Laut Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle laufen die Planungen zur Klassenbildung derzeit noch.
MÜNCHEN/SCHWARZENFELD. Besteht für die künftigen Viertklässer der Grundschule Schwarzenfeld noch Hoffnung, das kommende Schuljahr weiter in vier Klassenzimmern unter einem Schuldach verbringen zu dürfen? „Die Unterrichtsversorgung an Grund- und Mittelschulen ist in Bayern zum Schuljahr 2012/2013 auf dem Niveau des Vorjahres gesichert“, teilte Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle am Freitagnachmittag in einer Presseerklärung mit. An den Grund- und Mittelschulen sei die Klassenbildung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Mutmaßungen über die Lehrerzuweisung seien deshalb verfrüht und falsch. Auch Aussagen zu Standorten seien deshalb für Bayern nicht aussagekräftig. Wo zusätzlicher Bedarf sei, werde entsprechend gehandelt.
Der Minister bedankte sich ausdrücklich für die vielfältigen und weithin konstruktiven Hinweise und die Unterstützung bei dem Prozess der Zuweisung der Lehrerwochenstunden. „Auch angesichts der sich positiv entwickelnden Schülerzahlen an den Mittelschulen wird das Niveau der Unterrichtsversorgung des Vorjahres erreicht. Wir können so die Qualität der Bildung unserer jungen Menschen an den Mittelschulen sicherstellen“, schreibt Spaenle. Dies sei angesichts der Ziele, möglichst viele Standorte vor Ort zu erhalten und die Qualität gleichzeitig zu sichern, eine wichtige Aufgabe. An den Grundschulen könne die Schülerhöchstzahl pro Klasse sogar gesenkt werden.
Trotz der demografischen Entwicklung und der merklich rückläufigen Schülerzahl in Teilen Nord- und Ostbayerns könne das Ministerium jungen Frauen und Männern mit kleinen Kindern, die sich um eine Erstanstellung als Lehrkraft beworben und die nötigen Voraussetzungen hatten, eine Festanstellung in Heimatnähe anbieten.
Das Kultusministerium erstelle jährlich eine Prognose zur Entwicklung der Schülerzahlen an den einzelnen Schularten, diese werde jährlich fortgeschrieben. Die jeweils aktualisierte Prognose sei die belastbare Grundlage für die Ressourcenzuweisung im folgenden Schuljahr. Die Schülerprognose 2012 hätte den erfreulichen Anstieg der Schülerzahlen an der Mittelschule gegenüber der Prognose des Vorjahres bereits zur Grundlage. Nach den Meldungen der Regierungen im Juli habe die tatsächliche Schülerzahl an den Mittelschulen allerdings um rund 4000 Schüler höher gelegen als prognostiziert. „Dies ist ein Beleg für die Akzeptanz und Leistungsfähigkeit der Mittelschule“, so Minister Spaenle, „für deren Schülerinnen und Schüler wir einen qualitätsvollen Unterricht sicherstellen“.
Bei der Unterrichtsversorgung spiele die demografische Entwicklung eine wichtige Rolle, da diese eine entscheidende Basis für die Schülerprognose darstelle. Die Bevölkerungsentwicklung und die Altersstruktur entwickelten sich in den sieben bayerischen Regierungsbezirken seit Jahren unterschiedlich. Das bedeute, dass die Anzahl der Schüler in manchen Teilen Bayerns spürbar sinke, in anderen dagegen konstant sei oder sogar geringfügig steige. Der Freistaat stelle sicher, dass die Schüler flächendeckend eine vergleichbare Unterrichtsversorgung vorfänden. Deshalb werde eine Reihe von neu eingestellten Lehrkräfte nicht in dem Regierungsbezirk ihres Wunsches eingesetzt, sondern dort, wo sie in den Schulen benötigt würden. Am Freitag habe es in München eine weitere Dienstbesprechung mit den Bereichsleitern der Bezirksregierungen gegeben. Dabei hätten sie über den Stand der Unterrichtsversorgung informiert und mögliche erforderliche Maßnahmen diskutiert. Dazu stelle das Ministerium die nötigen Ressourcen bereit.
Kritik von Marianne Schieder
Indes hat auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder scharfe Kritik an der Planung des Bayerischen Kultusministeriums geübt. Kein Tag vergeht derzeit, so die Bundestagsabgeordnete, an dem sich nicht verzweifelte Eltern und verärgerte Lehrerinnen und Lehrer an sie wenden und die absolut mangelhafte Lehrerversorgung beklagten. In einem offenen Brief an den Bayerischen Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle schreibt sie: „Junge Lehrerinnen und Lehrer mit hervorragenden Abschlüssen stehen auf der Straße und in den Schulen werden die Klassen immer größer anstatt kleiner. Es werden trotz gegenteiliger Versprechen auch da Kombiklassen gebildet, wo die Klassenstärke auch für eine Teilung ausreichen würde. Sogar die eigenen kultusministeriellen Schreiben werden über Bord geworfen, um beispielsweise auch in angehenden vierten Klassen die Klassengemeinschaften auseinanderzureißen.
Wie passt das alles zusammen mit den vollmundigen Presseerklärungen des Kultusministeriums, dass der Bildung höchste Priorität eingeräumt werde und Tausende von Lehrerinnen und Lehrern eingestellt würden? Oder mit dem Versprechen, die rückgängigen Schülerzahlen zu nutzen, um die Klassen kleiner zu machen?“
Ärgerlich sei zudem, dass all diese Grausamkeiten so kurzfristig bekannt gegeben worden waren, dass die Eltern wegen der Sommerpause keinerlei Möglichkeit haben, sich beispielsweise im Rahmen einer Petition an den Landtag zu wenden.
Deshalb appelliert Marianne Schieder an Staatsminister Spaenle, dieser offenbar kurzfristigst und vollkommen unvermutet entstandenen Notsituation abzuhelfen und ausreichend Lehrerinnen und Lehrer für einen ordentlichen Schulbetrieb zur Verfügung zu stellen.
Eltern bei Emilia Müller
Auch die Eltern der 84 Drittklkässler der Grundschule Schwarzenfeld, deren vier Klassen im kommenden Schuljahr zu drei Klassen zusammengefasst werden sollen, sind weiter aktiv. Sie haben die Internetseite www.eltern-wehren-sich.de ins Leben gerufen und bereits einen Brief an die örtlichen Landtagsabgeordneten Joachim Hanisch (FW), Franz Schindler (SPD) und Otto Zeitler (CSU), an den Bereichsleiter Schulen der Regierung der Oberpfalz, Richard Glombitza geschickt. „Die Resonanz der Rückmeldung war von spärlich bis überhaupt keine Reaktion“, so Birgit Piehler, eine besorgte Mutter.Vor kurzem hätten sie ihr Anliegen bei Staatsministerin Emilia Müller vorgetragen. Die Ministerin habe sich sofort der Sache angenommen und versprochen Rücksprache mit Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle zu halten und gemeinsam eine akzeptable Lösung zu finden.