Einzelsieger Markus Rieber reagiert auf Misstöne: „An meinem Erfolg ist nichts Unsportliches dran.“ Foto: Rutrecht
Von Martin Rutrecht und Alexander Reichmann, MZ
Kelheim. Die 16. Auflage des 24-Stunden-Radrennens hat ein packendes Finale gesehen. Die Siegertrophäen wurden verteilt. Allerdings fehlte am Podest Einzelsieger Markus Rieber, der nicht nur deswegen Misstöne erntete. Am Montag reagierte der 43-Jährige.
Suchend blickten die Honoratioren sowie RSC-Vorsitzender Klaus Roithmeier am Sonntag bei der Siegerehrung in die Menge: Wo war Herren-Champion Markus Rieber? Mit 47 Runden (808 km) hatte er triumphiert und wurde von Tausenden Fans gefeiert. Und jetzt, eine halbe Stunde später, war er weg. Die Pokalübergaben erfolgten somit ohne Rieber. Der zweitplatzierte Tiroler Franz Waibl, der gleichauf mit dem Schweizer Vorjahressieger Thomas Ratschob ankam, äußerte gegenüber der MZ dann auch noch Kritik am „unsportlichen“ Verhalten des Siegers: Er habe eine Pinkelpause von ihm und Ratschob genutzt, um sich auf und davon zu machen.
Am Montag reagierte Markus Rieber aus Güglingen bei Heilbronn. „Zur Siegerehrung: Ich hatte in der Dusche einen Kreislaufzusammenbruch. Ich wäre unheimlich gerne am Podium gestanden. Für mich war es eines der schönsten Rennen, das ich bisher bestritten habe.“ Zur Kritik an seinem Verhalten auf der Strecke meinte er: „Es ist richtig, dass ich bei einer Pinkelpause weitergefahren bin. Normalerweise wird so ein Stopp abgesprochen, doch meine zwei Konkurrenten schlugen sich ohne ein Wort in die Büsche. Eine Stunde zuvor hatten sie das auch schon gemacht, da blieb ich stehen. Beim zweiten Mal war ich sauer und bin weitergefahren, aber ohne das Tempo zu verschärfen. Zu zweit kann man das locker aufholen. Ratschob hat ja auch wieder aufgeschlossen zu mir. Am Stausackerer Berg habe ich dann angegriffen und mir so den entscheidenden Vorsprung verschafft. An meinem Sieg ist nichts Unsportliches dran.“
Vom 24-Stunden-Rennen berichtete die MZ heuer live, nachfolgend die „Live-Schaltungen“:
Sonntag, 15.51 Uhr
Der Sekt schäumte auf dem Podium, die Sieger des Rennens sind gekürt. Die Lokalmatadore von Lowriders Kelheim durften sich als Mannschaftssieger feiern lassen. Sie stemmten eine Skulptur mit der Befreiungshalle als Spitze in die Höhe. Nun wird ihr Teamname auf der Trophäe verewigt. Georg Andres hatte die entscheidende Attacke in der letzten Runde geritten: „Ich war das erste Mal in unserer schnellen Mannschaft mit dabei, und dann gleich so viel Verantwortung. Ich habe meine Chance im Sprint auf dem Weg zurück in die Altstadt gesehen.“ Den Expert Reng-Fahrer Roland Ballerstedt hängte er ab: „Ich bin kein Sprinter und konnte ihn nicht halten. Es war ein fantastisches Rennen, Sonntagvormittag waren wir schon 30 Sekunden voraus, aber das konnten wir nicht durchbringen.“
Damen-Siegerin Gabi Wittleben machte Veranstalter RSC Kelheim glücklich. Die 46-jährige Schwarzenfelderin fährt für den Verein und kam zum dritten Mal als Erste an. „Das Rennen ist für mich reine Kopfsache: Um 14 Uhr am Samstag schalte ich einen Automatismus ein, der bis Sonntag um 14 Uhr läuft. Dazwischen ist nur: radeln, radeln.“ Wittleben machte nur zum Umziehen Pausen, „in Summe waren’s vielleicht 45 Minuten“.
Durch Abwesenheit glänzte bei der Siegerehrung Einzelchampion Markus Rieber, der nach seinen 808 Kilometern nicht mehr aufzutreiben war. Leichte Misstöne kamen vom zweitplatzierten Österreicher Franz Waibl, der sich mit Thomas Ratschob aus der Schweiz diesen Rang teilte. „Thomas und ich haben durchgehend das Tempo gemacht, Rieber hat sich angehängt. Als wir eine Pinkelpause einlegten, fuhr er weiter. Er hat eine riesen Leistung vollbracht, aber so zu gewinnen, finde ich unsportlich.“
Nächstes Jahr könnte es die Revanche geben: Termin ist der 10./11. August 2013.
Sonntag, 14.16 Uhr
Das 24-Stunden-Rennen ist durch: In einem packenden Finale haben sich die Lokalmatadore von Lowriders Kelheim den Sieg geholt. Schlussfahrer Georg Andres sprintete Roland Ballerstedt vom Expert Reng auf der Einfahrt in die Altstadt nieder. Zwar waren da noch 23:30 Minuten Zeit, um eine letzte Runde (17,2 km) zu drehen, doch für die zweitplatzierte Truppe war das nicht mehr zu schaffen. Die Auftaktschleife zum Spektakel war von den Besten in dieser Zeit bewältigt worden – aber nicht mehr nach 24 Stunden Renndauer. Die Kelheimer Innenstadt tobte. Der Held schlechthin war aber Einzelsieger Markus Rieber. Er musste gestützt werden, als er vom Rad stieg und eine kleine Ehrenrunde ging. „Nach zehn Runden wollte ich schon aufgeben, aber dann ging’s wieder“, sagte der völlig erschöpfte Extremsportler, der 47 mal die Runde drehte (= 808 Kilometer). „Ich hatte schon viel vom Kelheimer Rennen gehört. Aber diese Stimmung an der Strecke und in der Wechselzone übertraf alle meine Erwartungen.“
Mit Gabi Wittleben hatte eine Lokalmatadorin bei den weiblichen Einzelkämpfern die Nase vorne. Bei dem Frauen-Teams setzte sich das Team Glasservice Weber durch, ebenfalls eine Truppe aus dem Landkreis. Die Senioren-Wertung gewannen Z-Fenster-Technik mit fünf „Oldies“ vom Veranstalter RSC Kelheim. Und von der ersten bis zur 1440. Minute hatte bei den Mixed-Equipen die Raiffeisenbank Bad Gögging alles im Griff.
Mit Stimmen und Bilder von den Siegern kommen die MZ-Reporter noch einmal wieder.
Sonntag, 12.53 Uhr
Es prickelt: Noch eine Stunde und bei den Herren-Mannschaften duellieren sich weiterhin die Lowriders und Expert Reng um den Sieg. Georg Fischer von den „Reitern“ raunte seinem Widersacher in Wechselzone eben zu: „Mach nicht zu schnell am Berg.“ Eben ist er Schulter an Schulter mit seinem Kollegen wieder in die Wechselzone eingefahren. Dort blickt man in mehr und mehr Gesichter mit Augenringen. „Wenn ich jetzt eine Liege hätte, wäre ich nach zwei Minuten weg“, sagt Karl Märkl vom Team Babo/Dr. M aus Abensberg. „Ich bin froh, dass die Nacht rum ist“, so Inke Kuhne von den Damen des VC Ratisbona. Tina Eckstein von den „Finsingern“ hat’s geschafft: „Das war meine letzte Runde. Mehr brauch’ ich nicht mehr.“ Mit ihrer Truppe fährt die Dame bei den Mixed-Auswahlen mit, wo die Raiffeisenbank Bad Gögging führt. Team-Mitglied Barbara Ferstl hat Tränen von Erschöpfung und Erlösung in den Augen, als sie ihrem Papa aus Painten um den Hals fällt. „Gott sei Dank halten einzelne Grüppchen immer zusammen. An uns sind Einzelfahrer vorbei geschossen – wo nehmen die ihre Kraft her?!“ Der Sieg ist den radelnden „Bankiers“ in der Mixed-Wertung sicher. Bei den Senioren-Mannschaft wird die RSC-Staffel Z-Fenster Technik die Ernte der Anstrengung einfahren. Bei den Frauen-Equipen ist das Team Glasservice Weber auf dem Weg zum Triumph, bei den Einzelfahrerinnen wird sich Gabi Wittleben ganz oben stehen. Und Markus Rieber aus Lauffen am Neckar wird Stand der Dinge die Nummer eins bei den 139 Solisten. Thomas Ratschob und Franz Waibl ringen um Rang zwei.
Sonntag, 11.15 Uhr
Bei den Solisten ist jetzt Markus Rieber der Mann der Stunde – er hat dreieinhalb Minuten zwischen sich und das Duo Waibl und Ratschob gebracht. Ist das der Sieg für ihn? Und bei den Einzelfahrerinnen liegt jetzt Gabi Wittleben auf Rang eins. Noch knapp drei Stunden, in der Altstadt herrscht Rennfieber. Die Trommler von „Sarara“ versprühen Brasilien-Flair.
Sonntag, 10.38 Uhr
Update zum Stand bei den Herren: Der Ausreißversuch vom Team Expert Reng wurde beendet, die Lowriders sind wieder dran und der Zweikampf an der Spitze geht weiter.
Sonntag, 10.15 Uhr
So ein Wetter hätte man sich doch für die gesamten 24 Stunden gewünscht, die Sonne strahlt, die Temperaturen nähern sich langsam Werten zwischen 15 und 20 Grad. Die Teilnehmer des 24-Stunden-Rennens können sich wohl auf vier letzte, schöne Stunden freuen - solange sie physisch und psychisch dazu noch in der Lage sind. Die lange Nacht steckt allen in den Knochen. Beim Mix-Team SV Hadrian-Ski SPRENG-Kraft mussten die drei Herren in der Nacht Doppelrunden fahren und Manuel Seitz meint dazu am Morgen: „Sowas mache ich nie wieder!“
An der Spitze der Herrenwertung haben sich die fünf Radler vom Team Expert Reng jetzt ganz leicht abgesetzt und nach 47 Runden zumindest ein paar Sekunden zwischen sich und die Lowriders gebracht. Die Lowriders werden natürlich versuchen, das möglichst schnell zu fahren. Dahinter folgen im Kampf um Platz drei Team Hackner und Team Löffler gleichauf vor den jungen RSC-Fahrern vom Team Kreissparkasse Kelheim. Klaus Roithmeier, Chef des RSC, erzählt: In der Nacht um drei Uhr wurde die führende Vierergruppe gesprengt.“ Er ist voll des Lobes für seine jungen Fahrer, die lange ganz vorne mithalten konnten. Mittlerweile kämpfen sie nur noch zu viert um Platz fünf. Mathias Luginger bekam Probleme mit dem Magen und musste zur Behandlung ins Krankenhaus. „Die Jungs sind richtig gut, aber nach 14 oder 15 Stunden waren sie einfach völlig fertig und konnten ganz vorne nicht mehr mithalten. Vielleicht ja nächstes Jahr“, so Roithmeier.
Sonntag, 8.43 Uhr
Guten Morgen! Der Tag hat das Feld der rund 1000 Teilnehmer wieder. Nach einer turbulenten Nacht bei den Herren-Mannschaften strampeln die Lowriders und Expert Reng weiterhin Rad an Rad um den Sieg. Sie liegen bei 43 Runden. Die Verfolger sind abgehängt, um Rang drei buhlen Hackner und Kreissparkasse sowie das Boden gut machende Team von IronTrizone. Der Kampf der Einzelfahrer wird an der Spitze immer enger. Markus Rieber, der in der Nacht die Führung übernommen hatte, wurde von Thomas Ratschob und Franz Waibl wieder gestellt. Nun sind die Solisten zu dritt Richtung Zielmarke unterwegs, wobei Waibl jetzt eine Lücke von 30 Sekunden reißen lassen musste.. In den anderen Klassen hat sich in den frühen Morgenstunden weniger verändert: Bei den Damen ist Anne Biernat die Nummer eins vor Gabi Wittleben. Im Feld der Frauen-Teams sieht es ganz nach einem Erfolg von Glasservice Weber aus. Die Oldies-Equipen halten die Reihung Z-Fenster-Technik vor TSV Langquaid Maler Haumer Ranftl und Ghost Challenge Team. Bei den Mixed-Teams ist die Raiffeisenbank Bad Gögging eine Bank.
Um 14 Uhr fällt die Zielflagge. Wir haben also noch gut fünf Stunden, ehe die Sieger des 24-Stunden-Radrennens feststehen werden. Um 9.30 Uhr wird die “Saaler Blechblos‘n“ den Vormittag bayerisch einleiten. Ab 11 Uhr treten die Trommler von „Sarara“ mit brasilianischem Feuern auf. Dann wird’s heiß – im Rennen und im großen Wechselzelt am Ludwigsplatz.
Sonntag, 4.02 Uhr
Wie verrückt ist das „Race 24“ in diesem Jahr! Alle Prognosen von wegen ruhiger Nacht sind dahin. Die Gruppe der vier führenden Herren-Teams hat es auseinander gesprengt. Die Lowriders und Expert Reng konnten sich absetzen, die Kreissparkasse hat zwei Minuten Rückstand, IronTrizone Regensburg wurde (vor allem verursacht durch zwei langwierige Defekte) auf Rang sechs durchgereicht. Auf den Rängen drei und vier arbeiten Hackner und Löffler Nordic-Team gemeinsam, elf Minuten hinter dem Führungsduo, das 33 Runden gedreht hat – sagenhafte 567 Kilometer. Im Wettstreit der Frauen-Garden hat Glasservice Weber seinen Vorsprung deutlich ausgebaut. Die Keldorado-Badenixen und die Kreissparkasse hecheln eine Schleife hinterher.
Auf den Kopf gestellt wurde die Reihung bei den Solisten: Markus Rieber hat sich das Duo Thomas Ratschob und Franz Waibl geschnappt und liegt nach 28 Schleifen zu je 17,2 km fast drei Minuten vor seinen beiden Widersachern. Das letzte Wort ist hier längst nicht gesprochen. Bei den Damen ist Anne Biernat die Nummer eins vor Gabi Wittleben. Letztere hat sich eine Pause gegönnt und damit Platz eins verloren. Im Rennen der Oldies-Equipen hat Z-Fenster-Technik mit fünf RSC-Fahrern wieder die Spitze übernommen, vor TSV Langquaid Maler Haumer Ranftl sowie dem Ghost Challenge Team. 30 Runden haben die drei Senioren-Gespanne auf dem Buckel. Bei den Mixed-Teams strampelt weiterhin die Raiffeisenbank Bad Gögging unbeirrbar vorne weg. Diese Truppe scheint den Masterplan entdeckt zu haben. In gut einer Stunde bricht der Morgen an. Dann haben die Starter die ungeliebten Nachtstunden geschafft.
Sonntag, 0.10 Uhr
Die Nacht beim 24-Stunden-Rennen ist für die Fahrer das Härteste. Alle freuen sich darauf, wenn zwischen fünf und sechs Uhr morgens wieder Tageslicht zum Vorschein kommt. Doch bis dahin müssen sie noch einige Stunden Dunkelheit überstehen. In Kelheim helfen die Fans, sie machen in der Stadt die Nacht zum Tag. Am Rennverlauf hat sich bei den Männern nichts geändert. Weiterhin führen die Teams Expert Reng, Lowriders, Iron Trizone und Kreissparkasse Kelheim. Benedikt Schäffer meint nach seiner Runde im Gespräch mit uns: „Ich denke nicht, dass sich an der Konstellation in der Nacht etwas ändern wird. Wir passen gut zusammen und wir konnten die Teams von Löffler und Hackner jetzt auch schon ein paar Minuten distanzieren. Wir haben deren Willen wohl gebrochen“ Natürlich müsse man aufpassen, falls einer mal schwächeln sollte, aber bis jetzt laufe alles gut. Auf den kurzen Regenschauer zwischen 22 und 22.30 Uhr angesprochen meint Schäffer: „Man muss beim Bremsen etwas aufpassen, da die Straße noch nass ist. Es hat ja jetzt wieder aufgehört und kalt ist es nicht.“
Bei den Einzelfahrerdamen führt Gabi Wittleben weiterhin vor Anne Biernat, ihr Vorsprung beträgt rund zwölf Minuten. Bei den Männern wird in der Einzelwertung dagegen momentan ebenfalls zusammen gearbeitet. Franz Waibl und Thomas Ratschob drehen Runde um Runde Rad an Rad, gerade befinden sie sich auf Umlauf Nummer 21. Bei den Seniorenteams hat sich der SV Pirna die Führung zurück geholt und liegt fünf Minuten vor dem Team Z-Fenster-Technik. In der neuen Mix-Wertung hat sich das Team Raiffeisenbank Bad Gögging mittlerweile fast 20 Minuten Vorsprung heraus gefahren und bei den Damen lag das Team Glasservice Weber vorne, allerdings folgen nur gute eine Minute dahinter die Keldorado Badenixen.
Im Festzelt läuft in der Zwischenzeit das Rahmenprogramm. Nachdem am frühen Abend bereits Kung-Fu-Vorführungen gezeigt wurden, ist jetzt Roland Oberndorfer dran. Der Airbrush-Künstler gibt auf der Bühne eine Live-Performance zum Besten. Danach wird es etwas stiller, denn ab Mitternacht ist die Musik aus.
Samstag, 22.20 Uhr
In der Kelheimer Innenstadt tummeln sich mehr und mehr Menschen, die Nacht des 24-Stunden-Rennens bricht an. Die Zuschauer machen Party, Armin Wolf gibt den Einheizer. Bei den Herren-Mannschaften und Herren-Einzelfahrern bleibt es nach wie vor extrem spannend: Die Solisten Thomas Ratschob aus der Schweiz und Franz Waibl aus Tirol sind an der Spitze quasi unzertrennlich, noch haben sie keine Pause gemacht. Die beiden Extremsportler halten bei 17 Runden auf der 17,2 km langen Schleife: über 292 Kilometer nach acht Stunden, unglaublich. Vier Quintette machen bei den Herren-Teams weiterhin das Rennen: Lowriders, Kreissparkasse, Expert Reng und IronTrizone. Kein Blatt passt dazwischen, 19 Runden haben sie hinter sich. Wann wagt einer eine Attacke? Abgeschüttelt mit fünf Minuten Rückstand sind jetzt die Verfolger Hackner I und Löffler Nordic-Team. Gabi Wittleben zieht bei den Damen mittlerweile alleine vorne ihre Kreise. Anne Biernat und Sabine Hössle folgen dahinter. Die Frage ist, wer wann mal eine Pause macht. Unter den sieben Damen-Equipen halten sich die Keldorado-Badenixen vorne, aber Glasservice Weber mit der Kelheimer Biathletin Vroni Bühler kommen näher, knapp zwei Minuten fehlen noch. Dahinter belegt die Kreissparkasse ungefährdet Rang drei. Im Feld der reifen Männer-Auswahlen hat Z-Fenster Technik die Führung übernommen. Die fünf Oldies stammen allesamt aus dem RSC Kelheim. Nur etwa 120 Sekunden dahinter hat der TSV Langquaid mit seinen Leuten die Verfolgung aufgenommen. In dieser Garde ist etwa Thomas Jörss dabei, ein begeisterter Bahnrad-Fahrer. Das Ghost Challenge Team hat als Dritter auch noch seine Chancen. RV Pirna, lange vorne, ist jetzt Vierter. Bei den gemischten Teams scheint die Raiffeisenbank Bad Gögging alles richtig zu machen. „So kann’s bleiben“, sagt Thomas Arnhofer.
Bis 24 Uhr läuft noch die Party in der Altstadt, dann muss die Musik abgedreht werden. Moderator Armin Wolf hat sich dann auch eine Auszeit verdient, bis etwa halb neun pausiert die Stimme Ostbayerns. Ans Schlafen denken die meisten Radsportler nicht. Christian Nigst von den Raiba-Radlern Kelheim und Andreas Klingl von den Brother Bikers fachsimpeln nach ihrer Runde über die Taktik in der Nacht: „Wir lassen jetzt jeden zwei Schleifen drehen“, sagt Nigst. „Haben wir im Vorjahr getan, das macht dich nur fertig“, entgegnet Klingl. Der Bayerwaldler und seine Crew lassen immer einen Mitstreiter drei Stunden pausieren, „dann kannst du wenigstens ein bisschen dösen“. Wir werden sehen, wer am muntersten bleibt.
Samstag 20.34 Uhr
Gerade haben wir die Stimmung am legendären Col des Stausacker gecheckt. Immer mehr Leute strömen jetzt auf den Berg, um die Fahrer anzufeuern, nachdem während der Regenphase die Unterstützung noch etwas spärlich ausfiel.
Aus den Boxen am Fanlager des Teams SV Hadrian-Ski: SPRENG-Kraft dröhnt laute Musik und die Hienheimer Fans feuern zusammen mit den Tischlern aus Nordrhein-Westfalen frenetisch alle Fahrer an. So manch einer lässt sich anstecken, reißt die Arme hoch, applaudiert oder klatscht die Zuschauer ab.
Das Spitzenquartett mit den Teams Expert Reng, Kreissparkasse Kelheim, Lowriders und IronTrizone hat dafür aber keinen Blick, verbissen jagen sie zu viert den Berg hoch, Runde um Runde, keiner will sich eine Blöße geben. Schließlich sind die Verfolger vom Team Löffler und Team Hackner nur knappe zwei Minuten hinten dran. Und Werner Hügel vom Team Hackner fährt zusammen mit Mathias Flunger vom Team Löffler bisher die schnellsten Zeiten aller Fahrer im gesamten Feld.
Andere dagegen nehmen es nicht so ernst. Die Tandem-Fahrerinnen vom Team AOK halten am Stausackerer Berg und lassen sich von ihrem verletzten Teamkollegen Willi Schmitzer eine Erfrischung spendieren. Schmitzer, auch bekannt als Fan-Manager am Stausackerer Berg, war gleich als Startfahrer für die Gesundheitskasse ins Rennen gegangen, stürzte jedoch im Flachstück nach einem Fahrfehler und musste aussteigen. Jetzt kümmert er sich wieder um die Fans.
Samstag, 19.43 Uhr
Mehr und mehr Menschen bevölkern die Innenstadt. Der Regen hat sich verzogen, und draußen auf der 17,2 Kilometer langen Strecke gibt es packende Kämpfe um den Sieg. Im Feld der 120 Herren-Mannschaften halten sich die vier Teams Lowriders, Kreissparkasse, Expert Reng sowie IronTrizone im Gleichklang an der Spitze. 13 Runden haben sie bereits hingelegt – fast 225 Kilometer. „Jede Truppe hat sehr starke Fahrer. Wir hoffen, dass wir in der Gruppe bleiben können“, sagt Aron Reitz, einst der jüngste Starter beim ersten Ironman in Regensburg, von der Crew Sparkasse. Ganz außer Acht lassen dürfe man auch die Verfolger nicht: Das Löffler Nordic-Team mit Bergsprintsieger Mathias Flunger und die Mannschaft Hackner um den Senioren-Zeitfahr-Weltmeister Werner Hügel (52) liegen eine gute Minute zurück, zwischenzeitlich waren es nur noch 40 Sekunden gewesen. Im Reigen der Damen-Teams behaupten sich die Keldorado-Badenixen weiterhin auf Rang eins. Das Team Glasservice Weber hat die Kreissparkasse-Radlerinnen von Platz zwei verdrängt. Im Pulk der Mixed-Auswahlen (mindestens zwei Damen) führt die Raiffeisenbank Bad Gögging. Die Bankhauspedaleure haben den „Gitarristen“ Jonny Baier in ihrem Zelt im Fahrerlager mit dabei. Bei den Senioren (alle zusammen müssen 250 Jahre überschreiten) sausen RV Pirna/SV Elbland Meißen vorne weg.
Bei den Solisten ist das Spitzentrio auf zwei Mann geschrumpft: Thomas Ratschob und Franz Waibl, zwei Extremsportler, jagen Rad an Rad über die Strecke; sie haben bislang nur eine Runde weniger als die Mannschaften abgespult. Die neue Führende bei den weiblichen Einzelkämpferinnen heißt Gabi Wittleben. Die bislang auf Rang eins liegende Sabine Hössle hat sich eine Pause gegönnt, was sie auf Platz vier zurückgeworfen hat. Anne Biernat und Christine Müller haben sich auf zwei und drei vorgearbeitet.
Samstag, 17.59 Uhr
Zwischendrin ein Ausblick auf das Abendprogramm beim 24-Stunden-Rennen: Um 19 und 21 Uhr werden Kung-Fu-Vorführungen gezeigt, zwischen 23 und 1 Uhr verziert ein Body-Painter Körperwelten. Wenn Sie also noch nichts vor haben... Am Sonntagmorgen spielt ab 9.30 Uhr die „Saaler Blechblos’n“, ab 11 Uhr leiten die Sambatrommler von „Sarara“ aus Regensburg das Finale ein. Bis dahin wartet aber noch eine lange Nacht.
Bei den Solisten hat Veranstalter RSC Kelheim übrigens die Zahler der Starter korrigiert. Von 148 Herren sind neun nicht angetreten, damit sind es 139 Einzelfahrer. Bei den weiblichen Stramplerinnen hat nur eine Teilnehmerin abgesagt, womit es zehn Starterinnen sind.
Samstag, 17.14 Uhr
Im Vorjahr kamen zwei Mannschaften (Lowriders und Sport2000) buchstäblich Hand in Hand im Ziel an. Sie rollten nach 24 Stunden gemeinsam über die Ziellinie, nach 56 Runden (ca. 963 Kilometer). Heuer könnte das Ganze noch getoppt werden. Bei den Herrenteams ist aus einem Zwei- ein Vierkampf geworden. Die Lowriders, die Kreissparkasse, das Team Expert Reng sowie IronTrizone strampeln Seite an Seite. „Momentan kommt keiner weg. Eine Attacke macht keinen Sinn, vielleicht geht was in der Nacht oder am frühen Morgen“, sagt Bastian Düweling von Expert Reng kurz nach einem Wechsel. Er und seine Teamkollegen stammen aus dem Allgäu und fahren unter der Flagge des Neustädter bzw. Kelheimer Unternehmens. Bei den Einzelfahrern liegen Vorjahressieger Thomas Ratschob aus der Schweiz, Franz Waibl (Sportunion Tarrenz) und Extremsportler Patric Grüner gemeinsam an der Spitze. Sie haben bereits ihre ersten 100 Kilometer in den Beinen. Im Feld der Damen-Teams haben sich die Keldorado-Badenixen etwas abgesetzt. Kreissparkasse und Glas Weber sind noch in Schlagdistanz. Die gläserne Truppe hat übrigens bei den Männern eine Fun-Ausgabe dabei. Jürgen Oswald aus Kelheim hat sich seine Haare knallig grün färben lassen. „Das ist unsere Team-Farbe.“
Samstag, 16.22 Uhr
Bei den Damen-Teams hat jetzt Keldorado die Nase vorne. Übrigens zum Wetter: Immer wieder regnet es zwischendurch.
Samstag, 15.45 Uhr
Das Feld hat sich aufgeteilt. Die Siegaspiranten zeichnen sich schon ab: Bei den Männer-Teams gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Equipe Kreissparkasse Kelheim mit Fahrern wie Daniel Thaller – als Junior im Bayern-Kader – oder dem deutschen Biathlon-Jugendmeister Niklas Kellerer sowie Vorjahreschampion Lowriders Kelheim, wo Benedikt Schäffer aus Painten der bekannteste Starter ist. Dahinter, ebenfalls im Gleichschritt, liegen das Team Expert Reng sowie IronTrizone mit Leuten aus der Triathlon-Szene wie Sebastian Neff oder Sebastian Bauer. Bei den Damen führte die Kreissparkasse knapp vor dem Keldorado-Quintett sowie Glas Weber, alle Teams besetzt mit Lokalmatadorinnen. Im Einzel der Frauen ist Sabine Hössle vorne, gefolgt von RSC-Bikerin Gabi Wittleben und Anne Biernat. Im erstmals eingeführten Mixed-Feld fährt die Raiffeisenbank Bad Gögging voraus. Unberührt davon strampelt die SchiKEHria im bayerischen Outfit durch die Wolken verhangene Landschaft. „Hauptsache gesund wieder zurück in die Wechselzone kommen“, sagt Johann Kleindl nach seiner ersten Ausfahrt. Die ATSV-Handballer mit ihren Kinderrädern halten sich passabel – „unser erster Fahrer ist unter einer Stunde geblieben“, erklärt Mitstreiter Matthias Prudil, Coach der Kelheimer Handballer.
Samstag, 14.52 Uhr
Wie auf Kommando begann es aus Kübeln zu schütten, als um 14 Uhr das Rennen durch Landrat Dr. Hubert Faltermeier und Bürgermeister Fritz Mathes gestartet wurde. Die Böllerschützen aus Bad Gögging schickten die Teilnehmer auf die Strecke. „Total demotivierend“, sagte Nicole Tröger vom Team der Kelheimer Schifffahrt zum Regenguss, lächelte aber dabei. „Uns Radsportlern ist das wurscht“, war ein Crack aus Burglengenfeld anderer Meinung. Beim ersten Anstieg rauf zum Col de Stausacker wurde ein Bergsprint ausgetragen, der Sieger hieß Mathias Flunger vom Löffler-Team: „Auf den letzten 50 Metern habe ich angezogen, davor hatte ich mich rausgehalten.“ Bei den Damen gewann Lokalmatadorin Martina Stoiber von der Keldorado-Truppe. Nach 23:30 Minuten preschten die ersten Fahrer bereits zum ersten Wechsel durch das Zelt am Ludwigsplatz, wo Hunderte Fans wie beim Start die Teilnehmer anfeuerten. Vorne lagen die Favoriten wie die Lowriders aus Kelheim oder das Löffler-Team, und auch Vorjahres-Einzelsieger Thomas Ratschob. Besonderen Applaus bekam der 82-jährige Artur Kink: Der Kult-Solist brauchte eine knappe dreiviertel Stunde. „Nass ist’s draußen, sehr nass“, sagten Fahrer wie Toni Böhm von der Equipe Goldberg-Klinik, „aber jeder fährt vorsichtig.“ Mittlerweile hat der Regen nachgelassen. Die Pedaleure drehen ihre Runden. Fast eine der 24 Stunden ist bald geschafft. Moderator Armin Wolf: „Das ist ja schön ein Stückchen.“
Samstag, 13.31 Uhr
Noch eine knappe halbe Stunde bis zum Start. Es herrscht bestes April-Wetter: Sonne und dunkle Wolken teilen sich den Himmel, noch ist es trocken. Veranstalter RSC Kelheim hat die Anmeldezahlen am Mittag aktualisiert. Insgesamt 171 Teams und 157 Einzelfahrer werden mit dabei sein. Bei den Mannschaften zählt die Mehrzahl zu den Herren-Equipen (120), es fahren aber auch Senioren- (18), Damen- (6) und erstmals auch Mixed-Teams (27) mit. Maximal fünf Starter dürfen in einer Truppe mitstrampeln.
Wer das Rennen nicht kennt, dem sei kurz der Modus erklärt: Eine Rundstrecke von 17,2 Kilometern ist innerhalb der 24 Stunden so oft wie möglich zu bewältigen. Aus jeder Mannschaft ist stets ein Fahrer unterwegs, wechseln darf man nach jeder Schleife. Die Solisten sind auf sich alleine gestellt. Natürlich dürfen sie Pausen einlegen, aber hart gesottene Pedaleure wie Vorjahressieger Thomas Ratschob (47 Runden schaffte er) strampeln durch.
Dreh- und Angelpunkt des Sportereignisses ist der Kelheimer Ludwigsplatz, wo ein riesiges Zelt aufgebaut ist. Dort fahren die Aktiven nach jeder Schleife (zum Wechseln) ein. Den Start hat man vor die Tore der Stadt hinaus verlegt, weil die Masse nicht durchs Nadelöhr Mittertor käme. Nach der ersten Runde dürfen die Teilnehmer ins Herz der Stadt rein. Beim ersten Anstieg zum Stausackerer Berg (Col de Stausacker) ist ein Prämiensprint ausgelobt. Der Sieger bei Damen und Herren erhält 100 Euro.
Nun wollen wir uns aufmachen zum Start, wo der Landrat, der Kelheimer Bürgermeister, Böllerschützen sowie ein „chinesischer Löwe“ warten. Die Fahrer reihen sich langsam ein, das Spektakel kann beginnen. Und gerade beginnt es zu schütten...