Lutz läuft raus aus ihrem Gala-Tunnel
Hindernisläuferin besiegt Komplex und durchbricht Schallmauer. Pflieger und Weitzel überzeugen, Harrer hadert.
Zum ersten Mal die Hürde der Zehn-Minuten-Schallmauer übersprungen – und das zuhause in Regensburg. Susi Lutz war überglücklich. Foto: Kiefner
REGENSBURG.
Susi Lutz hüpfte aufs Siegerpodest. Susi Lutz reckte die Arme in die Höhe. Susi Lutz lachte. Schlicht: Susi Lutz war bestens gelaunt, obwohl das Heimrennen gerade erst gelaufen war. In der Fremde, vornehmlich im litauischen Kaunas, wo sie auf ihrer Spezialstrecke 3000 Meter Hindernis EM-Medaillen im Nachwuchs U 23 und U 20 geholt hatte, lief es oft klasse. Aber das Regensburger Universitätsstadion sorgte für einen Heimkomplex. Immer, bis zum Samstag: „Diesmal hatte ich keinen Tunnelblick. Ich habe alles um mich herum aufgenommen“, sagte Susi Lutz.
Eine böse Erkältung sorgte für einen wenig erbaulichen Saisonstart – und das änderte sich ausgerechnet bei der Gala. Während Siegerin Verena Dreier haderte, dass ihr ein bisschen mehr als zwei Sekunden zur EM-Norm fehlten, lag das jahrelange Aushängeschild der LG Telis Finanz Regensburg Susi Lutz noch ein wenig knapper unter der Schallmauer, der sie lange hinterhergelaufen war. 9:58,48 Minuten – die erste Zeit unter den magischen zehn Minuten. „Jetzt ist sie Ersatzfrau für die Team-EM in Bergen“, freute sich Trainer Kurt Ring.
Vielleicht kann sie die Reise ja wieder einmal mit ihrem Freund Philipp Pflieger unternehmen. Auch ihm gelang in 13:52,41 Minuten Bestzeit, aber eben nicht die angestrebte 13:45. „Die Zeit ist nicht so überragend, wie ich das gerne gehabt hätte“, kommentierte der Schwabe sein wegen der Hitze eigens auf nach 21 Uhr verlegtes Rennen, in dem Ring vergeblich versuchte den als Tempomacher vorgesehenen Äthiopier Adihana einzubremsen. Der Afrikaner, der in 13:38,87 auch gewann, rauschte so schnell vorneweg, dass Pflieger zwischendrin die Puste ausging. „Ich bin aber glücklich, dass ich mich zurückgekämpft habe und mir ein Comeback im Rennen gelang.“
Kein Comeback, sondern einen Aufstieg sondersgleichen legte Weitspringerin Michelle Weitzel 2010 hin: Mit der Hallen-DM-Weite von 6,50 Metern katapultierte sie sich schon im Winter in Regionen, in die sie sich eigentlich im Sommer hatte tasten wollen. Sogar das Thema EM-Qualifikation geistert da sofort durch die Gegend. Doch Steffi Pietsch, die Trainerin, bremst: „Es gibt so viele gute Springerinnen in Deutschland, dass man wohl 6,70 braucht, um dabei zu sein. Und das kann Michelle noch nicht.“



