Junge Frauen lockten ihn in die Neonazi-Szene
Aussteiger Manuel Bauer erzählt aus seiner Vergangenheit, um vor den Rechtsradikalen zu warnen.
Manuel Bauer spricht über seine Vergangenheit, um das schlechte Gewissen zu beruhigen und andere zu warnen.
NITTENAU.
Die Zeit des Nationalsozialismus steht in der zehnten Klasse auf dem Stundenplan. Dass die Thematik heute noch aktuell ist, zeigte der Vortrag von Aussteiger Manuel Bauer im Regental-Gymnasium.
Er war jahrelang im gewaltbereiten Untergrund der Szene seiner sächsischen Heimat. Er erzählte den Schülern von Anschlägen und Prügeleien, bei denen er dabei war. „Wir haben vor der Disko einen verprügelt, weil der eine Hip-Hopper-Hose anhatte – wirklich nur wegen der falschen Kleidung“, kann Bauer heute, 15 Jahre später, seine Tat selbst nicht fassen. Das Opfer sei bis heute arbeitsunfähig.
Nach seinem offiziellen Ausstieg 2006 gilt er als „Hochverräter“ und muss vorsichtig sein: „Aussteiger werden immer bedroht, bis hin zum Mord.“ Deshalb hält er sich auch auf dem Laufenden, was die aktuelle Entwicklung der Untergrundszene angeht. „Die Tendenz zur Gewalt ist in ländlichen Gebieten oder sozial schwachen Gegenden immer mehr ausgeprägt“, sagt er. Trotzdem sei vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Doktorsohn alles in der „Szene“ dabei. Seine Vorträge sieht er als „Selbsttherapie“, um gegen das schlechte Gewissen anzukämpfen und zu verhindern, dass andere denselben Fehler machen wie er.
Der „Kulturschock“ nach der Wende, als er merkte, dass der „sozialistische Staat“ doch nicht alles ist, hat ihn als Jugendlicher in die Arme der Rechten getrieben. „In Leipzig gab es 1990 schon über 1000 Skinheads“, sagte Bauer. Zur Verführung der 15- bis 16-jährigen Jungs würden gezielt weibliche Reize eingesetzt. Extra geschulte, etwas ältere Mädchen (18/19) sollten ihnen das Gefühl geben, an ihnen interessiert zu sein: „Die lernen, mit Gefühlen zu spielen und die Jungs mitzuziehen“, erklärt Bauer. Auch entsprechende Spiele, Puzzles, Comics oder Lifestyle-Artikel wie das Parfüm „braune Verführung“ prägten mehr oder weniger bewusst die Gedankenwelt der Jugendlichen und auch schon der Kleinsten. Es gibt auch Babyartikel.
Den Ausstieg schaffte er, als er in Berlin in Haft war: Hier wurde er angegriffen und von türkischen Mithäftlingen gerettet. „Exit Deutschland“ half ihm beim Ausstieg. Auch mit der Friedrich-Ebert-Stiftung arbeitet Manuel Bauer zusammen. Im Oktober erscheint sein Buch „Unter Staatsfeinden – Mein Leben in der Neo-Naziszene“.

