Reise & Freizeit 01.06.2012, 14:53 Uhr

Hiddensee ist Insel der Künstler und Dichter

Die Ostsee braust, und der Strand ist lang. Das hat schon Gerhart Hauptmann geschätzt. Für ihn war Hiddensee die Insel seines Lebens.


        Beliebtes Ziel im Norden der Insel - der Leuchtturm wurde 1888 erbaut und ist 72 Meter hoch.
        Foto: Seebad Hiddensee/Robert Ott

Beliebtes Ziel im Norden der Insel - der Leuchtturm wurde 1888 erbaut und ist 72 Meter hoch. Foto: Seebad Hiddensee/Robert Ott

Vitte/Kloster. Im Hafen von Vitte riecht es nach Pferdeäpfeln. Benzingeruch gibt es auf Hiddensee nicht - Autos sind auf der kleinen Ostseeinsel verboten. Und das ist auch gut so. Gerade hat die „Sundevit“ aus Zingst angelegt, ein Schwung neuer Touristen geht von Bord. Einige Gäste reisen gleich vom Hafen aus mit der Ein-PS-Kutsche weiter. Der Rest geht zu Fuß in den Ort, vorbei an der Insel-Drogerie und dem Fisch-Bistro. Die Wege sind hier kurz.

Wer auf Hiddensee angekommen ist, schaltet fast automatisch einen Gang runter. Die Insel ist viel kleiner als der Nachbar Rügen, viel ruhiger und nach fester Überzeugung der Stammgäste auch viel schöner. Nicht einmal 17 Kilometer ist sie lang und an der schmalsten Stelle nur 250 Meter breit. Fast überall wächst Sanddorn. Über den Wiesen flattern Zitronenfalter, auf den Weiden stehen Pferde. Fahrradfahren ist hier das reinste Vergnügen. Auf den Strecken durch den Wald riecht es intensiv nach Kiefernnadeln.

Ziele gibt es genug - der Leuchtturm im Norden der Insel gehört sicher dazu. Sein Licht strahlt nachts rund 45 Kilometer weit über die Ostsee. Erbaut wurde er 1888 und ist immerhin 72 Meter hoch. Attraktiv für Urlauber war die Hiddensee schon zu Kaisers Zeiten, der Tourismus hat Tradition. Um 1900 gab es bereits mehrere Hotels. Gerade Künstler und Schriftsteller zog die kleine Insel an: Gottfried Benn und Carl Zuckmayer spazierten hier über den Strand, der Brücke-Maler Erich Heckel hatte hier ein Sommerhaus. Hans Fallada schrieb seinen Roman „Kleiner Mann, was nun?“ auf Hiddensee zu Ende.

Joachim Ringelnatz, Autor humorvoller Reime, fühlte sich immer wieder im Haus von Asta Nielsen wohl: Die Stummfilm-Ikone kaufte sich Ende der 1920er Jahre das noch heute als „Karusel“ bekannte Haus in Vitte, in das die Dänin jeden Sommer Freunde und Kollegen aus der Künstlerszene in Berlin einlud. Heute gehört es der Kurverwaltung und steht unter Denkmalschutz. Meist ist es verschlossen, aber regelmäßig gibt es Führungen, bei denen man auch ins Innere kommt. Dort erinnert eine kleine Ausstellung an das Leben der Schauspielerin. Und Fotos zeigen sie zum Beispiel zusammen mit Ringelnatz am Kaffeetisch vor dem Haus - mit Kühen neben sich.


 

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