Viel Geld investiert Mannheim derzeit in sein ehemaliges Hafenviertel rund um den Jungbusch.
Foto: Stadtmarketing Mannheim/Dominik Rossbach
Mannheim.
Michael Herberger steht im betonverkleideten Foyer der Mannheimer Popakademie und breitet seine Arme aus: „Ich habe in Mannheim alles, was ich brauche“ sagt er. Dass Zugereiste sich nur selten auf den ersten Blick in die Stadt verlieben, weiß er. „Man braucht Zeit und muss dem Ganzen hier eine Chance geben“, erklärt der Mitbegründer und Keyboarder der Söhne Mannheims. „Mannheim ist eine Stadt, die man entdecken muss. Sie ist auf den ersten Blick keine Schönheit.“
Gegenüber der Popakademie, die jüngst um zwei Stockwerke erweitert wurde, liegt der Containerhafen am Rhein und auf der anderen Seite des Flusses der Chemieriese BASF. In Mannheim lernte das Auto dank Carl Benz rollen, Karl Freiherr von Drais entwickelte hier das erste Zweirad. Die Spuren davon sind bis heute unübersehbar. Industrieromantik pur für Liebhaber.
Wer’s anders mag: Unweit entfernt liegt das Mannheimer Barockschloss, in dem heute die Universität untergebracht ist, oder der Friedrichsplatz mit dem Wasserturm - eine der schönsten Jugendstilanlagen Europas.
Mannheim ist eine Stadt der Gegensätze. Alles sei in Bewegung, sagt Herberger - vor allem in Sachen Kunst und Kultur. Dass Mannheim eine Musikstadt ist, zeige sich nirgends besser als in der Popakademie - der einzigen in Deutschland.
Die Söhne Mannheims, Xavier Naidoo, Laith Al-Deen: Zahlreiche Musikgrößen haben die Quadratestadt, die den Auswärtigen mit Straßennamen wie L7 oder A1 zum Staunen bringt, zur Musikstadt gemacht. Und das nächste Musiksternchen leuchtet auch schon am Himmel. Im Studio von Xavier Naidoo und Michael Herberger produziert derzeit „The Voice of Germany“-Kandidat Rino Galiano sein erstes Album. Wie könnte es anders sein: Auch er ist ein Mannheimer.
Die Musikschmiede steht mitten im Jungbusch, einem Problemviertel, das sich in den kommenden Jahren zum kreativen Mittelpunkt der Stadt mausern soll. In das ehemalige Hafenviertel pumpt die Stadt Geld für den Strukturwandel. Szenekneipen, Theaterprojekte für Migrantenkinder und Kreativbüros liegen neben türkischen Gemüseläden und Kulturvereinen. 80 verschiedene Nationen leben im „Busch“. Aber noch liegt vieles brach.
Mit zahlreichen Veranstaltungen wird sich die Popakademie auch beim Katholikentag einbringen, der in diesem Jahr vom 16. bis 20. Mai in der Quadratestadt über die Bühne geht. Von Straßenmusik bis Band-Coaching reicht das musikalische Angebot.
Einen kreativen Quantensprung verspricht sich Herberger vom Abzug der US-Amerikaner. Acht Kasernen werden in den kommenden Jahren dadurch frei. In einer der Anlagen, den Taylor Barracks, soll nach dem Willen von Herberger und Naidoo ein großer Medienpark und Kreativzentrum entstehen. Die Pläne sind ehrgeizig: „Da muss eine Spielstätte rein, in einer Größe, die die Stadt braucht“, träumt Herberger. Räume für Theater, Fernsehen, Konzerte, aber auch Platz für Ton- und Fernsehstudios soll es dort geben. „Das ist eine Chance für die Stadt und die Möglichkeit, eine kreative Alternative zu Hamburg oder Berlin zu schaffen“, sagt der Musiker.
Doch nicht nur wegen der Musik ist Mannheim bekannt. Das 1799 von Kurfürst Carl Theodor gegründete Nationaltheater ist das älteste kommunale Theater der Welt, unter anderem wurden hier Friedrich Schillers „Die Räuber“ uraufgeführt. Die Universität hat sich vor allem in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu einer der ersten Adressen gemausert. Ihre Herberge, das Barockschloss, bietet Besuchern nach einer Komplettsanierung seit einigen Jahren wieder Einblicke in das Leben am kurfürstlichen Hof.
Und auch beim Einkaufsangebot könne Mannheim längst mit anderen Metropolen konkurrieren, findet Herberger. „Was man hier unglaublich gut kann, ist einkaufen - Shoppen ist super“, sagt der London-Fan. Seine Anzüge etwa kauft er in einem kleinen italienischen Laden.
Wenn er entspannen will, zieht es den zweifachen Vater am Wochenende mit den Kindern in den Mannheimer Luisenpark, die Pfalz oder nach Heidelberg. Alles einen Steinwurf entfernt.
Ob die Söhne Mannheims den Ruf der Stadt aufgepeppt haben? Herberger winkt ab. Aber er gibt zu: Es sei schon ein unglaubliches Gefühl, wenn tausende Fans bei ihren Konzerten den Refrain der Mannheim-Hymne mitsingen. Egal wo. „Wenn dir dann 15 000 ,Mannheim‘ entgegen brüllen - das ist schon toll.“
Info-Kasten: Mannheim
Anreise: Mannheim liegt verkehrsgünstig vor allem für Bahnreisende. Der Hauptbahnhof ist Knotenpunkt zahlreicher Bahnstrecken. Der Flughafen Frankfurt/Main ist rund 70 Kilometer entfernt.
Unterkünfte: Hotels in allen Preiskategorien stehen zur Verfügung.
Informationen: Tourist Information Mannheim, Willy-Brandt-Platz 3 (am Bahnhofsvorplatz), 68161 Mannheim (Tel.: 0621/293 87 00, E-Mail: touristinformation@mannheim.de).