Die Fälle und Kosten steigen
Jugendhilfe-Boom schlägt sich im Haushalt nieder. Das Kreisjugendamt ist stärker gefragt denn je. Die Folge: Die Ausgaben sind explodiert.
Die Ausgaben für Jugendhilfe steigen auch im Landkreis weiter. Foto: dpa
Schwandorf. Um 1,6 Millionen Euro wird der Haushalt des Kreisjugendamts nach aktuellen Schätzungen in diesem Jahr überschritten werden, informierte Regina Hildwein vom Kreisjugendamt den Jugendhilfeausschuss in der letzten Sitzung. „Das sind unerfreuliche Nachrichten“, kommentierte der stellvertretende Landrat Joachim Hanisch ihren Bericht. „Da stimmt dann etwas in unserer Gesellschaft nicht mehr.“ Denn: Explodierende Kosten in der Jugendhilfe gebe es nicht nur in Schwandorf, sondern in ganz Bayern, wenn nicht sogar bundesweit, erklärte Hildwein. Begründet seien diese vor allem durch gestiegene Fallzahlen.
Der Trend hält schon seit einigen Jahren an. Bei den Vormundschaften, Pflegschaften und Beistandschaften verzeichnete das Kreisjugendamt im vergangenen Jahr mit 1432 Fällen 51 Fälle mehr als im Jahr zuvor. 2009 waren es noch einmal elf Fälle weniger als im Jahr 2011.
Für 2012 verzeichnete das Jugendamt bislang 485 Fälle von Jugendhilfe. Im Haushalt schlägt der Trend aber erst seit diesem Jahr so richtig ein. Eine Tatsache, „die wir so zur Kenntnis nehmen müssen“, sagt der stellvertretende Landrat Joachim Hanisch.
Unterstützung im Bereich der Vormundschaft und der Pflegschaft bekommt das Kreisjugendamt vom Kolpingbildungswerk und voraussichtlich auch vom Sozialdienst Katholischer Frauen. Mit beiden soll, so der Beschluss, eine entsprechende Vereinbarung getroffen werden, damit sie Vormundschaften und Pflegschaften übernehmen dürfen.
Mit dem Kolpingbildungswerk ist die Vereinbarung bereits unter Dach und Fach gebracht worden. Zwischen Jugendhilfeausschuss und dem Sozialdienst Katholischer Frauen ist die Monatsfallpauschale von 134 Euro noch ein Diskussionsthema. Die Entlastung des Kreisjugendamts ist angesichts der Änderung des Vormundschafts- und Betreuungsrechts, die einen größeren Personalaufwand bedingt, notwendig. Derzeit verzeichnet das Jugendamt zwischen 70 und 80 Vormundschaftsfälle. (sri)

