Schwandorf - Nachrichten 01.06.2012, 15:29 Uhr

Organtransplantation: Wettkampf mit der Zeit

274 potenzielle Organspender gab es im vergangenen Jahr in Bayern. Im Landkreis kam es zu keiner Entnahme.


        Obwohl ein Großteil der Bevölkerung bereit ist, Organe zu spenden, haben wenige einen Ausweis.

Obwohl ein Großteil der Bevölkerung bereit ist, Organe zu spenden, haben wenige einen Ausweis.

Von Franziska Biederer

Landkreis. Die Uhr tickt. Die Uhr tickt in jeder Phase der Organtransplantation. Diese Situation hat Dr. Bernhard Kellner, Ärztlicher Direktor der Asklepios Klinik Burglengenfeld, schon mehrmals erlebt. Nicht in Burglengenfeld. Seit 2003 gab es dort keine Explantation. Doch an seiner früheren Wirkungsstätte in Großhadern betreute Dr. Kellner den Ablauf mehrerer Organentnahmen.

Möglich sind sogenannte Explantationen auch an der Klinik in Burglengenfeld oder am Schwandorfer Krankenhaus St. Barbara. Nur: „In Krankenhäusern ohne Neurochirurgie gibt es weniger potenzielle Spender“, erklärt Dr. Kellner. Als solcher gilt ein Verstorbener, bei dem Ärzte den Hirntod feststellen und dessen Organe gesund sind. Aus dem Jahresbericht 2011 der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) geht hervor: In Bayern waren Gehirnblutungen mit rund 60 Prozent der Fälle die häufigste Todesursache der Spender. „Deren Organe sind meist unverletzt“, erklärt Dr. Kellner. Daraus ergebe sich auch der höhere Anteil an Spendern an Kliniken für Neurochirurgie.

Realisiert hat man 2011, nach Angaben der DSO, bayernweit 189 Entnahmen. 274 potenzielle Organspender gab es insgesamt. In den Krankenhäusern im Landkreis hat die DSO 2011 keinen vermerkt. In 70 Fällen lehnten in Bayern Angehörige ab.

Die Gespräche mit Familienmitgliedern seien schwierig, sagt Dr. Kellner. Meist sei die Entscheidung der Angehörigen ein Prozess. „Hilfreich ist es, wenn der Wille des Verstorbenen bekannt ist.“ Einen Spenderausweis führte in den Fällen, die Dr. Kellner betreute, aber niemand.

Das neue Gesetz sieht nun vor, dass Krankenkassen alle Bürger über 16 Jahre wiederholt zu ihrer Organspende-Bereitschaft befragen. Eine Antwortpflicht existiert nicht. Deshalb befürchten Kritiker: Der Brief landet ungeöffnet im Papierkorb.

In Burglengenfeld zog man in den vergangenen neun Jahren zweimal DSO-Mitarbeiter heran. Beide Male kam es aus medizinischen Gründen zu keiner Spende. Das Verfahren erklärt Dr. Kellner: Zwei unabhängige Ärzte, darunter ein DSO-Experte, müssen vor einer Explantation den Hirntod bestätigen. Willigen Angehörige dann in die Organentnahme ein, läuft immer und immer dasselbe Prozedere ab: Mit der Berufsfeuerwehr reist ein DSO-Ärzteteam im jeweiligen Krankenhaus an. Das Team entnimmt die Organe, lagert diese auf Eis in entsprechenden Kühlboxen und transportiert sie direkt zum Patienten, der auf ein Spenderorgan angewiesen ist. Aktuell sind dies in Deutschland rund 12000 Menschen.

Und die Uhr tickt: Etwa 1000 Menschen sterben pro Jahr, während sie auf ein entsprechendes Organ warten. Ab dem Zeitpunkt der Entnahme ist es sich wieder ein Wettrennen mit der Zeit: „Eine Lunge muss man innerhalb von vier bis sechs Stunden transplantieren.“


 

Umfrage - Ergebnis

 
 
 
 

Mittelbayerische.de Logo