Aufgetischt Rezepte 02.10.2010, 00:00 Uhr

(Welt-)Meisterliches Kartoffelgericht

Ein Goaßbradl weckt Oberpfälzer Heimatgefühle.

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Von Gabi Röhrl, MZ

Es gibt Oberpfälzer, die behaupten, die Kartoffel gebe ein gutes Sinnbild für die Menschen ihrer Region ab: Auf den ersten Blick unscheinbar, ihre wahre Stärke zunächst unter einer rauen Schale verbergend, tritt diese unverhofft mit kräftiger Bindewirkung zu Tage.

Die Kartoffel ist somit traditionell ein wesentlicher, kulinarischer Botschafter des gesamten Regierungsbezirks. Man könnte gar sagen: Die Oberpfälzer sind Kartoffelweltmeister. Schon in den ausmalenden Schilderungen unserer Tante Resi war oft vom „Erdäpfel-Landl“ oder auch der „Erdäpfelpfalz“ die Rede. Viele der köstlichen Rezepte finden sich, mit handschriftlichen Vermerken versehen, in ihrem Kochbuch – darunter auch das „Goaßbradl“. Der eigenartige Name war es wohl, der unsere drei Lausbuben auf die Realisierung gerade dieses Rezepts neugierig gemacht hat.

Seine Herkunft liegt allerdings im Verborgenen. Mit Ziegen hat das Rezept jedenfalls nichts zu tun. Tatsache ist, dass dieses Kartoffelgericht gerne in Verbindung mit einem Schweinsbrüsterl oder mit geräucherten Schweineripperl zubereitet wird. Auch die Kartoffeln selbst werden manchmal zusätzlich mit Zwiebeln oder Speck verfeinert. Doch wir halten uns strikt an Tante Resis Vorgaben. Diese sind kurz und einfach:

Das Schweinsbrüsterl gut salzen und pfeffern, und in einem Reindl mit etwas Butterschmalz 1 Stunde bei 180 Grad braten. Die Kartoffeln schälen, waschen und gut abgetropft in feine Scheiben schneiden. Jetzt wird das Brüsterl aus dem Reindl herausgenommen. Das Reindl wird noch einmal mit Butterschmalz gut ausgepinselt. Quirin schichtet nun die Kartoffelscheiben vorsichtig hinein. Leon gießt die saure Sahne und die Milch darüber und würzt die Kartoffeln noch gut mit Salz, Pfeffer und Kümmel. Christoph legt das Schweinsbrüsterl auf die Kartoffelscheiben und gibt die Bratreine für weitere 60 Minuten auf der unteren Schiene in den auf mittlerweile 200 Grad vorgeheizten Ofen.

Bereits nach kurzer Zeit verbreitet sich ein vielversprechender Duft im ganzen Haus, der einem das Wasser buchstäblich im Munde zusammenlaufen lässt. Aus dem Ofenrohr tritt ein knuspriges Schweinsbrüsterl auf saftigen Kartoffelscheiben zu Tage.

„Hmm, einfach sauguad!“, schwelgen Christoph und Leon vor sich hin, während Quirin ernsthaft über einen Umzug von Niederbayern in die Oberpfalz nachdenkt.


 

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