Berg und Ski aktuell 08.05.2012, 11:37 Uhr

Wandern vom Atlantik bis zum Mittelmeer

Der Fernwanderweg GR 10 führt Naturliebhaber durch die Pyrenäen. Auch quer zum Jakobsweg finden Wanderer zu sich selbst.


        Pilgerweg ohne religiösen Bezug: Der GR 10 verläuft quer zu der in Mode gekommenen Strecke nach Santiago de Compostela. Foto: Ulrike Koltermann

Pilgerweg ohne religiösen Bezug: Der GR 10 verläuft quer zu der in Mode gekommenen Strecke nach Santiago de Compostela. Foto: Ulrike Koltermann

Cauterets. Im weichen Waldboden hinterlassen die Wanderstöcke kleine Löcher. Vogelgezwitscher ist zu hören, sonst nichts. Der schmale Weg windet sich den Hang hinauf. Kiefern und Buchen filtern das Sonnenlicht. Da ist es wieder: das Pyrenäengefühl. Unterwegs sein, nur das Nötigste im Rucksack. Der Fernwanderweg GR 10 hat uns wieder, der durch die gesamten Pyrenäen führt, vom Atlantik bis zum Mittelmeer.

Seit drei Jahren laufen wir jeden Sommer eine Woche auf ihm. Wenn wir so weitermachen, kommen wir etwa in sieben Jahren in Banyuls an. Unterwegs treffen wir aber auch immer wieder Wanderer, die die Strecke am Stück gehen. Etwa zwei Monate braucht man dafür. Häufig sind es Menschen, die an einem Wendepunkt stehen – ein Student nach der Abschlussarbeit, jemand, der einen neuen Job anfängt, ein anderer, der gerade in Rente gegangen ist.

Wandern quer zum Jakobsweg

Es ist ein Pilgerweg ohne religiöse Konnotation, ohne Esoterik. Ein Anti-Jakobsweg, der quer zu der in Mode gekommenen Strecke nach Santiago de Compostela verläuft. Statt des Muschelsymbols weisen rot-weiße Balken den Weg, auf Baumstämme oder Felsen am Weg aufgepinselt. In unübersichtlichem Gelände werden sie durch Steinmännchen ersetzt.

Verpflegung und Unterkunft von auf dem Berg

Als wir aus dem Wald herauskommen, empfängt uns leises Glockengebimmel. Eine Herde zotteliger Schafe zieht grasend über eine Bergwiese. Auf den Rücken tragen sie blaue Markierungen, als habe ein Graffitisprayer sich an ihnen versucht. Aus dieser Wolle wird wohl niemand mehr etwas stricken, aber sie sollen ja auch in erster Linie Milch für den Pyrenäenkäse liefern. Der schmeckt besonders würzig, weil in den Pyrenäen so viele aromatische Pflanzen wachsen.


 

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