Sportnachrichten 18.06.2012, 21:26 Uhr

Ausrotter

Kein Mensch käme auf die Idee, die Schwalben ausrotten zu wollen. Zwar macht „eine Schwalbe noch keinen Sommer“, dennoch erfreut sich diese Art der Sperlingsvögel mit der atemberaubenden Flugtechnik und den kunstvoll hingemörtelten Nestern menschlicher Sympathie. Gerade, wenn die Schwalben besonders hoch fliegen, kommen wir in gute Stimmung. Dann nämlich wird das Wetter schön. Dass manche Zeitgenossen Schwalbennester unter den Dachrinnen entfernen, weil sie den Dreck nicht haben wollen, sei hier einmal außen vor gelassen.

Anscheinend aber haben sich die Fußball-Funktionäre sowie das angeschlossene Schiedsrichterwesen zum Ziel gesetzt, den sympathischen Gabelflüglern den Garaus zu machen. Und zwar um jeden Preis, Kollateralschäden werden billigend in Kauf genommen. Das neueste Beispiel ist der griechische Kapitän Giorgos Karagounis, den die Gelbe Karte ereilte, obwohl der Spieler im Strafraum der Russen durch ein Gegnerbein zu Fall gekommen war. Es war mitnichten eine „Schwalbe“. Karagounis, es war seine zweite Gelbe Karte im Turnier, weinte und bekreuzigte sich ob der Fehlentscheidung, konnte sich des Fluchs der Sperre für das EM-Viertelfinale aber vorerst nicht entledigen.

Der Grieche war Schütze des wahrhaft goldenen Tores für seine Mannschaft. Das Team braucht ihn. Man hofft nun auf die Gnade der Uefa, die die Fehlentscheidung zurücknehmen soll. Zu wünschen wäre es ihm, denn im Viertelfinale geht es gegen Deutschland und da sollten die Griechen angesichts der heiklen europäischen Großwetterlage keinen Wettbewerbsnachteil erleiden. Das schürt nur ohnehin aufkommende Ressentiments.

Dennoch sind Zweifel am Mitleid des europäischen Verbands angebracht, denn aus Sicht der Regelhüter geht es um eine große Sache. Die Schwalbe muss weg, heißt der in Stein gemeißelte Leitspruch. Und sie wird wohl auch verschwinden. Das Problem mit dem Dreck hat sich dann ebenfalls erledigt.

 

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