Die Brüder Tobias (l.) und Bastian Schweinsteiger spielen künftig beide beim FC Bayern.
München.
Für Tobias Schweinsteiger gab das Privatleben den Ausschlag: Zum Saisonende verlässt er den Regensburger Drittligisten SSV Jahn und geht zum FC Bayern München. Dort verstärkt er die Regionalliga-Mannschaft. Das Medieninteresse war groß, als er seine Entscheidung am Montag bei einer Pressekonferenz begründete. „Ich habe lange mit dem Entschluss gerungen. Aber die Nähe zu Rosenheim war letztlich ausschlaggebend. Meine Freundin wohnt dort, ich baue dort ein Haus. Und ich bin heimatverbunden“, sagte der gebürtige Rosenheimer.
Der FC Bayern sei bereits im Spätherbst auf Schweinsteiger zugekommen. In der 2. Mannschaft des Rekordmeisters soll der ältere Bruder von Nationalspieler Bastian Schweinsteiger eine Art Führungsrolle für die jungen Spieler übernehmen. Er wechselt ablösefrei.
Schweinsteiger versteht die Reaktionen der enttäuschten Fans
Dass einige Jahn-Fans im Internet nun ihren Unmut über seinen Schritt äußern, findet der Regensburger Sportler des Jahres 2011 „schade“ und fügt hinzu: „Natürlich kann ich verstehen, dass nicht alle juhu schreien, wenn der Kapitän geht. Aber von einem Wortbruch kann keine Rede sein.“ Die Kritik geht zurück auf Schweinsteigers Aussage in der Hinrunde, er mache eine Vertragsverlängerung beim SSV Jahn von der Zukunft des Trainers abhängig.
„Ich habe nie gesagt, wenn Markus Weinzierl bleibt, bleibe ich auch. Ich habe das nur als eine der Grundvoraussetzungen genannt“, unterstrich Schweinsteiger, der sich durch die Bayern-Offerte nach eigenen Worten geschmeichelt fühlt: „Wenn Leute wie Butt, Scholl, Michael Tarnat (Bayern-Jugendscout/d. Red.) oder Christian Nerlinger (Bayern-Sportdirektor/d. Red.) auf einen zukommen, ist das natürlich eine große Ehre.“
Tobias Schweinsteiger (l.) verlässt den SSV Jahn zum Saisonende. (Foto: Lex)
Schweinsteiger-Brüder beim FC Bayern vereint
Der 30-Jährige wollte sich am Montag nicht festlegen, jedoch wartet auf ihn wohl auch nach seiner aktiven Karriere ein Job bei den Bayern. Die Schweinsteiger-Brüder rücken damit nicht nur räumlich näher zusammen. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis“, sagt Bastian über seinen Bruder, „wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können.“
Zuletzt wurden sie auch immer öfter gemeinsam bei den Bayern-Basketballern gesehen. Und es ist wahrscheinlich, dass der Kontakt demnächst noch intensiver wird, wenn Tobias ab Sommer die U23 des deutschen Rekordmeisters verstärkt. Es soll nicht die letzte namhafte Verstärkung im neuen Team von Trainer Mehmet Scholl sein.
Schweinsteiger trifft Schweinsteiger: Die Familienzusammenführung nach all den Jahren der Distanz ist perfekt. Ein Brüderpaar an der Säbener Straße – das gab es seit Nico und Robert Kovac (2001) nicht mehr beim FC Bayern. In den 80er-Jahren spielten bereits die Rummenigges gemeinsam beim FC Bayern. Nun also die Schweinsteigers. Tobias Schweinsteiger, der ein Fernstudium in Sportmanagement erfolgreich abgeschlossen hat, will das nicht überbewerten. Der Nachrichtenagentur dapd sagte er: „Wir sind zwar ab Sommer im selben Verein, aber spielen dennoch in unterschiedlichen Mannschaften. Aber wir werden uns jetzt natürlich wieder öfter über den Weg laufen.“
Wechsel zum FC Bayern eine „interessante Aufgabe“
Wie groß war der Einfluss von Bastian Schweinsteiger auf diesen Wechsel? Tobias lacht: „Basti hat Jörg Butt (künftiger Jugend-Boss beim FC Bayern, d. Red.) meine Handynummer gegeben. Das war alles.“ Die beiden Schweinsteigers haben übrigens schon einmal gemeinsam in einer Mannschaft gespielt – in der C-Jugend des TSV 1860 Rosenheim. Es ist durchaus vorstellbar, dass es im Trikot des FC Bayern nun eine Neuauflage bei den zahlreichen Freundschaftsspielen des Rekordmeisters geben könnte.
Tobias, der mit Jahn Regensburg trotz des 0:1 in Saarbrücken immer noch um den Aufstieg in die Zweite Liga spielt, freut sich auf seinen Wechsel zum FC Bayern: „Für mich ist das eine sehr interessante Aufgabe, die jungen Spieler auf ihrem Weg zu unterstützen, ihnen zu helfen und die U23 wieder in die 3. Liga zu bringen. Der FC Bayern will aus überwiegend bayerischen Talenten und erfahrenen Spielern eine Mannschaft aufbauen. Ich denke, dass ich da ganz gut reinpasse.“
Für den FC Bayern ist der pfeilschnelle Schweinsteiger ein absoluter Glücksgriff, schließlich gehört der begehrte Angreifer zu den besten Spielern der Dritten Liga. Seine Erfahrung und seine Tore – mit 38 Treffern führt der Rosenheimer die Ewige Torschützenliste der Dritten Liga an – sollen helfen, dass die zweite Mannschaft des deutschen Rekordmeisters nächstes Jahr wieder in die Dritte Liga aufsteigt. Aktuell hat Schweinsteiger zwölf Saisontreffer auf seinem Konto.