Bombig
Was macht eigentlich der TSV 1860 München? Lange nichts mehr gehört – also, das heißt in diesem Fall ein paar Wochen. Zuvor war die Sache mit dem jordanischen Investor Hasan Ismaik in den Schlagzeilen, der mehr Einfluss nehmen wollte, als ihm zustand. Und davor der drohende Bankrott. Und wiederum davor die ständigen Querelen in der Vorstandschaft. Und die Bestechungsvorwürfe gegen die Wildmosers. Und die (angeblichen?) Unterwanderungsversuche durch Scientologen. Und…
Sportlich bewegte sich der Verein derweil oft haarscharf am Abgrund entlang, der Kampf um den Klassenerhalt begleitete ihn immer wieder mal. Aber wie heißt es so schön? Was einen nicht umhaut, macht einen stark. Und stark sind sie, die Löwen, gestählt vom ständigen Sitzen auf dem Pulverfass.
Die gute Nachricht ist: Die Bombe wird nicht hochgehen. Man hat sie gefunden, direkt unterm Strafraum vor der Osttribüne im geliebten Sechzger-Stadion, der heimlichen Heimat des Vereins – auch wenn die Profis dort schon lange nicht mehr antreten. Dort, wo einst Löwen-Legende Petar „Radi“ Radenkovic das Tor hütete und wo der Bomber der Nation, Gerd Müller, für den FC Bayern seine ersten Tore schoss, schlummerte sie eineinhalb Meter tief unterm Rasen. Viele grandiose Spiele fanden im Grünwalder Stadion statt. Schließlich war es bis zum Bau des Olympiastadions die wichtigste Spielstätte für die Münchner Klubs. Aber wer hätte gedacht, dass dort immer bombiger Fußball geboten wurde – auch wenn es ein Gracherlspiel war?
Die Sechzger schlossen die Saison der 2.- Bundesliga auf Platz 6 ab: ein guter, ein sicherer Platz. Die Bombe ist entschärft. Es könnte nun ruhig werden bei den Löwen. Wenn nicht doch noch irgendwo eine vergraben liegt. Und zum Zündeln findet sich bei den Löwen immer irgendeiner.
von angelika Sauerer, mz

