Sport 11.01.2010, 14:59 Uhr

Angola Welten entfernt: Aber Sorge um Südafrika

Von Laszlo Trankovits, dpa

Südafrikas Präsident Jacob Zuma (l) und Joseph Blatter bei der Auslosung für die WM.

Südafrikas Präsident Jacob Zuma (l) und Joseph Blatter bei der Auslosung für die WM.

Kapstadt (dpa) - Südafrika wehrt sich nach dem Terroranschlag in Angola gegen Zweifel an der Sicherheit, doch die Fußball-Welt sieht der WM im Sommer mit großer Sorge entgegen. «Und wie sicher ist Südafrika?», scheinen sich viele nach dem Attentat auf die Fußball-Nationalmannschaft Togos zu fragen.

Drei Menschen waren bei dem Anschlag ums Leben gekommen. Und auch wenn Angola politisch und geografisch Welten von Südafrika entfernt ist: Natürlich gibt es auch in dem Kap-Staat manche Gefahren. Allerdings drohen den mehreren hunderttausend Fußballfans aus aller Welt kaum Rebellen oder heimische Terroristen.

Dafür besteht die Gefahr, dass die berüchtigte Kriminalität Südafrikas die Freude an einem großartigen Fußballturnier schmälern könnte. Schließlich zählt hier - trotz manch positiver Entwicklungen im Kampf gegen das Verbrechen - die Mordrate zu den höchsten der Welt. Aber das war der FIFA und der Welt bewusst, als entschieden wurde, die WM 2010 in Südafrika auszutragen - und Pretoria hat zugesichert, alles zu tun, um friedliche Spiele zu ermöglichen.

Tatsächlich haben die Südafrikaner nun Grund, sich zu bedauern. Aufgewühlt und euphorisch warten sie auf das größte Sportereignis in ihrer Geschichte. Das Land wird sich zur WM mit prächtigen Stadien, modernen Flughäfen, herausgeputzten Innenstädten und vor allem in bester Stimmung präsentieren. Die WM-Auslosung Anfang Dezember gab einen vielversprechenden Vorgeschmack. Dann kam der erste Tiefschlag: Südafrika muss sich in einer Gruppe mit Frankreich, Mexiko und Uruguay messen. Dem Gastgeber droht das Aus schon in der Vorrunde.

Als «unverantwortlich», «heuchlerisch» oder «ignorant» wurden in den südafrikanischen Kommentaren nun neue Zweifel nach dem Vorfall in Angola kritisiert. Alle meldeten sich zu Wort. Präsident Jacob Zuma warnte vor «übertriebenen» Reaktionen. Fußball-Präsident Kirsten Nematandani prangerte «eine sehr gefährliche Generalisierung» an, wenn Südafrika einfach mit Angola in einen Topf geworfen werde.

Die seriöse Wirtschaftszeitung «Business Day» sah sogar wieder «Rassismus» am Werk: «Afrika bekommt selten eine gute Presse.» Das Blatt empörte sich darüber, dass ein «korruptes, nicht demokratisches Regime» wie in Angola mit der südafrikanischen Demokratie verglichen werde, wo «nur einige Mitglieder der politischen Elite korrupt sind». Auch Südafrikas Polizeisprecher Vish Naidoo klagte, dass wieder einmal Afrika an den Pranger gestellt werde. «Unverantwortlicher Journalismus ... nährt den Afro-Pessimismus im Westen, wo alles, was in Afrika geschieht, immer mit Negativem verbunden wird.»

Südafrikas Regierung hat das Thema Sicherheit während der WM zur höchsten Priorität erklärt. «Wir arbeiten mit nationalen und internationalen Diensten zusammen, um die Sicherheit der Besucher während der WM sicherzustellen», versicherte erneut WM- Kommunikationschef Rich Mkhondo. Ein ganzes Heer von Sicherheitskräften - von 190 000 Mann ist die Rede - soll die Fans und das Turnier schützen. Allerdings wird das in dem riesigen Land schwierig zu realisieren sein, insbesondere wenn sich Fans auf eigene Faust in gefährliche Gebiete - wie manche Townships - wagen.

Aber Gefahren gibt es auch anderswo: Während der Auslosung der WM- Qualifikationsgruppen im November 2007 wurde nahe Durban der Ex-Profi Peter Burgstaller (Österreich) auf einem Golfplatz bei einem Raubüberfall ermordet. Südafrikas Regierung ist sich bewusst, dass die hohe Zahl von Verbrechen der Welt Angst machen kann.

«Südafrika hat andere Sorgen (als Angola), aber sie sind genauso besorgniserregend für mögliche Fußball-Touristen», kommentierte die Zeitung «The Citizen» kühl. Egal wie sehr sich Südafrika distanziere, «der Terrorangriff in Angola wird die Wahrnehmung des Kontinents als Ganzes negativ beeinflussen». Der Anschlag in Angola trifft auch Südafrika - wie ungerecht das auch sein mag. Balsam mögen da die Worte von Franz Beckenbauer sein: Er sei sich sicher, dass «bei der WM nichts derartiges passieren wie in Angola». Es wäre «ein Fehler, wenn wir Europäer nun Südafrika und Angola in einen Topf werfen.»

 

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