„Eine Stadt, ein Team, ein Traum“ steht auf den T-Shirts der Jahn-Spieler vom Tobias Schweinsteiger. (Foto: Nickl)
Regensburg.
Fußball-Drittligist SSV Jahn Regensburg hat es geschafft: Das 1:1 (1:0) gegen Absteiger Carl-Zeiss Jena durch den Treffer von Tobias Schweinsteiger (40.) und den Ausgleich von Danko Boskovic (56.) bringt das Team von Trainer Markus Wenzierl in die beiden Aufstiegsspiele gegen den Drittletzten der 2. Bundesliga. Das Jahn-Heimspiel steht dabei am Freitag, den 11. Mai um 20.30 Uhr an der Prüfeninger Straße an. Doch sollte es der SSV Jahn in die 2. Liga schaffen, muss er dort womöglich ohne Trainer Weinzierl auskommen. Nachdem Jos Luhukay den FC Augsburg verlässt, wird ein Wechsel des Jahn-Coaches zu den Schwaben immer wahrscheinlicher.
Doch beim Spiel gegen Jena galt erst einmal: Alles ausblenden, volle Konzentration! Vor dem Spiel verabschiedete der SSV Jahn Tobias Schweinsteiger, Jürgen Schmid, Christian Bickel, Stefan Binder und Ronny Philp aus ihren Drittliga-Diensten. Dann sollte im letzten Heimspiel der regulären Punkterunde gegen Jena der nötige Punkt geholt werden, um sich selbst die Chance auf die Aufstiegsrelegation zur 2. Bundesliga zu eröffnen. Der zuletzt gesperrte Kapitän Schweinsteiger stand dazu wieder in der Anfangsformation von Trainer Markus Weinzierl, in der Stefan Binder für den verletzten Philp auf links verteidigte und Sebastian Nachreiner dafür nach rechts rückte.
Rund 7600 Zuschauer verfolgten Spiel im Jahn-Stadion
Beide Teams begannen vor den 7624 Zuschauern abwartend. Ab Minute zehn nahm das Spiel Fahrt auf. Jim-Patrick Müller und Selcuk Alibaz spielten Schweinsteiger frei – der verzog. Quasi im Gegenzug wurde Jenas Nils Pichinot erst geblockt – und scheiterte im zweiten Versuch am stark reagierenden Jahn-Keeper Michael Hofmann. Die nächste Jahn-Gelegenheit hatte Mario Neunaber (15.), danach warf sich Andre Laurito in einen Jenaer Schuss, musste an der Seitenlinie behandelt werden und in der 24. Minute sogar vom Feld gehen. Für ihn kam Tim Erfen und übernahm die rechte Abwehrseite, während Sebastian Nachreiner in die Innenverteidigung rückte.
Lange Schlagen vor den Ticketschaltern: Die ersten Fans sichern sich schon Karten für die Relegationsspiele!
Derweil wahrte Heidenheim mit dem 1:0 bei Spitzenreiter Sandhausen seine Chance, die drei Zähler Rückstand auf den SSV Jahn doch noch wettzumachen. Thomas Kurz hätte die Angelegenheit für die Regensburger ruhiger gestalten können, freigespielt von Jim-Patrick Müller zielte er aber über das Tor (25.). Und Heidenheim tat dem Jahn im Fernduell den Gefallen und kassierte den Ausgleich.
Gerne aber hätte das Weinzierl-Team sein Schicksal noch aktiver selbst in die Hand gestaltet. Das tat Tobias Schweinsteiger dann auch: Torhüter Tino Berbig missglückte sein Ausflug, der Jahn-Kapitän umspielte Jenas Kapitän und schob den Ball in der 40. Minute zum ersehnten 1:0 und seinem 14. Saisontreffer ins Tor. Das war keine leichte Übung, sondern richtig gut gemacht vom Regensburger. Und Heidenheim ließ nicht locker und erzielte das 2:1 in Sandhausen. Doch das war beim Zwischenstand in Regensburg ja auch egal. Auch dass Tim Erfen nach einem Zusammenprall liegen blieb, relativierte sich: Erfen konnte weitermachen.
Und der SSV Jahn versuchte ebenfalls weiterzumachen und die Entscheidung zu suchen. Tobias Schlauderer zwang nach einer Freistoßflanke Gästeschlussmann Berbig zu einer Glanztat (46.). Engagiert ging Markus Weinzierl, der beim FC Augsburg immer heftiger als Erstligatrainer im Gespräch ist, zu Werke und trieb sein Team an der Seitenlinie zur Entscheidung. Es kam anders: Stattdessen aber nützte Danko Boskovic eine Jahn-Schwäche in der Hintermannschaft zum Ausgleich in der 56. Minute.
SSV Jahn zeigt Nerven
Sollte Jena, das in der 3. Liga nie in Regensburg verlor, auch das vierte Gastspiel in der Oberpfalz unbeschadet überstehen? Der SSV Jahn zeigte Nerven – und Jim-Patrick Müller handelte sich die fünfte gelbe Karte ein (59.), die eine Sperre im ersten Relegationsspiel nach sich zieht.
Jubel nach dem 1:0 (Foto: Nickl)
Jetzt gab es – ab der 65. Minute – auf dem Feld nur noch beidseitiges Ballgeschiebe. Jena reichte das 1:1 angesichts des 0:3-Zwischanstands von Oberhausen in Erfurt, um Rang 18 zu erreichen und so als Drittletzter bei Lizenzentzug für einen Klub doch noch auf den Ligaerhalt hoffen zu können. Und auch dem SSV Jahn genügte das Remis ja für Rang drei. Das Publikum nahm es seinem Team nicht einmal arg übel und bejubelte zwischenzeitlich sogar jeden Jenaer Ballkontakt.
Auf dem Platz tat sich nichts, aber auch gar nichts mehr. Lediglich die Einwechslung von Romain Dedola für Alibaz riss noch einmal aus der Lethargie. Und Stefan Binder wurde beklatscht, als eine Minute vor Ende Philipp Ziereis für ihn kam. Dann kam der erlösende Schlusspfiff von Schiedsrichter Patrick Ittrich. Der SSV Jahn hatte sich Platz drei in der 3. Liga gesichert – auch wenn es wahrlich keine Ruhmestat gewesen war.
Zeichen für einen Wechsel von Weinzierl verdichten sich
Die Relegationsspiele könnten auch die letzten Auftritte für Erfolgstrainer Markus Weinzierl für den Jahn sein. Nach dem Rücktritt von Jos Luhukay in Augsburg wird ein Wechsel immer wahrscheinlicher. Der ehemalige Bayern-Profi Weinzierl könnte beim Bundesligisten FC Augsburg zur kommenden Saison dessen Nachfolge antreten, was in Regensburg am Wochenende ein mittleres Erdbeben ausgelöst hat.
„Wir waren völlig überrascht, wir wussten von nichts. Das war für uns ein echter Hammer, der zum ungünstigsten Zeitpunkt kam“, sagte Regensburgs Sportchef Franz Gerber am Samstag dem Bayrischen Rundfunk. Der frühere Profi ist richtig sauer auf die Schwaben: „Es ist schade, dass uns eine Indiskretion in Augsburg jetzt das Leben so schwer macht.“
Gerber geht fest davon aus, dass Weinzierl zum FCA wechselt. „Er hat mich über den Stand der Dinge informiert. Er hat bestätigt, dass er Kontakt mit Augsburg hat, aber auch versichert, dass noch nichts unterschrieben ist. Wir müssen aber damit rechnen, dass er uns verlässt.“
Weinzierl selbst sprach nach dem Abpfiff durch die Blume. „Natürlich würde ich gerne in der ersten Liga trainieren. Wenn eine solche Anfrage kommt, ist das auch ein Kompliment für die Mannschaft“, sagte der Jahn-Coach, der sich ebenso wie seine Spieler ein knallrotes T-Shirt überstreifte. Darauf stand: „Eine Stadt, ein Team, ein Traum.“
Karten für die Relegationsspiele gibt es im Vorverkauf Montag, Dienstag (jeweils 9 bis 17 Uhr), Mittwoch (9 bis 20 Uhr) und Donnerstag (9 bis 17 Uhr) auf der Geschäftsstelle. Zum Relegations-Hinspiel am Freitag (11. Mai, Anstoß 20.30 Uhr) wären die Stadionkassen schon ab 17 Uhr geöffnet.