„Mainstream dominiert“
Der Eurovision Song Contest (ESC) bietet nach Meinung des deutschen Sprach- und Kulturwissenschaftlers Irving Wolther (42) viel Massenware und wenig Markantes. Viele Länder täten alles für einen Sieg bei der Musikolympiade – „manchmal sogar die eigene Kultur verleugnen“, sagt der auch „Dr. Eurovision“ genannte Dozent der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover.
Was fällt beim ESC musikalisch dieses Jahr besonders ins Auge?
Irving Wolther: „Ich habe das Gefühl, dass seit dem Sieg von Lena Mainstream für den Eurovision hoffähig geworden ist. Es gibt viele Länder, die sich mit radiotauglicher Musik präsentieren, um ihre Siegchancen zu erhöhen. Das Ziel, den Wettbewerb zu gewinnen, ist so erstrebenswert für viele Länder, dass sie alles dafür tun – manchmal sogar die eigene Kultur verleugnen. In diesem Jahr ist sehr deutlich, das man sich erfolgreicher Komponisten aus anderen Ländern bedient. Ich würde hier von einer Schwedifizierung des ESC sprechen, weil doch ein sehr großer Teil der Beiträge von schwedischen Komponisten stammt.“
Also alles sehr viel Einheitsbrei?
Irving Wolther: „Vielen ist ja gar nicht bewusst, dass ein großer Teil des Mainstream-Pops, den wir aus dem Radio dudeln hören, aus dem schwedischen Musikmarkt kommt. Und hier werden ganz gezielt diese Talente rausgepickt, um europaweit leicht Verdauliches für das eigene Land zu präsentieren. Mit der Strategie ist ja auch Aserbaidschan gut gefahren. Sie haben ein schwedisches Team drei Jahre in Folge angeheuert – und das Ergebnis hat uns jetzt nach Baku geführt.“
Was sticht trotzdem aus dieser Massenware beim Grand Prix heraus?

