Eurovision Song Contest 2013 08.05.2012, 12:45 Uhr

Missklänge zum Eurovision Song Contest

Aserbaidschan will sich weltoffen präsentieren. Kritiker waren davor, sich von der Glitzermetropole blenden zu lassen.


        Zum Eurovision Song Contest (ESC) in der zweiten Maihälfte will die autoritäre Führung in Aserbaidschan das Land von seiner besten Seite zeigen. Foto: Hannibal Hanschke dpa

Zum Eurovision Song Contest (ESC) in der zweiten Maihälfte will die autoritäre Führung in Aserbaidschan das Land von seiner besten Seite zeigen. Foto: Hannibal Hanschke dpa

Baku. Glanzvoll steht die von Deutschen gebaute Crystal Hall am Kaspischen Meer – wie ein Beweis dafür, dass es Aserbaidschan als Gastgeber des Eurovision Song Contests (ESC) an Geld nicht fehlt. Die autoritäre Führung in der schillernden Hauptstadt Baku geizt nicht mit ihren Petrodollars aus dem Öl- und Gasgeschäft, um sich den ESC-Gästen aus mehr als 40 Ländern in der zweiten Maihälfte im besten Licht zu zeigen. Und sie stört es deshalb umso mehr, wenn Missklänge vor diesem Musikereignis für Millionen Fernsehzuschauer das Bild des offiziell nach Europa orientierten aufstrebenden Staates trüben.

Der Wettbewerb als Chance für das Land

Der ESC sei eine Chance für das islamische Land mit seiner reichen Kultur, sich als weltoffen, tolerant und gastfreundlich zu zeigen, sagt der Chefideologe in der Präsidialverwaltung, Ali Gassanow, in Baku. Er leitet seit 18 Jahren die Abteilung für Gesellschaftspolitik und antwortet auf Fragen gern schon, bevor der Gesprächspartner sie ihm überhaupt stellen kann. „Aserbaidschan will so reich werden wie die Golfstaaten und so weltoffen wie der Westen“, formuliert er einen seiner Leitsätze.

Kritik wegen Menschenrechtsverstößen

Der Funktionär macht keinen Hehl daraus, wie sehr der Führung in Baku die „einseitigen Berichte“ im Westen über blutige Gewalt gegen Journalisten, Druck auf die Opposition und Menschenrechtsverstöße missfallen. Er zählt diese Punkte selbst auf, bezeichnet Probleme aber als „Einzelfälle“ und betont dann noch, dass die Westorientierung Aserbaidschans ernst gemeint sei.

Und die „politischen Gefangenen“ – Menschen, die nach Protesten gegen Staatschef Ilcham Alijew im Gefängnis sitzen? Gassanow behauptet, dass hier niemand wegen seiner politischen Meinung inhaftiert werde, sondern nur wegen Gesetzverstößen. Präsident Alijew habe auch immer wieder Gefangene begnadigt. „Natürlich haben wir noch viel zu tun, wir machen aber täglich Fortschritte“, sagt Gassanow.


 

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