Eurovision Song Contest 2012-artikel 25.05.2012, 20:33 Uhr

Vorsingen beim Alleinherrscher

Der Eurovision Song Contest wirft ein grelles Schlaglicht auf Gastgeber Aserbaidschan und seinen autoritär regierenden Präsidenten Ilham Alijew.


        Als nagelneue Luxusstadt, so präsentiert sich die aserbaidschanische Hauptstadt Baku den ESC-Gästen.Fotos: dpa

Als nagelneue Luxusstadt, so präsentiert sich die aserbaidschanische Hauptstadt Baku den ESC-Gästen.Fotos: dpa

Von Ulrich Krökel, MZ

Baku. Was in Ilham Alijew am Abend des 14. Mai 2011 wirklich vorging, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Nach außen hin fiel der aserbaidschanische Präsident in den Jubel seiner Landsleute ein. Euphorisch gratulierte er dem Sängerpaar Eldar Qasimow und Nigar Camal alias „Ell & Nikki“ am Telefon. „Ihr seid großartig!“, rief er in den Hörer. Die beiden hatten soeben in Düsseldorf den Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen und Aserbaidschan das Heimrecht für 2012 gesichert. Heute nun findet in dem Land das ESC-Finale statt.

Ein Risiko für Machthaber Alijew

Gut möglich, dass Alijew in jener Jubelnacht vor einem Jahr eher unruhig geschlafen hat. Denn mit dem ESC-Triumph in Deutschland begann für die ehemalige Sowjetrepublik am Südrand des Kaukasus das, was im Siegertitel von Ell und Nikki ungewollt angedeutet war: „Running Scared“, ein panischer Lauf. Alijew muss sofort klar gewesen sein, dass Aserbaidschan schnell in den Fokus der europäischen Öffentlichkeit geraten würde. Mehr als 100 Millionen Zuschauer lockt das ESC-Finale europaweit vor die Bildschirme. Für den autoritären Herrscher und sein Land ist das eine Chance, vor allem aber ein Risiko.

Die Kritik an dem Regime würde wachsen. Denn die politische Führung in dem Land Aserbaidschan lässt politische Gegner ins Gefängnis werfen, demokratische Grundrechte wie die Meinungsfreiheit unterdrücken, die Justiz gängeln, Korruption dulden oder fördern, Umweltsünden verschleiern und seine Armee mit Petro-Milliarden hochrüsten. Dieses Bild zumindest zeichnen Kritiker Alijews wie der Bürgerrechtler Rasul Jafarow. „Das sind Verbrecher. Die Situation verschlechtert sich immer weiter“, sagt der 27-Jährige, der aus Anlass des ESC die Oppositionsbewegung „Sing for Democracy“ mitbegründet hat.


 

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