Didi Hamann (links, während seiner Manchester-Zeit) würde an seine aktive Karriere gerne noch ein, zwei Jahre dranhängen.Foto: dpa
Grüß Gott Herr Hamann, wo erwischen wir Sie gerade?
Dietmar Hamann: In meiner Wohnung in Manchester.
Sie sind 36, im Sommer wurde Ihr Vertrag bei Manchester City nicht verlängert. Heißt das, Ihre Laufbahn ist zu Ende?
Das werden wir sehen. Ich würde gerne noch ein oder auch zwei Jahre spielen – aber nur, wenn auch das richtige Angebot kommt. Ich hatte zwei, drei Sachen im Sommer, aber das war in meinen Augen nicht das Richtige.
Inwiefern?
Ich will weiter auf hohem Niveau spielen. Die Angebote, die ich hatte, waren entweder nicht hochklassig genug oder ich habe ich mich dabei nicht wohlgefühlt. Ich bin jetzt also vertragslos und könnte sofort bei einem Verein unterschreiben. Wenn es der richtige ist.
Wie verbringen Sie Ihre Zeit?
Ich mache gerade meine Trainerscheine in England weiter. Ich bin drei-, viermal in der Woche in Liverpool bei einer Fußball-Akademie und trainiere dort mit der U16. Im Mai habe ich dort meinen ersten Kurs gemacht, und jetzt mache ich Level zwei und drei. Im nächsten Sommer könnte ich die A-Lizenz machen, und dann im Jahr darauf die große Trainerlizenz der Fifa.
Im August wurden Sie beim VfB Stuttgart als möglicher Neuzugang gehandelt, wenig später auch beim TSV München 1860. War da etwas dran?
Mit 1860 habe ich nicht gesprochen. Wo das her kommt, weiß ich nicht. Mit Markus Babbel habe ich mal gesprochen, nachdem sich einer seiner Mittelfeldspieler verletzt hat. Der VfB hat sich dann aber anders entschieden. Wie gesagt: Ich würde gerne noch ein Jahr spielen. Wenn nicht, habe ich damit auch kein Problem. Dann mache ich meine Trainerscheine fertig und hoffe, dass ich bald irgendwo als Coach einsteigen kann.
Könnten Sie sich vorstellen, bei den Löwen in der 2. Liga zu spielen?
Wenn das ein Verein mit einem Namen und einer Tradition ist, wie das ja bei Sechzig der Fall ist, würde ich mir das mit Sicherheit überlegen. Aber das ist hypothetisch.
Wie intensiv verfolgen Sie von der Insel aus die Bundesliga und vor allem Ihren früheren Verein Bayern München?
Ich sehe mir das an, was aus der Bundesliga hier in England im Fernsehen kommt. Ich bin nicht auf dem letzten Stand, aber natürlich verfolge ich das.
Glauben Sie, dass Louis van Gaal der richtige Mann für die Bayern ist?
Ich halte ihn für einen hervorragenden Mann. Er hatte ja auch großen Erfolg in Holland oder beim FC Barcelona. Der Saisonstart war nicht so gut, aber wenn man viele neue Spieler hat, braucht es auch mehr Zeit, bis sich die Mannschaft gefunden hat. Ich würde mir da keine Gedanken machen. Ich gehe davon aus, dass er in München Erfolg haben wird.
Bei Jürgen Klinsmann vor einem Jahr sind Sie davon auch ausgegangen, oder?
Da habe ich mich wohl getäuscht.
Sie haben auch als Nationalspieler erfolgreiche Zeiten erlebt, aber Ihre Länderspiel-Karriere hatte keinen richtigen Abschluss. Wurmt Sie das noch, dass Klinsmann bei der Heim-WM 2006 auf Sie verzichtete?
Nein. Klinsmann hat damals eben andere Sachen probiert. Ich habe sehr schöne Zeiten in der Nationalmannschaft erlebt, und wenn ich zurückschaue, dann eher mit einem lachenden als mit einem weinenden Auge.
Sie sind seit elf Jahren in England. Das Leben dort scheint Ihnen zu gefallen.
Wenn es mir nicht gefallen würde, wäre ich längst wieder in Deutschland. Ich fühle mich sehr wohl hier. Es ist ein tolles Land, die Leute sind unheimlich aufgeschlossen und offen. Die Premier League ist vielleicht nicht die beste Profiliga in Europa, aber mit Sicherheit die interessanteste. Fußball ist sehr präsent hier in England, das ist ein großes Spektakel. Am Wochenende dreht sich fast alles um Fußball.
Denken Sie inzwischen auch wie ein Engländer?
Seit einigen Jahren schon. Eines Tages stellt man fest, dass man sogar auf Englisch träumt.
Sie stammen ja aus der Oberpfalz. Verschlägt es Sie manchmal noch in Ihren Heimatort Konnersreuth?
Vor einem Jahr war ich wieder mal dort. Die Tante hat Silberne Hochzeit gefeiert.
Zum Schluss ein anderes Thema: Im Juni gab es Meldungen, wonach Sie Wettschulden hätten. Es hieß, ein Wettanbieter fordere von Ihnen 700 000 Euro. Eine Ente oder Wahrheit?
Dazu werde ich nichts sagen. Das ist jetzt in den richtigen Händen, die Sache ist für mich abgeschlossen.
Das heißt, die Wettschulden gibt es wirklich?
Da gibt es nichts dazu zu sagen.
Aber die Berichte...
... nein, nein, nein! Kein Kommentar. Sorry!