Der Jahn zählt auf die Unterstützung seiner Fans. (Foto: Nickl)
Von Heinz Reichenwallner, mZ
Regensburg. Das Flutlicht wird brennen, die Fans kommen mit heißem Herzen – Partylaune im Jahn-Stadion. Vor ausverkauftem Haus bestreitet der Regensburger Fußball-Drittligist am Freitagabend (20.30 Uhr/Bayerisches Fernsehen) gegen den Karlsruher SC vor eigenem Publikum das Hinspiel in der Relegation zur 2. Liga.
Die Jahn-Fans unter den knapp 11.000 Zuschauern wollen den Jahn, Dritter der 3. Liga, gegen den KSC, Tabellen-16. der 2. Liga, zum Sieg tragen. Leidenschaft, einhundert Prozent Einsatz und bedingungsloser Kampf um jeden Ball; das ist es, was die Anhänger Fans jetzt von ihrem Team erwarten.
„Wir werden alles geben“, versprach demnach auch Trainer Markus Weinzierl, bevor er mit seiner Mannschaft am Donnerstagnachmittag zur Klausur ins niederbayerische Bad Gögging aufbrach. Dort wollte man bis zum Spiel in aller Ruhe die Konzentration hochhalten. „Wir werden uns professionell auf das Match vorbereiten“, begründete Weinzierl die Maßnahme.
Lob für die Jahn-Elf
Vor dem besonderen Spiel, bei dem es um die Krönung der Saison geht, war es dem Jahn-Coach ein Bedürfnis, erst einmal die gebrachte Leistung seiner Truppe zu würdigen. „Wenn man nach 38 Saisonspielen die Relegation zur zweiten Bundesliga erreicht, dann ist das allemal verdient“, fasste der 37-jährige Fußballlehrer schon mal das Erreichte zusammen, wenngleich der wichtigste Teil der Arbeit noch bevorsteht. „Die Mannschaft verdient zum jetzigen Zeitpunkt schon ein Riesenlob. Was sie geleistet hat, ist sensationell und ein Traum.“ Und jetzt arbeite man ganz fest an dem Wunder Aufstieg, sagte Weinzierl und setzte hinzu: „Wir haben allen Widrigkeiten getrotzt, sind zurückgekommen, obwohl man uns nach dem 1:3 gegen Offenbach und Rang sechs am 34.Spieltag schon abgeschrieben hatte.“
Nach dieser Partie hatten sich die Regensburger zusammengesetzt. Es habe damals eine heftige Aussprache zwischen Trainer und Mannschaft stattgefunden, verrät Weinzierl. „Danach haben wir uns alle gesagt, Kräfte bündeln und jetzt erst recht.“ Die Folgen waren: drei Siege und ein Unentschieden aus den letzten vier Saisonspielen und Rang drei. Das hat den Mut beim Jahn gestärkt. Jetzt, in der entscheidenden Phase wirken die Regensburger gefestigt. Das Team ist entschlossen, seine Aufstiegschance zu nutzen. Der Coach blickt der Partie optimistisch entgegen, obwohl er seine Mannschaft gegen den Zweitligisten, den er und Co-Trainer Wolfgang Beller intensiv beobachteten, als klaren Außenseiter sieht. „Der KSC hat sich unter seinem neuen Trainer Markus Kauczinski stabilisiert und besitzt auch mehr Möglichkeit in seinem Kader als wir.“
Personalsorgen beim Jahn
Dennoch ist Weinzierl überzeugt, etwas reißen zu können: „Wir wissen um unsere Stärken, in zwei Relegationsspielen ist alles möglich.“ Allerdings plagen ihn Personalsorgen. Sicher ist, dass er durch den Ausfall des gelbgesperrten Jimmy Müller und des verletzten Ronny Philp, der am Donnerstag am Knie operiert wurde, ausgerechnet die rechte „Schokoladenseite“ neu zu besetzen hat. Dazu steht seit vergangenen Samstag hinter Abwehrchef Andre Laurito (Adduktorenprobleme) ein dickes Fragezeichen. Und nun ist auch noch der Einsatz von Tobias Schweinsteiger stark gefährdet. Der Kapitän und Torjäger vom Dienst (14 Saisontreffer) brach am Mittwochnachmittag das Training wegen einer Muskelverhärtung im Oberschenkel vorzeitig ab und konnte am Donnerstag nicht trainieren.
Schweinsteigers Einsatz fraglich
Die Chancen auf den Einsatz von Laurito und Schweinsteiger stünden 50:50 und die Entscheidung über ihre Nominierung falle wohl erst kurz vor Spielbeginn, sagte Weinzierl. Dagegen hat Oliver Hein seine Gelbsperre verbüßt und ist wieder einsatzbereit. Ob der 22-Jährige auf der Doppelsechs oder auf der „Zehn“ spielt, ließ der Jahn-Trainer offen. Tim Erfen könnte bei einem Ausfall von Laurito wieder in die Abwehr-Viererkette einrücken.
Davor spielen wohl Tobias Schlauderer und Thomas Kurz, während sowohl Hein als auch Mahmut Temür Alternativen für die Zentrale im offensiven Mittelfeld sind. Den Part dort hat auch schon Selcuk Alibaz mit Erfolg gespielt. Gut möglich, dass der Techniker diesmal auf Außen (rechts) eingesetzt wird. Kandidaten für den Angriff sind Jerome Kialka oder Jürgen Schmid, dessen Kniebeschwerden abgeklungen sind. Aus dem Kader verlautet derweil Keeper Michael Hofmann. „Wir gehen ohne Angst und mit Selbstvertrauen in die Partie.“
Die Jahn-Euphorie kann auch eine Umfrage des „kicker“ nicht schmälern, in der über 70 Prozent der Befragten den KSC als Relegationssieger sahen. Beim Jahn misst man der Prognose keine Bedeutung zu und wartet ab, nachdem Motto: „Nichts ist unmöglich, schon gar nicht in der Relegation – und schon gar nicht in Regensburg.“
Fragen nach Weinzierls Zukunft blocken der Trainer selbst und der Verein derweil weiterhin ab. „Ich konzentriere mich ganz auf die Relegation“, wiederholt der Coach derzeit gebetsmühlenartig. Allerdings ist sein Weggang zum FC Augsburg wohl beschlossene Sache. Wenn Sportchef Franz Gerber derzeit über die Arbeit seines Übungsleiters spricht, benutzt er bereits die Vergangenheitsform.