mitbürger in der Stadt Schwandorf erinnern.


        In Nabburg wurden zur Erinnerung an die jüdischen Bürger im Juni 2007 „Stolpersteine“ in den Gehweg eingelassen. (Foto: Schönberger)

In Nabburg wurden zur Erinnerung an die jüdischen Bürger im Juni 2007 „Stolpersteine“ in den Gehweg eingelassen. (Foto: Schönberger)

Von Hubert heinzl

Schwandorf. Die Stadt Schwandorf will sich auch dem düstersten Kapitel ihrer Geschichte stellen und aller Opfer der NS-Gewaltherrschaft und des Zweiten Weltkriegs öffentlich neu gedenken. Darauf verständigte sich am Montag der Hauptausschuss und brachte einstimmig zwei Grundsatzbeschlüsse auf den Weg.

Der Antrag und die Ausstellung

Den Anstoß für diese Rückbesinnung hatte Wolfgang Meischner bei der Bürgerversammlung im Dezember des vergangenen Jahres gegeben. Er stellte den Antrag, auch die Stadt Schwandorf solle an ihre jüdischen Mitbürger erinnern und sich deshalb der Aktion „Stolpersteine“ (siehe Info!) anschließen. Aber auch die Ausstellung zur Zwangsarbeit zeigte, „dass die Folgen der NS-Diktatur in vielen Bereichen noch nicht aufgearbeitet sind“, wie es Oberbürgermeister Helmut Hey formulierte.

„Erinnerungskultur will gepflegt sein“, sagte der OB und rief auf zu einer offenen Diskussion über den besten Weg. Auf der einen Seite gebe es die Initiative des Kölner Künstlers Gunter Demnig, mit dessen „Stolpersteinen“ historische Schicksale der Vergessenheit entrissen würden. Auf der anderen Seite stelle sich die Frage, ob das Mahnmal in der Fichtlanlage, mit dem der verstorbenen Soldaten gedacht werde, nicht besser allen Opfern des Krieges und der Nazidiktatur gewidmet werden solle.

SPD-Fraktionsvorsitzender Franz Schindler wandte sich in der Diskussion dagegen, beide Themen zu vermengen. „Mit den Stolpersteinen wird eines historisch einmaligen Faktums gedacht, der systematischen Vernichtung der Juden im Dritten Reich“, so Schindler. Inzwischen sei es belegt, dass bis 1941 über 50 Mitbürger jüdischen Glaubens in Schwandorf lebten. Ihrer würdig zu gedenken, sei „an der Zeit“. Der SPD-Fraktionschef erinnerte in diesem Zusammenhang an das Beispiel Nabburg, wo vor vier Jahren bereits „Stolpersteine“ verlegt wurden: „Es war eine würdige Feier. Das sollten wir auch in Schwandorf machen“, so Schindler.


 

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