Reise & Freizeit 17.02.2012, 20:17 Uhr

Kulturhauptstadt 2012: „Kojak“ ist schon da

Maribor trägt in diesem Jahr einen bedeutenden Titel – und weiß jetzt noch nicht, ob es alle Projekte verwirklichen kann, weil das Geld fehlt.

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        Im Zentrum einer Weinbauregion

Im Zentrum einer Weinbauregion

Von Ulrich Traub

Einen Superlativ hat Maribor bereits: Der älteste Rebstock der Welt gedeiht am Ufer der Drau. Seit mehr als 400 Jahren trägt er nun schon Früchte. Als Zentrum einer Weinbauregion hat Maribor einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Nun will sich der slowenische Ort auch als Kulturstandort einen Namen machen.

Mit dem portugiesischen Guimarães trägt Maribor den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2012 – zwei Orte, die bislang nicht auf der Liste der Kulturreisenden standen. Unter dem Motto „Turning Point“, Wendepunkt, soll in Maribor nicht weniger „als die Heimat, die Stadt und die Gesellschaft verändert werden“, heißt es. Mehr als vollmundige Absichtserklärung ist dies pure Notwendigkeit. Denn wie auch Essen, das den Titel 2010 trug, ist die Region von hartnäckigen Strukturproblemen gekennzeichnet.

Maribor, mit wenig mehr als 100000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Sloweniens, war in Jugoslawien einer der bedeutendsten Industriestandorte. Das ist längst Vergangenheit, aber die Universitätsstadt sucht noch nach einer neuen Rolle. Viele Bewohner sind mangels Arbeitsmöglichkeiten weggezogen. Nun soll es die Kultur richten. Allein, es fehlt an Geld – auch für das Projekt 2012. Ob alle der geplanten rund 300 Programmangebote in Maribor und seinen benachbarten Partnerstädten – Murska Sobota, Novo Mesto, Ptuj, Slovenj Gradec, Velenje – durchgeführt werden können, ist fraglich.

Alles dreht sich um den Hauptplatz

Die Reise in die nur wenige Kilometer hinter der Grenze zu Österreich gelegene Kulturhauptstadt lohnt dennoch. Der Ort, an dem die Römer einst eine Festung zum Schutz vor den Magyaren angelegt hatten, entwickelte sich ab dem 13. Jahrhundert zu einer blühenden Handelsstadt am Schnittpunkt bedeutender Fernstraßen. Die noch existente Stadtburg lässt sich bis zum Jahr 1478 zurückverfolgen und diente bis 1938 als Sitz der Habsburger (heute Museum). Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes der Freiheit liegt die größte Weinkellerei Sloweniens, in deren Keller Verkostungen stattfinden. Auf dem Platz selbst ist das Denkmal, das an die Opfer des Faschismus und an die Befreiung vom Nazi-Terror erinnert, nicht zu übersehen. Die riesige Bronzekugel wird von den Einheimischen wegen der glänzenden Oberfläche „Kojak“ genannt.


 

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