Gesundheit - Artikel 07.06.2011, 20:52 Uhr

Frühtest für Kinderohr

Am Regensburger Uniklinikum gibt es nun ein Zentrum für kindliche Hörstörungen.

Prof. Dr. Peter Kummer Foto: Klinik

Prof. Dr. Peter Kummer Foto: Klinik

Von heinz Klein, MZ

Regensburg. Was vor ein paar Jahren als Modellprojekt in der Oberpfalz begann, kommt heute bundesweit allen Kindern zugute: das Hörscreening für Neugeborene. „Denn je früher eine Schwerhörigkeit bei Kindern erkannt und behandelt wird, umso besser lassen sich bleibende Defizite in der Entwicklung verhindern“, sagt Professor Peter Kummer, der die Phoniatrie und Pädaudiologie am Uniklinikum leitet.

Vom Echo aus der Hörschnecke

Gemäß dem von Prof. Dr. Jürgen Strutz am Regensburger Uniklinikum entwickelten Screening wurden im vergangenen Jahr fast 100000 Neugeborene an rund 150 Geburts- und Kinderkliniken in Bayern untersucht. „Wir senden mit einer kleinen Sonde im Ohr einen Schall ab und bekommen von den Zellen in der Hörschnecke des Säuglings ein Echo“, beschreibt Prof. Kummer das Verfahren. Wenn sich dank dieser minutenschnellen Untersuchung Unregelmäßigkeiten erkennen lassen, kommen die Neugeborenen zur weiteren Untersuchung an das neue Zentrum für Hörstörungen. Hier stehe modernste Diagnostik zur Verfügung und hier könne nahezu jede Hörstörung behandelt werden, versichert Peter Kummer. „Ich bin Arzt, aber ich muss auch wie ein Ingenieur arbeiten, damit die Medizin gut wird“, veranschaulicht der Professor. Um neueste Konzepte zur Erkennung und Behandlung frühkindlicher Hörstörungen zu perfektionieren, arbeiten am Hörzentrum Angehörige vieler Berufsgruppen zusammen.

Ein Netzwerk für kleine Patienten

Die Behandlung betroffener Kinder kann bereits im 5. Lebensmonat beginnen. Die Methoden sind vielfältig und die Lösungen sollen möglichst individuell sein: medikamentöse Behandlung, hörverbessernde Operationen, um zum Beispiel Erguss- oder Fehlbildungen im Mittelohr zu korrigieren oder der Einsatz von schallverstärkenden Hörgeräten, die maßgeschneidert an die Bedürfnisse ihrer kleinen Träger angepasst werden müssen bis hin zu Cochlea-Implantaten. Neben der Operation ist dann die Nachsorge entscheidend, die am Cochlear Implant Centrum in Straubing durchgeführt wird. Auch alle anderen hörbehinderten Kinder der Region erhalten dort die weitere Rehabilitation. Das Zentrum für Kindliche Hörstörungen schafft ein Netzwerk für seine kleinen Patienten. HNO-Ärzte, Pädaudiologen, Hörgeräte- und Pädakustiker sowie Logopäden arbeiten Hand in Hand, damit die Kinder die besten Chancen für eine optimale Entwicklung nutzen können.

 

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