Der SSV Jahn Regensburg jubelt über den Siegtreffer von Julian Wießmeier. Foto: Eibner
Von Heinz Reichenwallner und Heinz Gläser, MZ
Sandhausen. Die Jahn-Profis feierten im strömenden Regen ausgelassen ihren späten Coup: Der Regensburger Fußball-Zweitligist hat die Serie seiner knappen Niederlagen beendet und am siebten Spieltag den zweiten Saisonsieg verbucht. Beim Mitaufsteiger SV Sandhausen kam die Mannschaft von Trainer Oscar Corrochano am Dienstagabend zu einem glücklichen, aber nicht unverdienten 2:1 (1:1)-Erfolg.
Innenverteidiger Marco Pischorn (37.) hatte die Gastgeber per Kopf in Führung gebracht, Jim-Patrick Müller glich ebenfalls per Kopf aus (45.+1). Der Siegtreffer gelang Julian Wießmeier in der 90. Minute mit einem Distanzschuss. Nach dem ersten Auswärtssieg kann der SSV Jahn aufatmen, für Sandhausen war es die erste Heimpleite der Saison. Mit sechs Punkten verbesserten sich die Regensburger vorübergehend auf den elften Platz und überflügelten die Gastgeber, die ebenfalls sechs Zähler aufweisen.
Corrochano „rundum zufrieden“
„Ich bin rundum zufrieden. Was die Mannschaft heute geleistet hat, war super“, sagte Corrochano und fügte hinzu: „Vor allem freut’s mich für Michael Hofmann, der uns die Punkte gerettet hat.“ Sandhausens Coach Gerd Dais bilanzierte: „Wir hatten uns nach dem 0:3 in Paderborn viel vorgenommen, aber unser Spiel war auch nach der Führung von Nervosität geprägt.“
Corrochano hatte die erwartete Formation aufgeboten, also auch Routinier Hofmann, der nach seinem Lapsus beim 0:1 am Samstag gegen Cottbus im ersten Frust Rücktrittsgedanken geäußert hatte. Bei zunächst guten Bedingungen ging es für die Regensburger auch darum, ihre Torflaute zu beenden. Bei Spielbeginn waren seit dem Treffer von Francky Sembolo beim 1:2 bei Hertha BSC am dritten Spieltag bereits 303 Minuten verstrichen.
Dais sah sich schon nach sieben Minuten zu einer Umstellung gezwungen. Für Julian Schauerte (Verdacht auf Kreuzbandriss) kam Kim Falkenberg. Viele Fehlpässe und Nervosität auf beiden Seiten prägten die Anfangsphase. Der SSV Jahn stand defensiv sehr stabil und kombinierte im Mittelfeld durchaus gefällig, doch waren die gravierenden Defizite beim Anspiel in die Spitze erneut unübersehbar.
Sandhausens Kapitän Frank Löning setzte das erste Ausrufezeichen der Partie, als er überraschend aus fast 40 Metern abzog. Hofmann jedoch ließ sich nicht düpieren und wehrte den Weitschuss mit den Fäusten ab (13.). Aus deutlich kürzerer Distanz, nämlich von der Strafraumgrenze, versuchte Löning abermals sein Glück, verfehlte aber das Tor knapp (21.). Szenen, die einen Eintrag in die Rubrik „echte Torchance“ verdient hätten, sehen in der Regel zwingender aus.
Vor 2400 Zuschauern ließen die Gäste erstmals in der 29. Minute aufhorchen. Sebastian Nachreiner flankte von der rechten Seite, Sembolo zog aus der Drehung ab. Der Ball strich jedoch zwei Meter an der langen Torecke vorbei. Zwei Minuten später war der SSV Jahn mit dem Glück im Bunde. Zunächst visierte David Blacha den Pfosten an. Der völlig frei stehende Jan Fießer hätte den Abpraller anschließend nur noch einschieben müssen, geriet jedoch ins Straucheln und scheiterte an Hofmann. Der 39-Jährige erwies sich nach seinem Aussetzer vom Samstag wieder als sicherer Rückhalt.
Marco Djuricin verfehlte aus spitzem Winkel (35.) das Tor, ehe Pischorn die bis dahin schwachen Gastgeber in Führung brachte. Timo Achenbach schlug einen Freistoß aus dem linken Halbfeld in den Strafraum, wo Sandhausens Verteidiger höher stieg als der sonst so kopfballstarke SSV-Kapitän Andre Laurito. Für den Jahn war es der siebte Gegentreffer der Saison, der fünfte per Kopfball. Ein Manko, das abgestellt werden muss. Pischorn hatte übrigens bereits in der Vorsaison ein Kopfballtor zu Sandhausens 2:1-Sieg gegen Regensburg beigesteuert.
Bogenlampe im Strafraum
Doch der Jahn war keineswegs geschockt und erntete bald den Lohn für seine engagierte Leistung. Abermals verfehlte Djuricin knapp (44.), dann schlug Müller in der Nachspielzeit der ersten Hälfte nach einer Bogenlampe des Österreichers im Strafraum zu. Aus kurzer Distanz vollendete er mit einem Kopfballheber und beendete die torlose Jahn-Zeit nach 349 Minuten. SV-Keeper Daniel Ischdonat war ebenso wie zuvor Hofmann machtlos.
Bei einsetzendem Regen knüpften die Gäste nach dem Wechsel an ihre couragierte Vorstellung an und waren spielbestimmend. Doch Löning blieb ein Unruheherd, wie er bei einer Direktabnahme (61.) unter Beweis stellte. Wießmeier setzte auf der Gegenseite einen Distanzschuss (64.) daneben.
Dais ersetzte Löning durch Kingsley Onuegbu. Und der Nigerianer hatte mit dem ersten Ballkontakt den Siegtreffer auf dem Fuß, blieb aber am famosen Hofmann im Tor hängen (79.).
Anschließend schienen sich beide Teams mit dem Remis anzufreunden, doch sorgte Wießmeier für den finalen Paukenschlag. Der Zugang vom 1. FC Nürnberg zog von der Strafraumgrenze ab, Ischdonat war bei dem haltbaren Flachschuss die Sicht verstellt.