Links Oben 25.05.2012, 00:00 Uhr

Dr. Titan

Bayern-Boss Uli Hoeneß erinnerte sich anlässlich der Champions-League-Tragödie am vergangenen Samstag an den kleinen Jens Jeremies. Dieser war kurz nach einer Knieoperation mit seinem 2:1-Siegtreffer bei Real Madrid zu einer entscheidenden Figur auf dem Weg zum letzten Bayern-Triumph 2001 geworden. Er hätte auch Olli Kahn als Beispiel jener zu dieser Zeit unbändig ausgelebten Bayern-Tugenden anführen können, wehrte doch der Titan im damaligen finalen Elfmeterschießen gegen den FC Valencia nicht weniger als drei Strafstöße ab.

Drei Jahre – man mag es kaum glauben – ist Kahns Abschied beim Rekordmeister schon her. Während den Bayern seither spürbar einer fehlt, der polarisieren konnte wie kaum ein anderer, setzte der Welttorhüter von 2001 seine frei gewordenen Energien unbemerkt, aber umso intensiver an der staatlich akkreditierten österreichischen Privat-Universität Schloß Seeburg bei Salzburg um. „Master of Business Administration“ darf er sich nach erfolgreichem Abschluss eines postgradualen Management-Studiums jetzt nennen und mit feiner Selbstironie konstatieren: „Drei Jahre ohne Titel waren genug.“

Seine Interpretation des Fußballberufs war offenbar eine gute Vorbereitung auf die Uni. „Dr. Titan“ – so nennt ihn der Boulevard – denkt über eine Dissertation nach. „Weiter, immer weiter“ würde das für den Mann bedeuten, der bei der WM 2002 einen gigantischen Auftritt bis zum Finale hatte, in dem er gegen Brasiliens Ronaldo patzte.

„Das Studium war für mich eine Matterhorn-Besteigung, die Dissertation wäre der Mount Everest“, sagt Kahn. Auch das Studium hat ihn zu außergewöhnlichen Leistungen getrieben. Sein FC Bayern könnte aktuell ein Stück dieser Motivation gut brauchen.

von Dieter Krelle, mz

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