Wer hütet das Tor?
Bekommt Daniel Klewer seine Chance?
Seit Mittwochmorgen befindet sich der 1. FC Nürnberg in einem Kurztrainingslager im ostwestfälischen Marienfeld. In dem ehemaligen Fifa-WM-Quartier Sporthotel Klosterpforte bereitet sich die Mannschaft von Trainer Thomas von Heesen auf die Partie am Samstag bei Hannover 96 (15.30 Uhr, AWD-Arena) vor. Das Positive an dem Gegner: In den letzten sechs Pflichtspielen holte der Club gegen Hannover drei Siege und drei Remis.
Das besondere an dem Sporthotel wiederum ist dessen jüngste Geschichte. Erst in der vergangenen Woche hat dort Rudi Bommer, Trainer des MSV Duisburg, eine Kerze gegen den Abstieg angezündet. „Ich glaube zwar an Gott und bin Katholik“, erklärt von Heesen, „aber so eine Aktion gehört für mich nicht in die Öffentlichkeit.“
Über Themen, die zuschauerträchtig diskutiert werden, verfügt der 46-Jährige ausreichend. Angefangen bei seiner persönlichen Bilanz (kein Sieg als Cheftrainer des FCN), fortgeführt mit der Ausbeute des Club in der Rückrunde (zwei Punkte aus vier Partien) und vorerst weitergeführt mit einer Personalie namens Jaromir Blazek.
Die Formkurve des Torwarts fand ihren Tiefpunkt beim 1:1 (0:0) gegen den FC Energie Cottbus, als der Tscheche von den Fans ausgepfiffen, lautstark mit seinem Ersatzmann Daniel Klewer konfrontiert wurde und sich einer abfälligen Geste den Zuschauern gegenüber nicht enthielt.
Von Heesen hat die Tage in Marienfeld bisher genutzt, um Einzelgespräche mit seinen Spielern zu führen. Bereits einen Tag vor der Abreise musste Blazek, der sich via FCN-Homepage bei den Fans entschuldigte, zum Rapport antreten. „Ich habe ihm meinen Standpunkt klargemacht“, sagt von Heesen. „Er war in Tschechien ein großer Torwart, jetzt muss er damit umgehen können, in der Kritik zu stehen.“
Von Heesen wird sich vermutlich erst am heutigen Abend für oder gegen Blazek aussprechen. Die Tendenz geht jedoch in Richtung des 35-Jährigen. „Wir lassen Spieler nie von Fans aufstellen“, meint Sportdirektor Martin Bader, der Blazek zusammen mit Ex-Trainer Hans Meyer im Sommer für 450000 Euro von Sparta Prag verpflichtete. „Jaromir hat es selbst in der Hand.“
Ein in den Übungseinheiten überzeugender Blazek könnte sich nun in Hannover leichter in der Mannschaft etablieren als es vor dem eigenen Publikum derzeit möglich wäre.
Und nachdem Zvjezdan Misimovic und Robert Vittek wieder ins Mannschaftstraining zurückgekehrt sind und als Joker für die Begegnung gegen Hannover gelten, kann Blazek mit der gesamten Club-Elf auch auf Entlastung in der Offensive hoffen.


