Sportnachrichten 20.10.2012, 13:58 Uhr

„Ich wollte nicht mehr lügen müssen“

Homosexualität ist im Fußball noch immer ein Tabu-Thema. Ein Amateurfußballer aus der Region schildert der MZ seine Sicht der Dinge.

Im Schatten: Bislang hat sich noch kein Bundesliga-Profi geoutet. Auch der Gesprächspartner der MZ-Sportredaktion möchte vorerst unerkannt bleiben. Foto: Fotolia

Im Schatten: Bislang hat sich noch kein Bundesliga-Profi geoutet. Auch der Gesprächspartner der MZ-Sportredaktion möchte vorerst unerkannt bleiben. Foto: Fotolia

Regensburg. Im September hat ein Interview eines Fußballers in der Onlineausgabe des Jugendmagazins „Fluter“ für Aufsehen gesorgt. Anonym sprach der Bundesliga-Profi über seine Angst, sich öffentlich zu seiner Homosexualität zu bekennen. Schwul sein und Fußball spielen – beides unter einen Hut zu bringen war auch lange für Thorsten N. (Name von der Redaktion geändert) schwierig. Dieses Jahr hat sich der Amateurkicker geoutet, zumindest teilweise. Seine Mannschaft weiß Bescheid, seine Eltern nicht. Mit MZ-Sportredakteurin Birgit Pinzer spricht er über sein Outing, über seinen Verein und seine Träume.

Wir haben in Deutschland eine Frau als Kanzlerin. In unserer Regierung sitzen ein Rollstuhlfahrer, ein aus Asien stammendes Adoptivkind und ein schwuler Außenminister. Wir lachen mit Hape Kerkeling und Hella von Sinnen. Wir hören uns Lieder von Elton John & Co. an. Wieso ist Homosexualität im Sport, und gerade im Fußball, nach wie vor ein Tabu-Thema?

Im Sport ist Härte gefragt, das bringen viele nicht mit Schwulsein zusammen. Viele haben nach wie vor das Bild eines Schwulen im Kopf, der mit Handtasche rumrennt. Sie denken, dass ein Schwuler zu weich ist, solche Sachen halt.

Hatten Sie denn selbst Erlebnisse in der Richtung?

Ich habe es die letzten Jahre unterdrückt.

Dass Sie schwul sind?

Ja. Ich wollte das nicht akzeptieren. Jetzt ist es besser geworden. Ich habe mich dieses Jahr teilweise geoutet, im Freundeskreis, und auch die Mannschaft weiß Bescheid.

Wie geht die Mannschaft damit um?

Es ist glücklicherweise kein Thema. Es gab überhaupt keine negativen Reaktionen. Die Leute kennen mich zum Teil seit Jahren. Und ich habe mich ja nicht verändert. Allerdings merkt man auch, manche rücken ab. Aber der allgemeine Tenor ist: „Ja, es ist gut, dass du es gesagt hast.“

 

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