Grasgrün, Hellblau oder Feuerwehrrot: Flechtstühle werden in diesem Sommer in knalligen Farben angeboten und sorgen für schöne Effekte im Freiluftzimmer.Fotos: Kölnmesse (2)
Von Andrea Frey, dpa
Bad Honnef.
Ein Tisch aus weißem Plastik, dazu Lehnstühle mit Stoffauflagen aus dem Baumarkt – das war jahrzehntelang die Standardmöblierung deutscher Terrassen und Balkone. Seit einigen Jahren wandelt sich der Anblick gewaltig: Der stapelbare Klappstuhl ist einladenden Sofalandschaften und gemütlichen Himmelbetten gewichen. Daneben gibt es in diesem Sommer zwei große Trendrichtungen: minimalistische Holzmöbel ohne Schnörkel und bunte, auffällige Farbkleckse.
Die Deutschen lassen sich die Einrichtung ihres Außenwohnzimmers inzwischen einiges kosten: „Die Ausgabebereitschaft hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt“, berichtet Ursula Geismann, Sprecherin des Verbandes der deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef bei Bonn. Vor allem in hochwertigere und damit auch hochpreisigere Gartenmöbel würden die Verbraucher investieren, erläutert Till Gottschalk vom Landschaftsarchitektenbüro Strauchwerk in Düsseldorf.
Design tritt in den Vordergrund
Johannes Welsch, Geschäftsführer des Industrieverbandes Garten (IVG) in Ratingen, nennt dafür folgende Gründe: „Die Menschen sehen ihr Zuhause nicht mehr als reinen Aufenthalts-, sondern als Rückzugs- und Entspannungsort, in dem sie ihre Freizeit gern verbringen. Das gilt für das Hausinnere genauso wie für Garten und Balkon.“ Und das habe auch zur Folge, dass das Angebot insgesamt attraktiver geworden ist – und die Produkte stärker designorientiert.
So findet man in diesem Sommer verstärkt Gartenmöbel, die an Kunstobjekte erinnern. Ein Beispiel hierfür ist etwa eine Art Vogelnest aus einem Kunststoffgeflecht. Designer Tim Kerp hat es für den internationalen Wettbewerb „Garden goes Balcony“ der Freizeit- und Gartenschau spoga+gafa in Köln entwickelt. Im Inneren der Kugel bettet man sich auf Kissen wie in einen schützenden Kokon. Kuschelig ist es auch im „Nestrest“ von Dedon, ein von den Nistplätzen des afrikanischen Webervogels inspiriertes Möbel, das in luftiger Höhe etwa an einem Baum hängt. Im Miniformat ist es auch Ruheplatz für Hund oder Katze.
Diese minimalistischen Holzmöbel verlegen das Esszimmer in den Garten.
Designorientierte setzen zudem auf Gartenmöbel aus ungewöhnlichem Material, das dem Nachhaltigkeitsgedanken folgt: Bauholz Design nutzt etwa altes Bauholz für Bänke und Tische. Die Möbel werden aus von Hand geschliffenen und gebürsteten alten Gerüstbohlen gefertigt. Durch den langen Verwitterungsprozess ist das Tannen- oder Fichtenholz unempfindlich – und darf daher ganzjährig draußen bleiben.
Die neuen Gartenmöbel zeichnen sich grundsätzlich durch den Einsatz neuer Materialien und Werkstoffkombinationen aus, beschreibt Welsch einen der Haupttrends 2012. Beliebt sei beispielsweise die Kombination von Holz oder Leichtmetallen wie Aluminium mit Kunststoffen oder outdoortauglichen Geweben.
Die spanische Designfirma Gandia Blasco setzt in ihrer aktuellen Kollektion zum Beispiel auf den Mix von pulverbeschichtetem oder thermolackiertem Aluminium und dem Kunststoff Polyethylen. Bei der Serie „Atlantic“ kommt ein recyclebares Material namens Nowood zum Einsatz, das aus pflanzlichen Fasern und Plastik besteht. Es verleiht den Tischen, Liegen und Sitzbänken eine warme Textur und macht sie haltbar.
„Flechtmöbel aus wetterfestem Kunststoff werden im Sommer ebenfalls das Bild bestimmen“, sagt Geismann. Das sind vornehmlich breitere Sessel oder Sofas, etwa von Kettler in hellem Braun. Vandecasteele Marc hat bunte Flechtstühle in Grasgrün, Hellblau oder Feuerwehrrot im Programm.
Der Sommer auf Balkon und Terrasse wird insgesamt bunt wie ein Blumenbeet: Der Hersteller Fermob etwa zeigt Möbel aus Metall in farbigen Lackierungen mit leckeren Namen wie Lakritz, Aubergine, Paprika oder Zitrone. „Ansonsten überwiegen Weiß und natürliche Töne wie Beige oder Sand. Im Kommen ist aber auch kräftiges Grün“, sagt die Trendanalystin Ursula Geismann.
Flechtmöbel aus wetterfestem Kunststoff sind schon seit einiger Zeit Trend auf Terrassen.Foto: Kettler
Gartenmöbel werden leichter
Farbenfroh sind nicht nur die Möbel selbst, sondern auch Accessoires und Sitzauflagen. „Knallige Farben in unregelmäßigen Streifen – das ist prägend für den skandinavischen Stil, der ebenfalls eine wichtige Rolle spielt“, erläutert Geismann. Das sieht man beispielsweise bei einer Holzmöbel-Serie von Weishäupl. Sitzauflagen, der Schirm und die Strandhütte haben bunte Streifen.
Trotz leicht rückläufiger Marktanteile bleiben auch Holzmöbel für draußen beliebt, sagt Geismann weiter. Besonders einfache Stühle und Gartenbänke finden sich in den Kollektionen, die durch ihre Reduziertheit modern wirken. Der Hersteller Jan Kurtz etwa hat loungeartige Holzsessel oder Bänke nach Bauhausmanier ohne Schnörkel im Angebot.
Viele Gartenmöbel sind eher klein und vor allem leicht. „Dies deutet auch auf den Wunsch der Nutzer hin, die Möbel nach Bedarf einfach umstellen zu können. Es gehört auch zur Ergonomie eines Stuhles, dass dieser für seinen Gebraucher einfach zu bewegen ist“, erläutert der Verband der Deutschen Möbelindustrie in einem Trendbericht. Ein Beispiel für die neue vielfältige Verwendbarkeit ist der „Kube“ von Ego Paris: Der Würfel ist Sessel, Liege und Hocker in Einem und bringt seinen metallenen Tisch gleich mit.