Thomas Kellermann (r.) mit Ruth und Franz Graf auf ihrem Bauernhof
Von Angelika Sauerer, MZ
Immer wieder zwischendurch gibt es solche Momente: Ruth Graf schaut aus dem Küchenfenster, sieht ihre zwei grauen Milchkühe auf der Weide liegen und friedlich wiederkäuen. Sanft wellen sich die Wiesen und Felder, der Wald steht still dahinter und rahmt das Bild mit seinem dunklen Grün. „Da fühle ich, wir haben alles richtig gemacht.“
Käserei und Hofladen
Seit 2001 bewirtschaftet ihre Familie den „Kollerhof“ – er heißt so nach den Eltern von Ruth Graf. Auf dem nach ökologischen Richtlinien geführten Betrieb im Schwaighauser Forst, wenige Kilometer hinter Lappersdorf, haben sie mit ein paar Milchschafen angefangen. Mittlerweile zählen rund 60 Schafe, zehn Ziegen, zwei Kühe und zehn Schweine samt ihrem jeweiligen Nachwuchs zu den Mitarbeitern. Auf dem Hof in Kareth, den die Kollers seit den 70er Jahren im Nebenerwerb betrieben haben, sind die 100 Legehennen untergebracht und der Hofladen. Die Käserei befindet sich auf dem Bauernhof in Schwaighausen.
Von klein auf war für Ruth klar, dass sie in die Landwirtschaft gehen möchte. „Ich bin damit aufgewachsen, das hat mir immer gefallen“, sagt sie. Sie studierte Agrarwissenschaften, genau wie ihr Mann, Franz Graf. Er war vorher Verwalter auf dem Gut des Grafen Walderdorff in Hauzenstein. Dort absolvierte Ruth ihr Praxissemester und dabei haben sich die beiden kennengelernt.
Das Wissen isst mit
Bei der Entwicklung ihres landwirtschaftlichen Betriebs lassen sie sich von zwei grundlegenden Dingen leiten: einerseits von den Wünschen der Kunden und andererseits von den Wünschen der Natur – das ist ihre Philosophie. Und wenn man es genau nimmt, decken sich die Wünsche sogar. Man kann es auch so formulieren: Das Wissen darüber, wie die Produkte hergestellt wurden, isst mit.
„Es geht uns darum, die natürlichen Ressourcen gut zu nutzen“, sagt Franz Graf. Dem studierten Bauern mit den Wuschellocken und den freundlich blinzelnden Augen sieht man an, dass er zupacken kann. Bei den vielen Grünflächen habe sich die Tierzucht angeboten. „Schafe und Ziegen sind ideal für die Landschaftspflege“, erklärt er. Aus der Milch produzieren sie in der 2004 eingerichteten Hofkäserei verschiedene Käsesorten. Und mit der Molke füttern sie die Schweine – so schließt sich der Betriebskreislauf. „Es ist wichtig, eine sinnvolle Kombination zu finden“, sagt Graf. Das Futtergetreide bauen sie auch selbst an, freilich ohne Kunstdünger oder Pflanzenschutzmittel zu verwenden. „Die Natur ist unsere Lebensgrundlage. Wir müssen verantwortungsvoll damit umgehen“, betont der Biobauer.
90 Prozent ihrer Erzeugnisse verkaufen Ruth und Franz Graf direkt an ihre Kunden. So bekommen sie mit, was diese wünschen oder was ihnen besonders gut geschmeckt hat. „Feedback ist ganz wichtig für uns. Da weiß man, wofür man das alles tut“, sagt Franz Graf. Und wenn der Sternekoch Thomas Kellermann das Lammfleisch lobt und sich schon anmeldet, wenn das nächste Mal ein Schwein geschlachtet wird, freut ihn das natürlich sehr. Aber an die große Glocke wird er es nicht hängen. Dafür ist er viel zu bodenständig.
Frei und selbstständig
Noch etwas entschädigt die beiden jungen Bauern, die zwei kleine Kinder haben, für die viele Arbeit: ihre Unabhängigkeit. Vielleicht hört sich das paradox an, wenn man jeden Morgen in aller Frühe raus und in den Stall muss, um die Tiere zu versorgen, auszumisten, zu melken, und so weiter. Aber trotzdem fühlen sie sich frei. „Wir sind nur uns selber Rechenschaft schuldig“, sagt Franz Graf. „Natürlich braucht man einen langen Atem, man muss auch Kompromisse eingehen. Aber dafür können wir selbstständig arbeiten. Wir haben keinen Druck von außen“, ergänzt er.
Am meisten genießt er dieses Glück am Abend, wenn die Tiere in den Ställen ruhig geworden sind und das Tagwerk vollbracht ist. „Das ist schon manchmal ein sehr gutes Gefühl.“
Produkte vom Kollerhof gibt es im Hofladen in Kareth (FR, 13-18 Uhr), auf dem Bauernmarkt in Regenstauf (DO, 9-12 Uhr), vor der Kirche St. Bonifaz in Regensburg-Prüfening (FR , 8-12 Uhr), auf dem Markt in Lappersdorf (SA, 8-12) und in verschiedenen Biomärkten.
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