Sport aus der Region Kelheim 11.05.2012, 16:09 Uhr

Hrubesch: „Kopfballungeheuer ist eine Marke“

Vom Dachdecker zum Bundesliga-Torjäger: Der Europameister von 1980 trainiert mit der deutschen U 19 in Bad Gögging. „Fußball hat mir ein tolles Leben ermöglicht“, sagt er.

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        Leonardo Bittencourt (r.) trägt bald das Dortmunder Trikot.

Leonardo Bittencourt (r.) trägt bald das Dortmunder Trikot.

von martin rutrecht, MZ

bad gögging. 136 Bundesliga-Tore hat er erzielt, 1980 mit Deutschland den EM-Titel gewonnen, 1982 war er Vize-Weltmeister, mit dem HSV holte er dreimal die Meisterschale und 1983 den „Pokal der Landesmeister“ (Champions League). Horst Hrubesch, 61, sitzt auf der Terrasse des Marc Aurel in Bad Gögging und bekommt eben seinen Kaffee: „Das können Sie wieder mitnehmen. Das brauche ich nicht“, sagt er und drückt dem Kellner freundlich, aber bestimmt die Milchdöschen, Zuckerwürfel und den eingeschweißten Keks in die Hand.

Seine Schützlinge, die U19-Nationalspieler des Deutschen Fußballbundes, sind im Hotel verschwunden. Nach einer intensiven Trainingseinheit dürfen sie sich im Eisbecken regenerieren, ehe das Mittagessen serviert wird. „Solche feinen Bedingungen wie diese Generation hatten wir als junge Kicker nicht. Wir haben Physiotherapeuten dabei, einen Doktor, sind in einem schönen Hotel. Aber die Jungs haben es sich hart erarbeitet, dass sie hier sind. Geschenkt wird ihnen nichts“, sagt Hrubesch.

„Ich kann keinen Stuhl umspielen“

Der frühere Bundesliga-Torjäger lernte Dachdecker, ehe er seine Laufbahn begann. Groß geworden in Hamm stieß er über seinen Heimatverein sowie den SC Westtünnen und Rot-Weiß Essen 1978 zum Hamburger Sportverein. „Ich war schon etwas älter und habe gewusst, was arbeiten ist. Der Fußball hat mir ein tolles Leben ermöglicht, aber ich hab’ dafür auch viel gegeben. Die Familie musste vieles unterordnen. Ohne meine Frau wäre dieser Weg nie möglich gewesen.“

Gerade aber Hrubeschs Gattin fand’s nicht ganz so amüsant, als der Stürmer mit dem Beinamen „Kopfballungeheuer“ geschmückt wurde. „Sie wurde am Markt einmal mit ,Guten Morgen, Frau Kopfballungeheuer’ begrüßt“, schmunzelt der Ehemann. „Ich hatte nie ein Problem, das Wort ist wie eine Marke, wie ein Auszeichnung, es steht heute im Kreuzworträtsel. Welcher Spieler wird noch so geadelt?“ Allein auf die Kopfballstärke reduziert zu werden, störte ihn auch nicht: „Ich habe immer gesagt: Leute, ich kann keinen Stuhl umspielen, aber ich mach’ 20 Tore pro Saison.“


 

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