Sportnachrichten 25.06.2008, 13:56 Uhr

Görges mit emotionalem Wimbledon-Debüt

Julia Görges ballt die Faust. Ihr Wimbledon-Debüt verlief erfolgreich.

Julia Görges ballt die Faust. Ihr Wimbledon-Debüt verlief erfolgreich.

Da stand die junge Deutsche, und die Tränen liefen ihr nur so über das Gesicht, aber die Engländerin ließ sich nicht erweichen. In Wimbledon gibt es eben kein Handtuch als Souvenir - nicht mal für eine 19-Jährige, die gerade den schönsten Moment ihrer Tenniskarriere erlebte. Drei Stunden und 40 Minuten dauerte der erste Auftritt von Julia Görges aus Bad Oldesloe beim berühmtesten Tennisturnier der Welt, dann hatte sie ihren vierten Matchball gegen die gesetzte Slowenin Katarina Srebotnik zum 4:6, 7: 5 (8:6), 16:14 verwandelt.

Sie hüpfte immer wieder auf und ab, umarmte die Eltern und den Trainer auf der Tribüne, weinte rührende Freudentränen - selbst TV-Experte Boris Becker war von ihrem emotionalen Auftritt beeindruckt. Auch frisch geduscht war Görges noch immer sichtlich bewegt und berichtete mit einem strahlenden Lächeln sowie erfrischender Offenheit und wohl überlegt aus ihrem Tennisleben. Zumindest für den Abend fiel das nicht mehr so spektakulär aus: „Ich glaube, ich fall tot ins Bett. Das reicht für eine Woche Training für Körper und Geist.“

Fünf Minuten fehlten zum längsten Frauen-Match der Geschichte der All England Championships, aber Görges war auch so überwältigt genug. „Das war der schönste Moment, den ich bis jetzt hatte im Tennis“, sagt Julia Görges, die am Ende sogar übermenschliche Kräfte anrief: „Ich habe nur noch gedacht: bitte hilf mir irgendjemand.“

Es war der erste Sieg für Julia Görges gegen eine Spielerin aus den Top 30. In der Weltrangliste dürfte sie ihre beste Platzierung (98.) schon übertroffen haben. Damit soll noch längst nicht Schluss sein. 2005 ging sie mit Mittlerer Reife von der Schule ab, seitdem setzt sie alles auf die Karte Tennis.

Auch Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner traut ihr noch mehr zu. „Man muss Geduld mit ihr haben. Aber sie hat das Niveau, ganz vorne mitzuspielen. Sie hat ein druckvolles Grundlinienspiel und einen guten Aufschlag, sie muss nur lernen, das richtig einzusetzen. „ Im vergangenen Jahr reichte es schon zu einem Halbfinale auf der WTA-Tour in Stockholm.

Mit Modelmaß von 1,80 m, langen, dunklen Haaren und einem strahlenden Lächeln hat sie längst auch andere für sich eingenommen. Die heimatliche Presse nennt sie „die schöne Julia“, und vermarktet wird sie von Werner Köster, der einst auch Franziska van Almsick vertrat.

Auch in den USA ist sie inzwischen bei einer Agentur unter Vertrag. Und schon während des Auf und Abs im dritten Satz, der mit 2:16 Stunden Dauer allein für ein ganzes Match gereicht hätte, schrieben Leser das Gästebuch ihrer Internetseite voll.

Doch zu Ende soll der Wimbledon-Auftritt von Julia Görges noch lange nicht sein. Ihre nächste Gegnerin Marina Erakovic aus Neuseeland ist nicht unschlagbar. Und Julia Görges hat Gefallen am „Heiligen Rasen“ gefunden: „Wimbledon ist das Turnier, das Tennis definiert. Und es ist das edelste Turnier, das ich je gespielt habe.“

 

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