Dem Vampir keine Chance
Der AmbergerImkerchef Johann Müllner erklärt, wie die Varroamilbe ihren Schrecken verliert.
Bei den Bienen Johann Müllners hat die Varroamilbe kaum eine Chance. Foto: Fürst
Amberg. Sie ist ein winzig kleiner Blutsauger, ein Vampir im Miniformat: die Varroamilbe. Obwohl nur 1,6 Millimeter groß, gilt sie als das Schreckgespenst vieler Imker. Was man dagegen tun kann, weiß der Vorsitzende der Amberger Bienenzüchter, Johann Müllner.
Die Alarmmeldungen über die Varroamilbe kennt jeder. „Varroamilbe vernichtet kompletten Bienenbestand", „Imker fürchten um ihre Existenz", „Ohne Biene stirbt der Mensch". So oder ähnlich lauten viele Schlagzeilen – seit Jahren.
Einer der Betroffenen, der das Ganze gar nicht so dramatisch seht, ist Johann Müllner. „Die Biene stirbt nicht aus. Dafür sorgt der Imker", betont der Bienenzüchter. Entscheidend sei die Bekämpfung der Varroamilbe, die zwar nicht komplett auszurotten, sehr wohl aber wirksam einzudämmen sei. „Ich behaupte, dass 90 Prozent der Imker, die große Ausfälle wegen der Milbe haben, daran selbst Schuld sind. Die tun einfach zu wenig dagegen."
Wenn man den Schädling regelmäßig und mit den richtigen Mitteln bekämpfe, könne man ihn in den Griff bekommen. „Bei uns im Verein gibt es keinen Imker, der mehr als 20, 30 Prozent Verlust wegen der Varroamilbe hat." Landesweit sei die Zahl der Ausfälle 2011 zwar gestiegen, liege aber in etwa auch nur bei knapp einem Drittel.
Die Varroamilbe beißt sich bei der Honigbiene fest, ähnlich einem Blutegel beim Säugetier. Bei gleicher Proportion hätte ein entsprechender „Blutegel” beim Menschen die Größe eines blutsaugenden Kaninchens. Die Milbe befällt zwar auch die erwachsene Biene, entwickelt und vermehrt sich aber in der verdeckelten Bienenbrut im Stock. Die Varroose, wie dieser Parasiten-Befall genannt wird, ist deshalb vor allem eine Krankheit der Brut. Da im Winterhalbjahr keine Brut aufgezogen wird, wechseln die Varroamilben in dieser Zeit notgedrungen auf die erwachsenen Bienen.
Johann Müllner, seit fünf Jahren an der Spitze der Amberger Bienenzüchter, besitzt zehn Völker mit jeweils etwa 50000 bis 60000 Bienen. Da hängt natürlich einige Arbeit dran. „Aber noch mehr Herzblut", sagt Müllner. Man müsse schon eine Leidenschaft entwickeln für dieses Hobby. „Ich habe zwar relativ spät angefangen, dafür komme ich jetzt nicht mehr davon los."
65 Imker mit 550 Völkern zählt der Amberger Bienenzuchtverein. Das bedeutet, dass in Amberg und Umgebung mehr als 30 Millionen Bienen ihre wichtige Arbeit verrichten – die fleißigen Tierchen der nicht organisierten Imker nicht gerechnet.
Müllner erklärt, dass die Bienenzucht der drittwichtigste Zweig der Landwirtschaft sei, hinter der Schweine- und der Rinderzucht. „Aber nicht wegen des Honigs, sondern wegen ihrer Bestäubungsleistung."

