Schwandorf - Nachrichten 15.06.2012, 16:21 Uhr

Schauspiel von beängstigender Aktualität

Schüler des Nabburger Gymnasiums setzten „Die Vögel“ von Aristophanes glänzend in Szene. Am Ende blieb eine pessimistische Botschaft übrig.

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Alle Träume sind am Ende auf Sand gebaut. Der Mensch bleibt da stehen, wo er immer schon war. Foto: Röttenbacher

Alle Träume sind am Ende auf Sand gebaut. Der Mensch bleibt da stehen, wo er immer schon war. Foto: Röttenbacher

Von Christina Röttenbacher

NABBURG. Von Gymnasiasten gefürchtet, von der älteren Generation als weise bezeichnet, haben die „alten Griechen“ als Dichter und Philosophen bis heute ihre Berechtigung – auch im Schultheater. Nicht Alfred Hitchcocks Thriller „Die Vögel“ stand auf dem Programm des Theaterabends am Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium, sondern die erstmals im Jahr 414 vor Christus aufgeführte, gleichnamige Komödie von Aristophanes.

Außergewöhnliche Leidenschaft

Es mag lange her sein, dass sich der Dichter mit den gesellschaftlichen Problemen und immer wiederkehrenden sozialen Strukturen auseinandergesetzt hat – der Inhalt, die Aussagen haben bis heute eine erschreckende Aktualität. Mit außergewöhnlicher Spielleidenschaft haben die Schüler der Unter- und Mittelstufe nun „Die Vögel“ erneut auf die Bühne gebracht.

Beeindruckend war, wie intensiv die Schüler die Adaption in moderne Sprache und zeitgemäßes Schauspiel bewältigt haben, ohne die Kernaussagen des Originals zu verfälschen. Komödiantisch war die Inszenierung nur vordergründig, einige gezielt gesetzte Pointen gönnten den Zuschauern kurze Erholungspausen von der vielschichtigen Handlung um Machtergreifung und Manipulation, um Diktatur und Herrschaft, um Ausgrenzung und Vorurteile.

Die erste Herausforderung für das Publikum zeigte schon das Auftakt-Bühnenbild. Ein großes, weißes Tuch symbolisierte das Ei, aus dem Vögel in die Freiheit streben. Alle sind zufrieden mit der gesellschaftlichen Ordnung, unten die Menschen, die Vögel haben ihren eigenen Luftraum und oben die Götter. Auf allen Ebenen funktioniert das Zusammenleben in Hierarchien, bis die Menschen Pisti (Pisthetairos) und Eueli (Euelpida) auf den Plan treten.

Was ist das „ideale Leben“?

Es waren die konsequente Straffung des Handlungs- und Dialogablaufs, die Konzentration auf die wesentlichen Intentionen des Stückes, die die Inszenierung so eindrucksvoll machten. Sie zeugten davon, dass sich die Schüler auch intensiv mit den Problematiken und Parallelen gesellschaftlicher Ordnungen damals wie heute auseinandergesetzt haben. „Von der Schönheit der Welt ist heute nicht mehr viel übrig. Das moderne Leben schlägt eine breite Spur.“ Das hat Aristophanes erkannt, und das haben die Gymnasiasten in ihrem Schauspiel mit beeindruckender Klarheit erkannt. Doch was ist „das ideale Leben?“ Nabburg, Synonym für die Traumstadt, „ist noch nicht reif für das hohe Ziel der Freiheit“.


 

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