Schwandorf - Nachrichten 27.04.2012, 18:14 Uhr

Kunz steht für mehr als die Bayernhymne

Die Stadt Schwandorf schenkt ihrem berühmtesten Sohn zum 200. Geburtstag einen Festakt sowie ein Buch.


        Für sein Buch über Kunz suchte Thomas Göttinger ein Jahr lang nach Texten und Informationen.

Für sein Buch über Kunz suchte Thomas Göttinger ein Jahr lang nach Texten und Informationen.

Schwandorf. Ganz nach Konrad Max Kunz’ (KMK) Philosophie feiert die Stadt Schwandorf am 29. April das große Jubiläum mit einer öffentlichen Veranstaltung. „Er wollte ein breites Publikum ansprechen“, erklärt Thomas Göttinger, „nicht ausgesuchte Gäste.“ Deshalb ist um 15 Uhr jeder in der Spitalkirche bei freiem Eintritt willkommen, der Christian Udes Festrede sowie der Vorstellung von Göttingers Buch „Konrad Max Kunz — Der Komponist der Bayernhymne und seine Zeit“ lauschen will. Die Veranstaltung wird nach draußen übertragen, Platzprobleme sollte es also nicht geben.

Kurzer Einblick in ein Leben

Göttingers Werk über KMK ist ein „schmaler Band“ von 129 Seiten, ein Versuch, Kunz’ Leben sowie die kultur-politische Situation seiner Lebtage zu beschreiben. „Nur dann kann man ihn begreifen und würdigen“, weiß Göttinger aus eigener Erfahrung.

Kunz lebte in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs: Reaktion, Vormärz – „in diesem Spannungsverhältnis hat er sich bewegt“. Besonders engagierte er sich in der Männerchorbewegung, damals „Ersatz für die verbotenen politischen Parteien“, sagt Göttinger. Gleichzeitig machte Kunz seine ersten musikalischen Schritte in der Zeit des Biedermeiers, was sich in seinen naiv-braven, aber derben Texten der Zeit widerspiegele, erklärt der Autor. „Er war einer der wenigen Spätromantiker, die im volkstümlichen Stil schreiben konnten!“ In anderen Worten: derb, deutlich und zugleich hoch komplex. Nur durch sein hohes, handwerkliches Niveau schaffte es Kunz, schildert Göttinger, ein breites Publikum anzusprechen. Was ihm jedoch fehlte, war „die geniale Komponente“, wie sie sein Zeitgenosse Richard Wagner beispielsweise hatte. Laut dem Autor war sich Kunz dessen allerdings bewusst. Der intelligente Mann erkannte Wagners Genie, auch wenn er kein Freund seiner Musik war. Trotzdem: Ohne Kunz und die Münchner Liedertafel lief in den 1840ern und 50ern kein Ereignis ab. Verlobungen des Prinzen, Geburt und Taufe des Thronfolgers, Oktoberfest – überall sang der Chor oder trug Kunz seine Werke vor.


 

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