Dem SSV Jahn steht das Wasser bis zum Hals
Drittligist benötigt von außen dringend finanzielle Überbrückungs-Hilfe. Ausgliederung der Leistungsmannschaften erst zur neuen Saison möglich
Jahn-Präsident Franz Nerb schließt momentan eine Insolvenz kategorisch aus – doch wie lange noch? Foto: Lex
Von Heinz Reichenwallner, MZ
Es bleibt abzuwarten, zu welchem Ergebnis die Runde der Investoren und Sponsoren gestern Abend kam, die auf Einladung der Führung des SSV Jahn Regensburg über Gegenwart und Zukunft des Fußball-Drittligisten informiert wurde. Mit Sicherheit ist dabei aufs Tableau gekommen, dass dem Verein wieder einmal schwere Zeiten ins Haus stehen und er deshalb dringend von außen finanzielle Hilfe zur Überbrückung benötigt.
Ungeachtet der aktuellen Probleme wird wohl auch die Frage auf dem Programm gestanden haben, für welche Liga der Verein für die Saison 2009/2010 melden soll (wird)? Gilt es doch, bereits Weichenstellung zu betreiben, nachdem der Stichtag im Lizenzierungsverfahren für die dritte Liga am 2. März ist.
Neu für den Großteil der Versammelten dürfte die Mitteilung gewesen sein, dass die Ausgliederung der drei Leistungsmannschaften (Drittliga-Profis, U23, Bundesliga-A-Junioren; die Red.) in eine Kapitalgesellschaft nach den Statuten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erst fürs neue Spieljahr und nicht jetzt – mitten in der Saison – erfolgen kann. „Das ist sicherlich ein Rückschlag in unseren Planungen“, sagte Franz Nerb dazu. Angesichts des Themenkatalogs und der prekären wirtschaftlichen Lage des Vereins hoffte gestern jedenfalls der Präsident auf „ein ehrliches Wort“ aus der Runde. „Man muss jetzt wissen, wer bereit ist, dem Jahn zu helfen. Auch von der Stadt muss da was kommen.“
Was seine Rolle für den Abend betraf, sah sich Nerb dahin gehend in der Pflicht, „dass von mir ein schonungsloser Bericht darüber kommt, was derzeit Sache im und um den Verein ist“. In dem Zusammenhang verhehlt er nicht, dass er immer mehr die Lust an seinem Amt verlieren würde. Auch deshalb, weil er sich inzwischen gänzlich als Einzelkämpfer sehe. „Ich trage die Verantwortung, sorge aber auch für die Sponsoren, die sich zu 90 Prozent aus auswärtigen Firmen rekrutieren. Und die machen nur etwas für den Verein, weil sie mit mir in Geschäftsverbindung stehen.“ Dass sich jetzt auch noch die Stadt weigert, eine DFB-Forderung über zusätzliche 860Tribünensitze für die neue Saison zu erfüllen und dafür den Jahn in der finanziellen Pflicht sieht, verstärkte Nerbs Unmut. „So etwas nimmt einem gänzlich die Freude an der Arbeit für den Verein, der mit viel zu vielen Stolpersteinen zu kämpfen hat.“



