Die Mannschaft des SSV Jahn Regensburg (hier von links: Abdenour Amachaibou, Patrick Haag, Jonatan Kotzke, Philipp Ziereis, Christian Rahn und Denis-Danso Weidlich) hatte beim Sieg über den MSV Duisburg Grund zur Freude. Jetzt will sich das Team gegen den FC Bayern teuer verkaufen. Foto: Eibner
Von Heinz Reichenwallner, MZ
REGENSBURG. Der Montag wird einer der heißesten Tage im Jahr beim SSV Jahn – und das nicht nur, weil der Wetterbericht auch für den späten Abend noch an die 30 Grad verspricht. Der Prognose der Meteorologen schließt sich nahtlos die Aussage von Oscar Corrochano an. „Wir sind heiß auf dieses Spiel“, sagt der Trainer des Regensburger Fußball-Zweitligisten. Um 20.30 Uhr (ARD live) tritt der Jahn in der ersten Runde des DFB-Pokals daheim vor vollem Haus gegen den FC Bayern München an.
Die Geschäftsstellen-Mitarbeiter haben für den Pokal-Knüller gegen den deutschen Rekordmeister und -Pokalsieger schon vor Wochen die weiße Fahne gehisst. 12.500 Karten wurden an den Fan gebracht – rien ne va plus (nichts geht mehr), hieß es beizeiten. Das altehrwürdige Jahn-Stadion wird aus allen Nähten platzen und wohl auch zu einem emotionalen Glutofen werden.
Corrochano sieht Feuer im Training
Deshalb gelte es vor allem kühlen Kopf in der Hitze des Gefechtes zu bewahren, findet Corrochano. Das hat er seiner Mannschaft auch eingeimpft und sie in ihrem momentanen Übereifer in der Vorbereitung auf das Spiel sogar ein bisschen bremsen müssen. „Es war Feuer im Training drin“, hat der Coach zufrieden festgestellt und sagte auch warum: „Schließlich geht es um die Kaderplätze.“ Die Rollen vor dem Spiel sind klar verteilt: In der ewig jungen Pokalgeschichte von David gegen Goliath ist der Jahn klarer Außenseiter und der FC Bayern natürlich die große Nummer und ebenso der große Favorit.
„Jeder weiß, dass wir der Underdog sind“, sagt wenig überraschend auch Sportchef Franz Gerber. In der Rolle des krassen Außenseiters fühlen sich die Regensburger indes wohl. Die spieltechnischen Unterschiede, das Plus an Erfahrung und die zweifellose Abgeklärtheit des schier übermächtigen Gegners will der Jahn, der sich am Montag tagsüber in einer Hotelanlage in Bad Gögging in Ruhe auf das Spiel vorbereitet, mit einem couragierten und leidenschaftlichen Auftritt in etwa ausgleichen.
Dafür weiß Trainer Oscar Corrochano seine Jungs bestens einzustellen, was die ersten zwei mutigen Punktspiel-Auftritte in dieser Saison bereits bewiesen haben. Der voraussichtliche Jahn-Plan für das heiße Duell: giftig in die Zweikämpfe gehen, mit Kampfgeist den Ball erobern und schnell dann in die Offensive umschalten. Freie Räume dafür müsste es ein paar Mal geben. Eines ist jetzt bereits sicher: Die Gastgeber müssen das Spiel nicht machen. Die Verantwortung dafür wird der favorisierte FC Bayern tragen müssen.
Wohl kaum Änderungen im Team
Was ändert sich personell bei den Regensburgern? Nichts in der Viererkette vor Torwart Michael Hofmann – auch mangels großer Alternativen. So werden es Youngster Philipp Ziereis (rechts) und der erfahrene Ex-Nationalspieler Christian Rahn (links) mit Bayerns Weltklasseaußen, Franck Ribéry und Arjen Robben, zu tun haben. An sensibler Stelle im Abwehrzentrum müssen Kapitän Andre Laurito und Sebastian Nachreiner Zweikampfstärke gegen die Bayern-Stürmer zeigen und vor allem die Lufthoheit bei Kopfballduellen behalten.
Auf der „Doppelsechs“ werden Jonatan Kotzke und Mario Neunaber in der Startelf stehen, wenngleich Oliver Hein nach verheilter Gesichtsfraktur voller Vorfreude auf einen Einsatz brennt. Bei Denis-Danso Weidlich (26) hat indes die Vorfreude etwas gelitten, da er an einer starken Prellung in der Kniegelenk laboriert.
Vom Pech des offensiven Mittelfeldspielers könnte eventuell auch Jim-Patrick Müller (22) profitieren, der damit nach seiner Roten Karten in der Aufstiegsrelegation und seiner Sperre von zwei Spieltagen vor seinem Saisoneinstand steht.
Djuricin vor dem Debüt
Möglich ist auch das Debüt von Marco Djuricin (19) auf Linksaußen. Corrochano ist von dem Angreifer, der vom Ligakonkurrenten Hertha BSC Berlin bis zum Saisonende ausgeliehen wurde, durchaus schon überzeugt. „Djuricin macht einen guten Eindruck, vor allem durch seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.“ Der junge Österreicher hatte gegen Duisburg (2:0) noch zusehen müssen, da seine Spielgenehmigung fehlte. Bei den Unterlagen für die DFL hatte man beim Jahn das medizinische Gutachten vergessen. Spielt Djuricin, dann müssten entweder Patrick Haag oder Jerome Kialka vorerst auf die Bank.
Gesetzt ist dagegen Abdenour Amachaibou als „Zehner“ und Francky Sembolo im Sturm. Der lauf- und einsatzfreudige 26-Jährige soll für Tore sorgen und damit eventuell für die Überraschung.
Nebenbei lohnt sich der Auftritt im DFB-Pokal schon finanziell allemal: Dem Vernehmen nach wird allein für den Jahn eine Garantieeinahme von über 400.000 Euro errechnet – dank der ARD-Liveübertragung. Dazu kommen noch die Zuschauereinnahmen, die sich beide Vereine teilen.