Der Champagner muss noch ein wenig warten
1. EV Weiden geht seinen Aufstieg in die Oberliga Süd nach langer Überlegung betont nüchtern an.
Die Schampusflasche blieb im Hintergrund: „Blue Devils“-Vorsitzender Thomas Siller (2. von links), Schatzmeisterin Alexandra Schröpf, Pressesprecher Thomas Gajewski und 2. Vorsitzender Tobias Hacker (von links)Foto: Willfurth
WEIDEN.
Hinter dem Vorstandsquartett des 1. EV Weiden stand eine geöffnete Champagnerflasche – aber nur als aufgemalte Dekoration im Saal des Hotels „Zur Heimat“. Auf den Tischen bei der Pressekonferenz zu den Folgen des Vizemeistertitels in der Eishockey-Bayernliga dominierten hingegen Wasser und Apfelsaft. Ein Symbol dafür, dass die „Blue Devils“ ihren Aufstieg in die dritthöchste deutsche Spielklasse eher nüchtern angehen wollen.
Gebranntes Kind scheut Euphorie
Der EV Weiden ist wie viele Eishockeyvereine im Land ein gebranntes Kind. 2008 zogen sich die „Blauen Teufel“ aus der Oberliga zurück, nachdem der Verein finanziell am Abgrund stand. Nach und nach rappelte man sich wieder auf, sanierte die Finanzen und arbeitete sich wieder nach oben. „Ein absoluter Kraftakt“, sagte der seit Oktober amtierende Vorsitzende Thomas Siller. Die Krönung war zum Abschluss der Saison der Vizetitel in der Bayernliga, der zum Aufstieg in die Oberliga berechtigt – nach einem bestechenden Finale „in Paradeform“.
Aber konnte man diesen Schritt wagen, ohne gleich wieder aufs finanzielle Glatteis zu geraten? Die Vereinsführung überlegte drei Wochen lang – und entschied sich schließlich, das Abenteuer Aufstieg anzupacken. „Das letzte Wort ist aber erst gestern gefallen“, sagte Siller am Donnerstag. „Nach langen Diskussionen, Überlegungen, Kalkulationen“. Aufstiegseuphorie sieht anders aus.
Schließlich aber ließen sich die Vorständler davon überzeugen, dass das Risiko Oberliga einigermaßen kalkulierbar ist. Sie verlassen sich dabei auf mehrere Trümpfe: Da ist zum einen die treue Anhängerschaft der „Blue Devils“. Rund 1400 Zuschauer strömten im Schnitt in der vergangenen Saison ins Weidener Eisstadion. Man habe mit dem gleichen Schnitt für die neue Saison kalkuliert, sagte Schatzmeisterin Alexandra Schröpf – obwohl, und das ist der zweite Trumpf der Oberliga, nun zwei attraktive Derbys anstehen: Der EV Weiden spielt ab Herbst in einer Klasse mit dem EV Regensburg und dem VER Selb, dazu kommen Duelle mit Deggendorf und Passau. Um den von 400000 auf 500000 Euro erhöhten Saison-Etat stemmen zu können, wird man auch die Eintrittspreise moderat anheben.

