Auch die Adenauerbrücke wurde auf mögliche Schäden hin untersucht.
Schwandorf.
Wer am Donnerstag an der Regensburger Straße unterwegs war, konnte Zeuge einer etwas merkwürdigen Prozession werden: Von der Ampel beim Autohaus Maschek arbeitete sich eine achtköpfige Gruppe gestikulierend Richtung Innenstadt vor – angetan mit roten Sicherheitswesten, ausgestattet mit Diktiergeräten und Messrad, um den genauen Standort zu bestimmen.
An der Ortsbegehung, denn um eine solche handelte es sich, beteiligten sich neben Vertretern der Stadt um Bauamtsleiter Josef Huber auch Fachleute des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach mit den beiden Abteilungsleitern Gottfried Weishäupl (zuständig für den Landkreis Schwandorf) und Winfried Schaller (zuständig für den Brückenbau). Ihr Ziel: eine Bestandsaufnahme der Bundesstraße B15 auf ihrem Weg durch die Stadt – vom südlichen Ortsteingang über die Adenauerbrücke und den Wendelinplatz bis zur Beer-Kreuzung und dem westlichen Ortsausgang bei Krondorf.
Bereits in den vergangenen Wochen waren sieben Brückenbauwerke vom Büro Büchting + Streit AG genauer unter die Lupe genommen worden – die drei Naabbrücken, die Bahnbrücke und der Fußgängertunnel an der Nürnberger Straße, die Brücke über das ehemalige VAW-Gleis an der Regensburger Straße und in den vergangenen Tagen als letzte auch die Adenauerbrücke.
Umsetzung bis Ende 2015
Hintergrund all dieser Aktivitäten ist eine Maßnahme, die sich zunächst wenig spektakulär anhört: Die Bundesstraße B15 soll auf der Strecke zwischen dem Klardorfer Kreisel und der südlichen Stadtgrenze zur Kreisstraße, von dort bis zur Einmündung der Amberger in die Nürnberger Straße in Krondorf zur Ortsstraße abgestuft werden. Bis Ende 2015 soll das Konzept umgesetzt sein, so die etwas optimistische Zielvorgabe.
Der Bund hat ein Interesse an der Maßnahme, weil sich so „die Parallelführung von B15 und A93 beenden lässt“, wie Abteilungsleiter Weishäupl es formuliert. Die Stadt Schwandorf benötigt laut Bauamtsleiter Huber Teile der bisherigen B15 für die Erschließung des TWF-Geländes. Außerdem ergibt sich nach einer Abstufung der Bundesstraße endlich die Möglichkeit, auch die Friedrich-Ebert-Straße in eine zeitgemäße Einkaufsmeile umzugestalten.
Die nötigen Beschlüsse für eine Abstufung sind bereits unter Dach und Fach. Der Stadtrat hat am 14.März, der Kreisausschuss des Landkreises Schwandorf am 2.Mai, zugestimmt. Und das Umstufungskonzept ist mit der Regierung der Oberpfalz, der Obersten Baubehörde in München und dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt.
Ein Federstrich reicht nicht
Mit einem Federstrich ist es allerdings nicht getan. Denn mit der Abstufung der B15 wechselt auch die Baulast auf den Landkreis und vor allem die Stadt Schwandorf – die Verpflichtung also zum Unterhalt und dazu, entstehende Schäden zu beseitigen. Die Stadt hat natürlich ein Interesse daran, die Verkehrswege in möglichst einwandfreiem Zustand zu übernehmen. „Alles, was schadhaft ist, muss vor der Übergabe ausgebessert werden“, sagt Bauamtsleiter Huber. Besonders bei den Brücken geht es um Geld – viel Geld. Deshalb die Begehung, deshalb die umfangreichen Gutachten.
Mit einem Gesamtergebnis einschließlich der Brückenuntersuchungen ist laut Abteilungsleiter Schaller bis Ende Juni zu rechnen. Aber dann wird es erst noch darum gehen, diese Ergebnisse zu bewerten. Sie sind nicht mehr und nicht weniger als die „Grundlage für die weiteren Verhandlungen“, wie Schaller sagt. Für die Stadt ist die Marschroute klar: „Vor der Abstufung sollten noch so viel Sanierungsmaßnahmen wie möglich durchgeführt werden. Insbesondere auch im Hinblick auf die Verkehrssicherungspflicht sind umfangreiche Sanierungsmaßnahmen schnellstmöglich zu erledigen“, heißt es in einem Papier der Verwaltung.
Vor allem ein Teilstück der B15 im Stadtgebiet dürfte noch für Gesprächsstoff sorgen. Die mittlere der drei Naabbrücken wurde 1928 gebaut und hat damit die übliche Lebensdauer einer Brücke von 70 bis 80 Jahren bereits überschritten. „Da muss man abwägen, ob sich eine Instandhaltung lohnt oder wenigstens teilweise ein Neubau erforderlich ist“, sagt Josef Huber von der Stadt. Die beiden Kollegen vom Staatlichen Bauamt nicken. Kostenschätzungen wollen sie zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht abgeben. Man kann es sich auch so ausmalen: Eine neue Naabbrücke ist mit Sicherheit ein Millionenprojekt.