Von Heinz Reichenwallner, MZ
KARLSRUHE.
Kurz vor Spielbeginn spendeten die Lautsprecher dem einheimischen Publikum noch Mut: Das „Badner Lied“, die Landes-Hymne, knarzte und tausende Fans des Karlsruher SC stimmten mit ein. Eine gute Portion Zuversicht und Entschlossenheit durchflutete zu dem Zeitpunkt das Wildparkstadion. Es hätte für den KSC gegen den SSV Jahn ja auch nur eines torlosen Unentschiedens bedurft, dann hätte er sich den Klassenerhalt sichern können. Hätte.
Aber um 22.20 Uhr am Montagabend sangen und tanzten dann die Regensburger Spieler, ihr Coach Markus Weinzierl, sein Trainerteam, Vorstandsvorsitzender Ulrich Weber und die Betreuer des Jahn ausgelassen gemeinsam auf dem Rasen in Karlsruhe: Jubel in Rot und Weiß. Dem SSV war soeben die Überraschung in der Relegation gelungen. Dank des 2:2 (1:1)-Remis und dank der Auswärtstorregel war der Jahn der strahlende Sieger und kehrte nach neun Jahren in die 2.Fußball-Bundesliga zurück.
„Nie mehr dritte Liga. Nie mehr, nie mehr…“ sangen die mitgereisten Jahn-Anhänger. Ihre Lieblinge kamen ein bisschen später in die Kurve, nachdem Polizei und Ordnungsdienst erst einmal aufgebrachte KSC-Fans vom Platz befördern mussten. Derweil konnte Weinzierl, den die Mannschaft einige Male in die Luft stemmte, der obligaten Bierdusche nicht entkommen, was der Erfolgstrainer aber gerne in Kauf nahm. Und die Jubelfeier des Jahn ging in der Mixedzone und in den Kabinengängen weiter. Man könne den Aufstieg kaum fassen, sagte Michael Hofmann. „Die Mannschaft hat bewiesen, dass auch mit wenig, viel möglich ist.“ Am besten wäre, man würde jetzt gleich drei Wochen durchfeiern, freute sich Tobias Schlauderer.
Explosion der Emotionen
Die Explosion der Emotionen, die Augenblicke nach dem Schlusspfiff im Stadion empfand der junge Jimmy Müller als „den unvergesslichsten Moment, den ich je erlebt habe“.
Vor einem Jahr noch in der Regionalliga, „und jetzt bin ich plötzlich Zweitligaspieler. Das ist kaum zu fassen, sagte der 22-Jährige. Man habe es verdient, meinte Oliver Hein. Der Mittelfeldspieler, dessen Traumtor zum 1:0 eines zum Einrahmen war, konnte sich nur schwerlich erinnern, ob ihm ein so Klassetreffer schon einmal glückte. „Ich glaube in der B-Jugend, damals gegen 1860 München, habe ich ein ähnliches Tor geschossen, schmunzelte der kleine aber kämpferisch wahrlich große Jahn-Sechser, den die Journalisten zum „Spieler des Matches“ kürten. Kapitän Tobias Schweinsteiger hatte ein seliges Lächeln im Gesicht. „Mit der Truppe aufzusteigen, das war es, was ich mir gewünscht habe.“
Die Uhr zeigte schon weit nach Mitternacht, als Franz Gerber endlich zu Wort kam. Sichtlich ergriffen vor Freude schwärmte der Jahn-Sportchef von der „unglaublichen Leistung“ und dem „starken Willen“ des Teams und übermittelte die Botschaft: „Die Jungs sollen es jetzt krachen lassen und den Moment einfach nur genießen. Und schob gleich hinterher: „Ich feiere natürlich mit.“
Zuvor hatte Markus Weinzierl im rappelvollen Presseraum sein Statement zum Spiel und zum Erreichten abgegeben und holte dabei etwas aus. „Wir wollten vor der Saison eigentlich nur nicht absteigen. Und jetzt sind wir aufgestiegen. Die Jungs können das noch gar nicht fassen und ich auch nicht“, sagte der 37-Jährige. „Es ist sensationell, auch für Regensburg, den Verein und dem Profifußball. Ein richtiger Quantensprung.“
Es ist eine weitere Pointe dieses unvergesslichen Abends, dass Stefan Binder, im allgemeinen Jubel bei Sportchef Gerber gleich eine Dauerkarte als Zuschauer für die nächste Jahn-Saison orderte. Der 33-Jährige, der nun seine Profikarriere beenden wird, wurde in seiner letzten Partie für den Jahn vom KSC-Publikum als der Mann, der beim 1:1 im Hinspiel den Elfmeter herausgeschunden hat, bei jedem Ballkontakt gnadenlos ausgebuht und ausgepfiffen. Doch der Abwehrmann, der wegen Gelb-Rot-Gefahr zur Pause ausgewechselt wurde, ließ sich sein letztes Pflichtspiel für den Jahn davon nicht vermiesen und dachte kurz an seinen Karriereverlauf: „Ich habe beim Jahn mit einem Aufstieg angefangen und höre jetzt mit einem Aufstieg auf. Das ist doch einmalig und wunderschön.“
Feuchtfröhliche Feier
In der Vereinsgeschichte des SSV Jahn Regensburg ist der 14. Mai ebenfalls ein magisches Datum. Tags zuvor hatte Torwart-Dino Michael Hofmann noch geflachst: „Bei einem Aufstieg reißen wir die Stadt ein.“ Das ist natürlich nicht passiert. Der Dom steht noch. Als gesichert aber gilt, dass es bei der Heimfahrt im Mannschaftsbus schon sehr feuchtfröhlich herging und bei der Ankunft in Regensburg Fans und Spieler den Sprung ins Fußball-Unterhaus bis weit nach dem Morgengrauen feierten.
Damit war der Feiermarathon aber längst nicht beendet. Am Dienstagabend ging es schließlich einer internen Feierstunde unter anderem im Regensburger Ratskeller weiter. Die große Aufstiegsfeier in der Stadt soll heutigen Mittwochabend (20.30 Uhr) auf dem Haidplatz stattfinden. Am Vatertag (14 Uhr) steht schließlich zum Abschluss ein Freundschaftsspiel beim Kreisligisten DJK Ensdorf (Landkreis Amberg-Sulzbach) noch auf dem Programm, ehe es am Freitag in den Urlaub geht.