Von Heinz Reichenwallner, MZ
REGENSBURG.
Es gibt Fußball-Spiele, die sind perfekt auf den Anlass zugeschnitten. Laut Statistik ist die Heimpartie des SSV Jahn gegen den Chemnitzer FC am Samstag (14 Uhr) ein Jubiläumsspiel, der 150. Auftritt der Regensburger in der dritten Liga. Passend dazu sollte der Rahmen mit vielen Zuschauern stimmen – auch weil die Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl einen Grund zum Feiern liefern kann. Von der Konstellation verspricht die Begegnung Spannung total: Der Vierte empfängt den Dritten.
Im günstigsten Fall könnte der Jahn (Punkte 54/Tordifferenz +12) die Sachsen (55/+10) überholen und sich auf den Tabellenrang drei setzen, der am Ende zwei Relegationsspiele und die Aufstiegschance gegen den Drittletzten der 2. Liga bringt. Dasselbe Ziel hat aber auch der punktgleiche Fünfte Wacker Burghausen (54/+10), der es im Heimspiel gegen den Siebten, die Kickers aus Offenbach (52/+ 9), mit einem Team zu tun hat, das sich ebenfalls noch Chancen ausrechnet. Das Rennen um Platz drei ist zu einem Fünfkampf geworden, in dem der Sechste, der 1. FC Heidenheim (53./+8), drei Runden vor Schluss in Saarbrücken an den Start geht.
Der abgewickelte 35. Spieltag der 3.Liga hatte dem Jahn zwei Steilvorlagen beschert: Heidenheim gegen Burghausen 1:1, Chemnitz gegen Wehen-Wiesbaden 1:1 – die engsten Mitbewerber im Kampf um Platz drei patzten einträchtig, während sich die Regensburger mit ihrem Dreier in Unterhaching (3:2) eine wunderbare Gelegenheit erspielten, um doch noch in die Aufstiegszone zurückzukehren.
Vergleichbares am 17. Mai 2003
Diese historisch zu nennende Chance gab es zuletzt am 17.Mai 2003, als der Jahn drei Spieltage vor Ende der Regionalligasaison mit dem 1:0 über den FC Augsburg (Torschütze Andras Tölcseres) die Weichen zum Zweitligaaufstieg stellte, der eine Woche später in Saarbrücken (2:1) perfekt wurde.
„Wir haben es in der eigenen Hand, den dritten Platz zu erreichen“, sagt Weinzierl. Seine Botschaft an das Team lautet: „Es muss alles dafür getan werden.“ Noch ist offen, ob Keeper Michael Hofmann (Schulterverletzung) und Kapitän Tobias Schweinsteiger (Schlag auf das operierte Sprunggelenk) ihre Blessuren aus dem Haching-Spiel bis Samstag auskuriert haben. Derweil lässt man sich in Chemnitz nicht beirren, obwohl der FC aus den letzten drei Spielen nur zwei Punkten geholt hat. „Wir spielen als Aufsteiger kurz vor Schluss weiter vorn mit, wir können aus eigener Kraft den Aufstieg schaffen“, spricht Trainer Gerd Schädlich laut Fußball-Fachmagazin „kicker“ seinem CFC Mut zu, in dessen Reihen mit Carsten Sträßer und Florian Hörnig zwei Ex-Jahnspieler stehen.
Optimismus auch anderswo
Optimistisch gibt man sich auch Burghausen. Das 1:1 in Heidenheim war zwar das 18. Unentschieden dieser Saison für die Mannschaft von Coach Reinhard Stumpf, trotzdem empfanden es die Oberbayern nicht als Rückschlag. Kein Wunder, nachdem sie bei ihren bisherigen zwei Auftritten dort sechs und vier Gegentore kassiert hatten. Die Hoffnung auf den Aufstieg ist auch in Heidenheim da. „Es ist für uns alles drin“, lautet die Parole bei den Baden-Württembergern, die im Saisonfinish wohl auf Ex-Bundesligaprofi Michael Thurk (Muskelfaserriss) verzichten müssen. Dafür steht ihnen wieder Stürmer Marco Sailer zur Verfügung, bei dessen Fleischwunde am Oberschenkel inzwischen die Fäden gezogen wurden. Zwei Siege hintereinander (3:1 in Regensburg, 2:0 gegen Erfurt) machen auch für Offenbach den dritten Platz möglich. Doch ebenso wie Burghausen und Heidenheim müssen die Hessen auf einen Ausrutscher der Mitbewerber hoffen und selbst ihre Spiele gewinnen.
Der SSV Jahn seinerseits hat die in Oberhausen und zuhause gegen Jena (H) zu bestehen: Beides Gegner, die in der Abstiegszone rangieren. Lösbar schiene auch die Aufgabe gegen den Zweitliga-Drittletzten. Seit Wiedereinführung der Relegation vor drei Jahren durfte immer der Drittligist jubeln: Dresden 2011 gegen Osnabrück (1:1, 3:1 n. Verl.) ebenso wie Ingolstadt 2010 gegen Rostock (1:0, 2:0) und Paderborn 2009 gegen Osnabrück (1:0, 1:0). Also, auf geht’s Jahn, nachmachen!