Die Regensburger Kurzfilmwoche 2012
In den Kinos der Domstadt werden auch in diesem Jahr Kurzfilme aus aller Welt präsentiert. Sie konkurrieren beim internationalen, deutschen, bayerischen und regionalen Wettbewerb.
Fünf dieser Filme gehen außerdem ins Rennen um den Publikums-Online-Preis „Ich bin Fan!!!“, den die Volksbank Regensburg und Mittelbayerische.de ausloben. Er ist mit 1300 Euro dotiert. Gekürt wird derjenige Film, der die meisten User-Stimmen in unserer Abstimmung erhält.
Der Medienwissenschaftler und ehemalige kroatische Nationaleishockeyspieler Jure Ramadža zeigt einen professionell gemachten Beitrag. Kein Wunder, Ramadža arbeitet in Regensburg als Videojournalist. Beim Thema „Ich bin Fan“ habe er gleich an den Jahn Regensburg gedacht. Im Film geht er der Frage nach, welchen Stellenwert der Sport für das Leben hat und interviewt dazu neben dem Fanbeauftragten Janni Fuchs Jahn-Kapitän Tobias Schweinsteiger. Ramadža bringt den Profi-Spieler dazu, sich ihm zu öffnen und nicht nur von der Leidenschaft für seinen Sport zu erzählen, sondern auch von dem schrecklichen Unglück von 2006: Eine 13-jährige Schülerin lief Schweinsteiger vor das Auto und starb beim Zusammenstoß. Der Film ist eine intensive Mischung aus Porträt und Doku mit Musik von der Deutsch-Rap-Band „Low Society“ um Ramadžas Bruder Marijan.
Erik Grun ist ein höchst umtriebiger Filmemacher, der es pro Jahr auf bis zu vier Langspielfilme bringt. Er liebt bayerische Sujets, seine Figuren sind oft liebenswerte Looser. Gruns Filme laufen in den Regensburger Altstadtkinos oder in Wirtshäusern. In diesem Jahr hatte Grun überlegt, ob er einmal aussetzen sollte bei der Kurzfilmwoche. Dann brachte ihn das Thema „Ich bin Fan!“ auf eine Idee. Mit seinen Darstellern Laura Vögeler (10) aus Regensburg und Maxi Neßlauer (9) aus Fußenberg drehte er den Dreiminüter „Fan-Meile 15:30 Uhr“. Ein Streifen mit typischem Grun-Humor, in dem es nicht um Fußball geht – aber um hingebungsvolles Fantum.
Bei ihrer gemeinsamen Ausbildung zum „Kompetenzlehrer Film“ entstand der Beitrag der drei Lehrer Karl-Heinz Richter, Peter Kollross (beide Regensburg) und Egid Spieß aus Rieden. Aufgabe war eine Dokumentation. „Daraus ist eine Art Roadmovie geworden“, sagt Karl-Heinz Richter. Die Idee: Der Frage nachzugehen, was die Leute vom Schild „Blasenfrei zapfen“ an Tankstellen halten. Die Filmemacher lernten: Das Schild ist außer bei kleinen Tankstellen fast verschwunden. „Die Technik hat es heute überflüssig gemacht“, sagt Richter.
Dieser Film ist eine Hommage an den US-Schauspieler und Musiker River Phoenix (1970-1993). Tanja Zisterer hat in „Tribute“ eine Szene aus Phoenix’ Roadmovie „My private Idaho“ (1991) nachgespielt – links im Bild die Oberpfalz, rechts Idaho. Zisterer bewegt sich dabei synchron mit Phoenix. Gedreht wurde der Film auf der selten befahrenen Straße von Großaign nach Kleinaign im Bayerischen Wald. „Ich dachte, da schaut es aus wie in Idaho“, sagt Zisterer, die mit 15 Jahren erstmals Phoenix’ Film „Stand by me“ sah: „Mit 16 war ich fest entschlossen, den zu heiraten“. Doch der Star starb 1993 an Drogenüberdosis. Heute hat sich Zisterers Begeisterung etwas abgeschwächt. „My private Idaho“ hat sie trotzdem an die hundertmal gesehen.
Sie pöbeln ganz schön gschert daher, die Fans der fiktiven Spielvereinigung Randsperg. Klaus Schwarzfischer hat ihre Kommentare aufgezeichnet. Eigentlich wollte er die Tonspur in einem Song für seine Band, „Schwafi und die Spackos“ verarbeiten. Dann erfuhr er vom „Ich bin Fan!“-Wettbewerb. Mit Kameramann Stefan Adler filmte er ein Kickerspiel und schnitt Bild- und Tonspur zusammen. Herausgekommen ist ein amüsanter Kurzfilm samt Nationalhymne, echter bayerischer Stadionatmosphäre und augenzwinkernd-dramatischen Szenen auf dem Kickerspielfeld. Schwarzfischers bissige Kritik an fanatischen Fans: „Egal bei welchem Verein, es ist ist immer das gleiche Geblöke, sogar wenn es gar keine Menschen sind, sondern nur Kickerfiguren.“ Die Filmmusik stammt natürlich von den „Spackos“.
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