Beruf & Karriere 23.04.2012, 15:29 Uhr

Hahn im Korb – Männer in Frauenjobs

Männer in Frauenjobs müssen gegen Vorurteile kämpfen und oft Spott ertragen. Doch vielen gelingt schnell der berufliche Aufstieg.


        Laut Statistischem Bundesamt waren im Jahr 2009 nur 7,2 Prozent der Mitarbeiter in Kindertagesstätten männlich.

Laut Statistischem Bundesamt waren im Jahr 2009 nur 7,2 Prozent der Mitarbeiter in Kindertagesstätten männlich.

Nürnberg. Sie gelten oft als eher zarte Typen und müssen sich fragen lassen, ob nicht in einem anderen Job mehr drin gewesen wäre. „Auch in Familie und Freundeskreis kommt es häufig zu Situationen, in denen sie sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, sie hätten ja nichts Richtiges gelernt“, sagt Britta Matthes vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Das hindere viele Männer daran, einen vermeintlichen Frauenberuf zu wählen.

Jene, die es doch wagen, müssen einiges aushalten können, denn sie stechen hervor. „Dass ich als Mann in meinem Job in der Unterzahl bin, ist noch untertrieben“, stellt Peter Bließen fest, der als Medizinischer Fachangestellter in einer Praxis für Onkologie und Hematologie in Hildesheim arbeitet. Die Statistik gibt ihm recht. Die Gesundheitspersonalrechnung des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass nur jeder hundertste Medizinische Fachangestellte – umgangssprachlich: Sprechstundenhilfe – ein Mann ist.

Berufswahl oft Zufall

Bließen selbst ist über Umwege dazu gekommen. „Ich wollte eigentlich einen eher kaufmännischen Beruf machen“, erinnert er sich. Nach dem Schulabschluss begann er eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten. Diese machte er allerdings nicht zu Ende, weil er zur Bundeswehr eingezogen wurde. „Im Nachhinein bin ich glücklich darüber“, versichert Bließen. Denn nachdem er im Sanitätsdienst eingesetzt wurde, entschied er sich für seinen Traumberuf, den er nun seit zehn Jahren ausübt.

Ähnlich sei es bei vielen Männern, die sich für einen Frauenberuf entschieden haben, glaubt Udo Beckmann vom Verband Bildung und Erziehung in Berlin. „Männer, die im Zivildienst in Kindertagesstätten oder anderen pädagogischen Einrichtungen tätig waren, haben oft ihre Berufsvorstellungen verändert“, sagt er. „In dieser Zeit haben sie gemerkt: Das ist doch was für mich.“


 

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